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Friedenstruppe ein zahnloser Tiger - Libanesische Armee an Grenze zu Israel

Der Aufbau der UNO- Friedenstruppe für Südlibanon kommt nur schleppend voran. Nach dem Zögern Frankreichs machten auf einer Konferenz in New York nur wenige Länder verbindliche Versprechen.

Die kommenden Tage «werden für uns sehr kritisch sein, wenn wir unser Versprechen einhalten wollen, innerhalb von zehn Tagen 3500 Soldaten vor Ort zu haben», sagte der stellvertretende UNO- Generalsekretär Mark Malloch Brown am Freitag. Daher rufe er Europa auf, die Truppen für diese erste Phase zu stellen.

Geplant ist, die bisherige UNO-Friedenstruppe UNIFIL in Südlibanon von derzeit 2000 auf 15 000 Soldaten aufzustocken. Die Truppe soll von 15 000 libanesischen Soldaten unterstützt werden und Südlibanon befrieden.

Auch Italien zu Führung bereit

Frankreich ist nach wie vor bereit, die Führung der Truppe zu übernehmen, will aber nur 200 zusätzliche Soldaten entsenden. Weitere 1700 französische Soldaten auf vier Schiffen, die zur Evakuation von Flüchtlingen bereits in Libanon sind, sollen zwar dort der UNO zur Verfügung stehen, jedoch nicht unter deren Kommando.

US-Präsident George W. Bush zeigte sich auf dem Landsitz Camp David vor Journalisten enttäuscht über die Zurückhaltung Frankreichs.

Das italienische Kabinett beschloss am Freitag, ebenfalls Soldaten zu schicken, die Zahl ist aber noch unklar. Die Rede ist von 2000 bis 3000 Einsatzkräften. Das Land wäre auch bereit, die Führungsrolle zu übernehmen.

Deutschland bot an, sich an der Überwachung der libanesischen Küste und der Sicherung der Landgrenze zu beteiligen. Im Rahmen der humanitären Hilfe entsendet die deutsche Regierung sechs Bundeswehr- Transportmaschinen.

Weitere Zusagen hat die UNO von Australien, Bangladesch, Brunei, Finnland, Indonesien, Malaysia, Nepal und Neuseeland. Grössere Kontingente könnten aus der Türkei, Spanien, Marokko und Belgien kommen.

Einmarsch bei Schebaa-Farmen

Die libanesische Armee setzte unterdessen die Stationierung ihrer Soldaten im Süden des Landes fort. Vorbereitet wurde der Einmarsch in das Gebiet der Schebaa-Farmen, die Israel besetzt hält. Das Militär beziehe in dem Dorf nahe der von Libanon beanspruchten Enklave Stellung, verlautete aus Sicherheitskreisen.

In dem Gebiet war es vor dem jüngsten Krieg in Libanon immer wieder zu Kämpfen zwischen Israel und der schiitischen Hisbollah- Miliz gekommen. Diese betrachtet Israels Präsenz auf den Höfen als Beleg dafür, dass der Abzug der Besatzer aus Libanon im Jahr 2000 unvollständig war.

Israel besetzte die Farmen, als es die Golan-Höhen 1967 von Syrien eroberte. Der UNO zufolge gehören die Höfe zu Syrien.

Am Donnerstag hatte die libanesische Armee begonnen, Truppen südlich des Flusses Litani zu stationieren. Inzwischen sind laut einem hochrangigen Mitarbeiter der Sicherheitskräfte etwa 4500 libanesische Soldaten in der Region.

Hisbollah unterstützt Obdachlose

Die Hisbollah begann unterdessen damit, im Krieg obdachlos gewordene Familien mit Geld zu versorgen. Bislang hätten 120 Familien im südlichen Beirut die Hilfen ausgezahlt bekommen, teilte die Gruppe mit, die damit damit ein Versprechen ihres Chefs Hassan Nasrallah einlöste.

Die Betroffenen sollen damit übergangsweise eine Wohnung in der libanesischen Hauptstadt mieten und Möbel kaufen können. Im Krieg wurden laut UNO-Schätzungen bis zu 30 000 Häuser zerstört. (dapd)

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