«Rapid Rot»: Friedhöfe setzen auf Pilze für schnelle Verwesung
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«Rapid Rot»Friedhöfe setzen auf Pilze für schnelle Verwesung

In vielen Friedhöfen verwesen Leichen in der Erde nicht recht. Dagegen wird nun ein Mineralsubstrat eingesetzt, das in der Ostschweiz entwickelt wurde.

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taw
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FS Rapid Rot trägt dazu bei, dass Sarg und Leiche schneller verwesen.

FS Rapid Rot trägt dazu bei, dass Sarg und Leiche schneller verwesen.

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Beim Anbringen wird die untere Wachsfolie entfernt und der selbst-haftende Rahmen auf das Sargholz geklebt.

Beim Anbringen wird die untere Wachsfolie entfernt und der selbst-haftende Rahmen auf das Sargholz geklebt.

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«Wir bringen den Wald auf den Friedhof», sagt Francis Schwarze, Pilzexperte und Leiter der Fachgruppe Holzschutz am Institut für Materialforschung Empa in St. Gallen. Er hat nach jahrelanger Forschungsarbeit das spezielle Pilzgemisch FS Rapid Rot (Schnelle Verrottung) entwickelt. Das biologische Mineralsubstrat soll dafür sorgen, dass Särge und Leichen auf Friedhöfen schneller verwesen. In erster Linie gehe es um die Verrottung des Holzsarges, denn dieser schirme die Leichen zusätzlich vor mikrobiellen Aktivitäten ab.

Im Liechtenstein wurde kürzlich entschieden, dass das Produkt auf dem Schellenberger Friedhof eingesetzt wird, wie das «Vaterland» schreibt. Dies, weil auf dem Friedhof Gemeindemitarbeiter bei Grabarbeiten auf Särge gestossen sind, die auch nach 25 Jahren Ruhezeit nicht richtig zersetzt waren. In Kreuzlingen ist es bereits im Einsatz. «Nachdem die Versuche positiv waren, verwenden wir das Produkt nun bei allen Erdbestattungen», sagt Ursula Layritz vom Bestattungsamt Kreuzlingen.

An Schweinekadavern getestet

Rund 30 Prozent aller Friedhöfe in der Schweiz haben Probleme mit der Erde. «Die schweren Lehm- und Tondböden sorgen dafür, dass der Verwesungsprozess gehemmt wird. Zudem fehlt oft Sauerstoff», so Schwarze. In der Folge entstehen sogenannte Fettwachsleichen, die ähnlich konserviert sind wie Mumien und die wie Wachsfiguren aussehen. Zu einem besonders schockierenden Fall in der Schweiz kam es 1994 in Cham (ZG). Damals wurde ein Bahntrassee durch einen geschlossenen Friedhof gebaut. Dabei schaufelten Bagger 257 Wachsleichen heraus. Diese hatten rund 50 Jahre im Boden gelegen.

FS Rapid Rot soll hier Abhilfe schaffen. Vor ein paar Jahren wurde es in der Schweiz mit Hilfe von Schweinekadavern getestet. «Die Särge mit den Kadavern lagen rund drei Meter auseinander. Beim Sarg mit dem Pilz war der Kadaver nach zwei Jahren recht gut verwest, beim anderen kaum», so Schwarze. Vertrieben wird das Produkt über die Zofinger Firma Mycoproducts. «Unsere Käufer sind Gemeinden und Städte. Grabräumungen, wenn die Leichen noch nicht verwest sind, sind für Friedhofmitarbeiter sehr belastend. Zudem sind sie mit Kosten verbunden», so Geschäftsführer Martin Basler. Das Pilzgemisch werde jeweils direkt auf den Sarg angebracht. Ein Säckchen pro Sarg genügt.

Die Reaktionen seien bisher durchwegs positiv. Auch von der katholischen Kirche gab es bisher keine Einwände. «Immerhin beschleunigen wir ja nur einen natürlichen Prozess.»

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