Altstätten SG: Fremde Katze per Migros-Inserat verschenkt?
Aktualisiert

Altstätten SGFremde Katze per Migros-Inserat verschenkt?

Auf dem Friedhof in Altstätten SG wohnte jahrelang ein Kater. Er wurde von Besuchern gefüttert. Plötzlich war er weg. Ein Inserat lässt vermuten, dass er vermittelt wurde.

von
jeb
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Kater Friedo hält sich seit rund acht Jahren auf dem Friedhof von Altstätten SG auf.

Kater Friedo hält sich seit rund acht Jahren auf dem Friedhof von Altstätten SG auf.

zVg
Dieses Bettchen wurde Friedo bei den Urnengräber bereitgestellt. Hier hat er oft geschlafen.

Dieses Bettchen wurde Friedo bei den Urnengräber bereitgestellt. Hier hat er oft geschlafen.

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Mehrere Personen kümmerten sich um Friedo. Sie fütterten ihn täglich mehrmals und streichelten ihn, wenn sie ihre Angehörigen auf dem Friedhof besuchten.

Mehrere Personen kümmerten sich um Friedo. Sie fütterten ihn täglich mehrmals und streichelten ihn, wenn sie ihre Angehörigen auf dem Friedhof besuchten.

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«Jahrelang haben wir den Kater gefüttert, jetzt ist er nicht mehr da. Wir sind am Boden zerstört», sagt Trudi Matt. Sie und weitere Personen haben Kater Friedo in den letzten sieben bis acht Jahren gefüttert und gepflegt. Doch seit gut vier Wochen wurde Friedo nicht mehr auf dem Friedhof gesehen.

Eine Spur gibt es aber: Im Februar entdeckte eine Freundin von Matt den Kater in der Migros in Altstätten. Auf einem Kundeninserat. Neben zwei Bildern des Katers war folgender Inseratetext im Namen des Tieres zu lesen: «Ich suche eine gute Familie. Ich hatte eine, doch aus irgend einem Grund ist sie nicht mehr für mich da und ich wohne auf der Strasse.» Es sei kalt, und der Kater hätte keinen Platz zum Schlafen. «Hast du einen Platz für mich?»

Wurde aus dem Kater eine Rheumadecke?

Friedo fehlt der Personengruppe, die sich um ihn gekümmert hatte. Sie will, dass er wieder zurückkehrt. «Wenn sich der Kater bis Ende Woche nicht wieder auf dem Friedhof befindet, werden wir Anzeige bei der Staatsanwaltschaft einreichen», sagt Tierschützerin Edith Zellweger, an die sich die Personengruppe zwecks Unterstützung gewendet hatte. Anrufe bei der Frau, die das Inserat aufgegeben hatte, hätten zu keinen Resultaten geführt.

Zellweger befürchtet Schlimmes. Denn Tiere platzieren sei heikel, wenn man die Leute nicht kennt, die das Tier übernehmen. «Wer weiss, wem das Tier in die Hände gefallen ist.» Ihr sei bekannt, dass sich Versuchstierhändler oder Leute, die aus Katzenfellen Rheumadecken herstellen, auf solche Inserate melden.

Wo die Katze derzeit ist, ist nicht bekannt. Die Vermittlerin sagte zu 20 Minuten lediglich, dass sie sich schon genügend zum Thema geäussert habe und nun keine Zeit mehr dafür habe.

Meldung bei Tiermeldezentrale

Die Bestimmungen bezüglich Pflichten bei einem Tierfund sind im Zivilgesetzbuch ab Artikel 720a geregelt. Dort heisst es unter anderem, dass man den Fund eines Tieres anzuzeigen hat. «Wenn jemand eine Katze findet, muss er dies der kantonalen Meldestelle für Findeltiere oder der Schweizerischen Tiermeldezentrale (STMZ) melden», sagt Isabelle Schnell, Juristin bei der Stiftung für das Tier im Recht (TIR). Bei der STMZ müsse ein Suchinserat der Katze während mindestens zwei Monaten aktiv sein. «Danach geht die Findelkatze in das Eigentum des Finders über, sofern der bisherige Eigentümer sich bis dahin nicht meldet und sein Tier zurückfordert.»

Falls die Vermittlerin der Katze vor der Platzierung des Inserats keine Meldung bei STMZ gemacht hatte, hätte sie die Katze nicht vermitteln dürfen. Allerdings haben die Personen, die die Katze jahrelange gefüttert haben, unter Umständen auch keinen Anspruch auf die Katze, falls sie diese nicht der STMZ gemeldet hatten und es noch einen rechtmässigen Eigentümer gibt. «Der Übergang des Eigentums an gefundenen Tieren ist komplexer, als viele sich das vorstellen», sagt Schnell.

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