Jahrestag der Unruhen: Friedhofsruhe in Xinjiang
Aktualisiert

Jahrestag der UnruhenFriedhofsruhe in Xinjiang

Ein Jahr nach den blutigen Zusammenstössen zwischen Uiguren und Han-Chinesen in der Provinz Xinjiang hat die Regierung mit einem massiven Sicherheitsaufgebot Stärke gezeigt.

Chinesische Polizisten in Erwartung von Unruhen bei letzten Drills am Samstag.

Chinesische Polizisten in Erwartung von Unruhen bei letzten Drills am Samstag.

Die Staatsführung war am Montag sichtlich bemüht, jedes neuerliche Aufflammen der Gewalt schon im Ansatz zu ersticken. Bei den schwersten ethnischen Ausschreitungen seit mehreren Jahrzehnten waren in der westchinesischen Provinz vor einem Jahr nach offiziellen Angaben 197 Menschen ums Leben gekommen.

Der Besitzer eines kleinen Hotels in der Provinzhauptstadt Urumqi, ein Han-Chinese, sagte, seine Familie bleibe aus Sicherheitsgründen im Haus. Im Stadtzentrum müssten Besucher eines Marktes durch Sicherheitskontrollen, wie es sie sonst nur am Flughafen gebe, berichtete der Mann. Überall patrouillierten Polizisten.

Drohungen gegen Uiguren

Exil-Uigure Dilxar Raxit sagte, dass mehrere Angehörige seiner Volksgruppe von Drohungen der Sicherheitsbehörden berichtet hätten. So sei es verboten, der vor einem Jahr getöteten Angehörigen zu gedenken. Raxit, Sprecher des in Deutschland ansässigen Weltkongresses der Uiguren, forderte erneut eine unabhängige Untersuchung der tagelangen Gewaltwelle vor einem Jahr.

Ilham Tohti, Uigure und Wirtschaftsprofessor in Peking, ist für seine offene Kritik an den Verhältnissen bereits eingesperrt worden. Er sagte, dass viele Uiguren Angst davor hätten, sich offen zu äussern, weil überall Spitzel lauern könnten. «Uiguren trauen nicht mal mehr ihren Freunden und Familienmitgliedern, geschweige denn Han-Chinesen oder der Regierung.» Die Leute hätten Angst, etwas Falsches zu sagen, was ihr Leben ruinieren könne.

Die Behörde für Öffentliche Sicherheit in Xinjiang teilte am Sonntag mit, dass die Einwoher der Provinz wie gewohnt ihrer Beschäftigung nachgehen sollten. Eine Sprecherin sagte am Montag, die Lage sei normal, ohne nähere Einzelheiten zu nennen.

5000 Polizisten und 40 000 Kameras zusätzlich

Die Regierung in Peking hat Exil-Uiguren für die Unruhen verantwortlich gemacht. Nach den blutigen Zusammenstössen im vergangenen Jahr wurden die ohnehin starken Sicherheitsvorkehrungen in Xinjiang nochmals verschärft, es wurden unter anderem 5.000 zusätzliche Polizisten eingestellt und allein in Urumqi 40.000 Überwachungskameras installiert. Die internationalen Telefon- und Internetverbindungen waren mehr als ein halbes Jahr unterbrochen.

Die chinesische Regierung betont die Milliarden an Investitionen, die in die arme Provinz gelangt sind. Die Region ist wegen ihrer Lage sowie der Vorkommen an Öl und Gas von grösser strategischer Bedeutung für China. (dapd)

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