Hooligan-Konkordat: «Friedliche Fans schützen» - «Unzumutbarer Eingriff»
Aktualisiert

Hooligan-Konkordat«Friedliche Fans schützen» - «Unzumutbarer Eingriff»

Die Zürcher stimmen am 9. Juni über die Verschärfung des Hooligan-Konkordats ab. Fast alle Parteien sind dafür. Im Pro und Contra kreuzen BDP-Kantonsrat Rico Brazerol und FCZ-Fanclub-Letzi-Sprecher Markus Imbach die Klingen.

von
rom
FCZ-Fans zündeten Pyros und Raketen beim Match gegen den FCB am 8. Mai 2013 im Letzigrund-Stadion.

FCZ-Fans zündeten Pyros und Raketen beim Match gegen den FCB am 8. Mai 2013 im Letzigrund-Stadion.

Weniger Gewalt und nicht mehr Strafen – dies ist für die Kantone das Ziel des revidierten Hooligan-Konkordats. Am 9. Juni entscheiden die Zürcher an der Urne über den Beitritt, weil Fangruppen das Referendum dagegen ergriffen haben. Bei einer Annahme würden etwa die Zutrittskontrollen vor den Stadien verschärft und neu gäbe es bis zu dreijährige Rayonverbote. Von den Parteien sagen einzig Grüne, AL und Juso Nein zum Beitritt.

PRO: Rico Brazerol, BDP-Kantonsrat

«Wir sehen unglaubliche Bilder in Zeitungen, Online oder am TV. Es scheinen zum Teil kriegsähnliche Zustände zu herrschen. Aber es geht nicht um Leben oder Tod – es geht nur um die schönste Nebensache der Welt: um Sport. Es sind ‹nur› Fanatiker im Umfeld eines Sportstadions. Wie konnte es nur so weit kommen? Wieso haben wir nicht früher eingegriffen? Es ist höchste Zeit. Wir wollen keine pöbelnden, prügelnden Fans, die auf friedliche Match­besucher oder Unbeteiligte in der Stadt losgehen. Wir wünschen uns gelebte Fankultur mit Choreografien und Gesängen. Aber wir dulden keine verbotenen Pyros, die bis zu 2000 Grad heiss werden und immer öfter als Waffe gegen andere «Fans» oder Polizisten eingesetzt werden.

Das revidierte Konkordat ist nicht die Lösung aller Probleme, aber es ist eine Chance, diese paar hundert Unverbesserlichen aus den Stadien zu verbannen – und die Mitläufer abzuschrecken. Das Konkordat schafft einen verbindlichen Rahmen für einen Dialog. Wir brauchen ein Bekenntnis zu gewaltfreiem Sport – und keine Solidarität mit ein paar hirnlosen Chaoten. Darum Ja zum Konkordat.»

CONTRA: Markus Imbach, FCZ-Fanclub Letzi

«Die Verschärfung der aktuellen Gesetze macht aus Fussballfans potenzielle Kriminelle und schränkt die individuelle Freiheit aller ein, auch jene der grossen Mehrheit, die sich friedlich und korrekt verhält. Das revidierte Gesetz gibt sowohl der Polizei als auch den privaten Sicherheitsdiensten Rechte, die persönliche Integrität jedes Einzelnen zu untergraben. Die Fans und Matchbesucher werden vom Staat bevormundet, indem ihnen vorgeschrieben wird, ob es erlaubt ist ein Bier zu trinken oder wie die Anreise zu Auswärtsspielen zu erfolgen hat. Das ist eine unzumutbare Einschränkung der persönlichen Grundrechte in einem freien Staat.

Wir Fans mit unserer optischen und stimmlichen Unterstützung sorgen für eine würdige und animierte Stimmung im Stadion. Das verschärfte Gesetz vergrault die friedlichen Fans wie auch die übrigen Zuschauer, ohne mehr Sicherheit zu garantieren. Bestraft werden damit vor allem auch die Klubs, denen wichtige Matcheinnahmen fehlen werden. Die Verschärfung ist nicht notwendig, die aktuellen gesetzlichen Grundlagen sind ausreichend, um gegen Gewalttäter vorzugehen.»

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