Aktualisiert 21.01.2016 16:42

«Uns war noch nie so kalt»

Frierende Kinder vor den Toren Europas

Der Winter hat die Länder auf der Balkanroute in seiner eisigen Hand. Die Flüchtlinge leiden – und vor allem für die Kinder ist die Kälte lebensbedrohlich.

von
cfr

Blaue Lippen, laufende Nasen, zitternde Körper: Den Kindern auf der Balkanroute setzt der Winter besonders zu. Bei minus 20 Grad an der serbisch-mazedonischen Grenze sind sie erschöpft, ängstlich und verstört.

Ein Drittel der Flüchtlinge auf der Balkanroute sind zurzeit Kinder. Für sie ist das Wetter lebensbedrohlich. Viele brauchen medizinische Hilfe, warnt Unicef. Ihnen fehlt es an Nahrung und passender Kleidung für das eiskalte Wetter.

Unterkühlungen und Lungenentzündungen

Unter diesen Umständen drohen den Kindern Unterkühlungen, Lungenentzündungen und andere Atemwegserkrankungen, sagen Mitarbeiter von Save the Children in Presevo. Dazu kämen Verdauungsprobleme und Durchfall, sagt auch Unicef-Flüchtlingskoordinatorin Marie-Pierre Poirier.

Im serbischen Presevo ankommende Mütter berichten, sie könnten ihre Kinder auf dem Marsch kaum warm halten. Zudem rutschen sie auf den vereisten Strassen aus und haben Mühe, ihre Kinder auf dem Arm zu tragen.

Bei Tankstelle übernachtet

Auch in Griechenland ist die Lage prekär: In Idomeni an der griechisch-mazedonischen Grenze verwehren Behörden laut Save the Children Familien den Zugang zum beheizten Transitzentrum, in dem Hilfsgüter verteilt werden. Die Menschen sind gezwungen, bei einer Tankstelle zu übernachten.

«Die Bootsfahrt war das Schlimmste», sagt Nasir zu Save the Children. Der syrische Vater musste seine Heimat vor fünf Monaten mit seiner Frau und zwei kleinen Kindern verlassen. «Es war extrem kalt, alles war nass und die Kinder waren krank. Wir mussten unser Gepäck über Bord werfen, um nicht unterzugehen. Ich habe Angst um meine Kinder. Uns war noch nie so kalt.»

«Regierungen verschärfen Krise»

In den ersten 17 Tagen dieses Jahres sind nach UNO-Angaben bereits mehr als 30'000 Migranten aus der Türkei nach Griechenland gekommen. 87 Menschen sind im neuen Jahr bereits im Mittelmeer ertrunken oder werden vermisst, wie das UNO-Flüchtlingshilfswerk UNHCR weiter mitteilte.

Ärzte ohne Grenzen (MSF) kritisierte die Flüchtlingspolitik der EU im vergangenen Jahr. Die Regierungen hätten die sogenannte Flüchtlingskrise noch verschärft, schrieb die Organisation. Die Lebensbedingungen, insbesondere die Gesundheit der Flüchtlinge, hätten sich dadurch noch verschlechtert.

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