Aktualisiert 11.06.2008 17:55

«Forgetting Sarah Marshall»Frisch entliebt

Die Apatow-Gang schlägt wieder zu: Mit ihrer gelungenen Sexkomödie «Forgetting Sarah
Marshall» bringt die Truppe um Komiker Judd Apatow den achten Film innerhalb von drei Jahren in die Kinos.

von
Matthias Affolter

«Judd it up!» ruft man zurzeit durch Hollywoods Produktionsräume, wenn eine Komödie nicht so richtig auf Touren kommen will. Mit Judd ist Judd Apatow gemeint. Der Komiker wurde letztes Jahr vom Magazin «Entertainment Weekly» auf Platz eins der Liste «50 Smartest People in Hollywood» gewählt. Er brachte frischen Wind in die amerikanische Komödie und definierte den Humor seiner Generation.

Seit seinem Regiedebüt «The 40 Year Old Virgin» ist der 41-Jährige nicht mehr zu bremsen und produziert Komödienhits am Laufband. Dabei greift er jeweils auf ein bewährtes Netzwerk von Schauspielern, Autoren und Regisseuren zurück – in den Medien auch die Apatow-Gang genannt. Auf ihr Konto gehen etwa die letztjährigen Kassenschlager «Knocked Up» und «Superbad».

Ihren Ursprung hat die Gruppe um Apatow in der Fernsehserie «Freaks and Geeks». Zwar floppte die Highschool-Serie, doch Apatow erinnert sich an eine «magische Synthese von Autoren und Schauspielern». Die heutigen Kinoerfolge, bei denen er sich in wechselnden Rollen als Produzent, Autor und Regisseur betätigt, betrachtet er als Erbe der Serie. Und diese lassen alle früheren Misserfolge vergessen: Alleine «Knocked Up» und «Superbad» spielten mit Budgets von je 20 bis 30 Millionen Dollar zusammen fast 400 Millionen Dollar ein.

Nicht ganz so erfolgreich, aber immer noch mit Einspielergebnissen, von denen andere nur träumen können, startete das jüngste Werk «Forgetting Sarah Marshall». Apatow, der sich diesmal als Produzent einbrachte, setzte wiederum auf langjährige Wegbegleiter. Mit Regisseur Nicholas Stoller hat er einst das Drehbuch zu «Fun with Dick and Jane» geschrieben, und auch in der Besetzung tauchen viele bekannte Gesichter auf. Jason Segel, der schon seit «Freaks and Geeks» mit dabei ist, überzeugt dabei nicht nur als Hauptdarsteller. Der Schauspieler zeichnet auch für das Drehbuch verantwortlich.

Die Story wurde durch die Trennung von seiner eigenen Freundin inspiriert: Der Loser Peter Bretter lebte jahrelang im Schatten seiner schönen Freundin Sarah Marshall. Nachdem sie ihn wegen eines anderen sitzen gelassen hat, will er sich in den Ferien in Hawaii von seinem Liebeskummer ablenken. Dort muss er allerdings feststellen, dass sich Sarah mit ihrem neuen Lover ausgerechnet im gleichen Hotel einquartiert hat. Peter weigert sich abzureisen und will um seine Ex-Freundin kämpfen. Erst die hübsche Hotelangestellte Rachel kann ihn auf andere Gedanken bringen.

Der Plot ist in seinen Grundzügen zwar nicht origineller, als er klingt. Trotzdem schaffte es das eingespielte Team wieder, einen Film zu drehen, der frisch und unkonventionell wirkt. Zwar schreckte man auch nicht vor derben Sexspässen zurück, gleichzeitig gelingt hier jedoch, was auch die anderen Filme der Apatow-Gang auszeichnet: Hinter aller schrillen Albernheit kommen immer wieder treffend beobachtete menschliche Schwächen und glaubwürdige Gefühle zum Vorschein. Das macht «Forgetting Sarah Marshall» zu einem leicht verdaulichen und äusserst sympathischen Vergnügen.

«Forgetting Sarah Marshall»,Regie: Nicholas Stoller. Mit: Jason Segel, Kristen Bell, Mila Kunis. Jetzt Im Kino.

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