Aktualisiert 11.06.2008 16:10

InzestdramaFritzls Tochter ist wieder auf den Beinen

Kerstin (19), die älteste Tochter von Elisabeth und ihrem Peiniger Josef Fritzl, hat die Intensivstation auf «eigenen Füssen» verlassen können. Kurz nach dem Aufwachen aus dem Koma habe Kerstin bereits zu Robbie Williams getanzt, erklärten die behandelnden Ärzte an einer Pressekonferenz.

Die 19-jährige Kerstin Fritzl konnte die Intensivstation am Landesklinikum Amstetten bereits vor einigen Tagen verlassen. «Seit Sonntag sind alle acht Familienmitglieder wieder zusammen», bestätigte der Anwalt von Elisabeth Fritzl, Christoph Herbst, heute gegenüber den Medien in Amstetten.

Kerstin, deren Spitaleinlieferung den Inzestfall überhaupt erst bekannt werden liess, mache erstaunliche Fortschritte, sagten die behandelnden Ärtze. Das Gleiche gelte für ihre Mutter Elisabeth. Die Familie wohne weiterhin in einem geschützten Bereich des Landesklinikums. Spaziergänge machen die Fritzls einzeln, um nicht aufzufallen – und unter strengen Sicherheitsmassnahmen.

Die älteste gemeinsame Tochter von Elisabeth und deren Vater und Peiniger Josef Fritzl war Ende April bewusstlos ins Landesklinikum Amstetten eingeliefert worden. Dabei habe man laut Anwalt Herbst ein Multiorganversagen festgestellt. Zur Genesung der 19-Jährigen habe in erster Linie die Unterstützung ihrer Mutter beigetragen: Elisabeth Fritzl sei täglich in die Klinik gekommen, um ihre Tochter zu besuchen.

Kerstin kann lesen und schreiben

Dr. Berthold Kepplinger, Leiter der Landesklinik Amstetten-Mauer, erklärte, dass Kerstin lesen und schreiben kann. Sie habe auch bereits über ihre Zukunftsträume gesprochen: «Sie will eine Schifffahrt machen», sagte der Arzt und fügte hinzu: «Sie will auch ein Robbie-Williams-Konzert besuchen.» Drei Tage nach ihrem Aufwachen aus dem Koma habe sie morgens um drei Uhr im Bett zu Robbie Williams getanzt.

An der Pressekonferenz berichtete Elisabeths Anwalt Christoph Herbst auch detailliert über das erste Treffen aller Familienmitglieder am Sonntag, nachdem die 19-Jährige aus dem Koma erwachte. «Es war ein sehr rührender Augenblick.»

Und Dr. Berthold Kepplinger meinte: «Für mich war das ein ganz bewegender Moment, eingehängt mit Kerstin die ersten Schritte in die neue Wohnung, in das neue Leben gehen zu dürfen. Jetzt geht es darum, Kerstins physischen Zustand weiter zu verbessern.» Die Familie sei nachträglich geimpft worden, um den Immunstatus anzuheben. Bis zu ihrer Spitaleinlieferung hatte Kerstin zeitlebens eingesperrt im Keller gehaust und nie Tageslicht gesehen.

Anteilnahme aus aller Welt

Christoph Herbst erzählte ausserdem von der Unterstützung, die die Familie aus dem Ausland erfahren habe: «Sie haben viele Briefe und E-Mails erhalten, aus aller Welt; von Neuseeland, aus den USA, ja sogar aus China.»

Gleichzeitig appellierte der Anwalt an die Öffentlichkeit: «Ich bitte die Medien und die Bevölkerung, die Familie in Ruhe zu lassen. Bis jetzt ist es ihnen nicht möglich, die Natur zu geniessen.»

Privatunterricht für die Kinder

Den übrigen Kindern von Elisabeth Fritzl geht es laut Dr. Albert Reiter gut. «Sie bekommen Privatunterricht und machen das sehr gut», meinte er an der Pressekonferenz. Die Kinder seien von den Ereignissen jedoch immer noch schwer traumatisiert und würden psychotherapeutisch begleitet. Elisabeth habe jedoch den Entschluss gefasst, in der nächsten Zeit nicht an die Öffentlichkeit zu treten, erklärte ihr Anwalt. Und zum Abschluss der Medienkonferenz meinte Herbst: «Wenn man beobachtet, wie die Familie miteinander leben lernt – das ist immer wieder schön zu beobachten.»

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