Versteckter Appetitanreger: Fructose macht Menschen zu Fressmaschinen
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Versteckter AppetitanregerFructose macht Menschen zu Fressmaschinen

Wenn Süssgetränke Fructose enthalten, tönt das nach einer gesunden Alternative zu klassischen Soft-Drinks. Doch dem ist ganz und gar nicht so.

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Der Inhaltsstoff Fruchtzucker lässt Süssgetränke gesünder tönen. Doch er hat auch einen entscheidenden Nachteil.

Der Inhaltsstoff Fruchtzucker lässt Süssgetränke gesünder tönen. Doch er hat auch einen entscheidenden Nachteil.

Keystone/Martin Ruetschi
Er verhindert das Sättigungsgefühl und regt den Appetit an.

Er verhindert das Sättigungsgefühl und regt den Appetit an.

Colourbox.com

Raffinierter Zucker und künstliche Süssungsmittel sollten nur mit Bedacht konsumiert werden. Denn sie machen dick und krank.

Doch auch Fruchtzucker ist nicht über jeden Zweifel erhaben (siehe Box). In den «Proceedings of the National Academy of Sciences» berichten US-Forscher nun von einer neuen Nebenwirkung. Demnach steigert Fructose den Appetit auf Kalorienreiches.

Hirn hat Hunger

In ihrer Studie servierte die Gruppe um Kathleen Page von der University of Southern California den 24 Teilnehmern entweder ein Süssgetränk mit viel Fruchtzucker oder eines mit viel Traubenzucker (Glukose).

Anschliessend zeigten sie ihnen im funktionellen Magnetresonanztomografen (MRI) Bilder von wahlweise neutralen Dingen oder appetitlichen Menüs. Dabei zeigte sich, dass die Gehirne derjenigen, die die Fructose-haltigen Drinks erhalten hatten, stärker auf die Essensbilder reagierten als diejenigen, deren Getränk mit Glukose gesüsst war.

Sättigungsgefühl bleibt aus

Warum das so ist, zeigte ein weiteres Experiment. Darin überprüften Page und ihre Kollegen das Vorkommen der Hormone Leptin, Ghrelin und Insulin. Während sie punkto den ersten beiden keine Unterschiede zwischen den Gruppen feststellen konnten, war der Insulinwert bei den Traubenzuckerkonsumenten deutlich erhöht.

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«Insulin treibt die Glukose in die Zellen, wo sie für die Energiegewinnung genutzt wird. Aber es schickt auch ein Signal an das Gehirn, das besagt: ‹Du hast gegessen›», so Page in der «New York Times». Weil bei der Fructose die Insulinproduktion ausbleibe, fehle auch das Signal, das den Hunger bremst.

Obst ja, mit Fruktose gesüsste Getränke weniger

Dass die Erkenntnis nicht nur theoretischer Natur ist, zeigte ein weiterer Test: Als die Forscher die Probanden im Anschluss an den Versuch zwischen einer leckeren Mahlzeit oder einem Geldbetrag wählen liessen, der ihnen in den Folgetagen überwiesen werden sollte, entschieden sich mehr Fructose-Trinker für das Essen.

Trotz dieses eindeutigen Ergebnisses betont das Team, dass das nicht heisse, man solle weniger Obst essen. Denn die Zuckermengen in Früchten seien geringer als in typischen Süssgetränken und deutlich geringer als der Drink in der Studie: Dessen Zuckergehalt entsprach in etwa dem von drei Dosen Limonade. Zudem seien im Obst noch andere Substanzen enthalten, die sich zügelnd auf den Appetit auswirkten.

Darum sollte man Fruchtzucker nur in Massen essen

Weil er seinen Ursprung in Früchten und Honig hat, halten viele Menschen Fruchtzucker für gesund. Doch er kann auch industriell hergestellt werden. Dann wird er aus Maisstärke (vorwiegend in den USA) oder aus Zuckerrüben (in Europa) gewonnen. Das klingt weniger lecker und ist für die Gesundheit nicht förderlich.

Fruchtzucker fördert Gicht:

Menschen, die täglich ein fructosereiches Getränk zu sich nehmen, haben ein um 74 Prozent höheres Risiko daran zu erkranken als Menschen, die so eines nur einmal im Monat trinken. Menschen, die zwei oder mehr mit Fructose gesüsste Getränke zu sich nehmen, zeigte sich sogar ein um 97 Prozent höheres Risiko.

Fruchtzucker macht dick und krank:

Er beeinflusst die Stoffwechseltätigkeit und begünstigt so die Anreicherung von Körperfett in der Bauchregion. Zürcher Forscher berichteten zudem von einem höheren Blutzuckerspiegel, schlechteren Cholesterin-Werten und einem erhöhten Risiko für Arteriosklerose.

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