06.06.2016 12:12

Suchtfaktor Schule

Früh Eingeschulte greifen später eher zur Zigarette

Das Alter bei der Einschulung spielt eine grosse Rolle dabei, ob jemand zu rauchen beginnt: Spät eingeschulte Kinder halten sich eher von Zigaretten fern.

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Ob jemand als Erwachsener zu Zigaretten greift, hängt auch damit zusammen, wann er eingeschult worden ist. Das berichten Forscher aus Hamburg.

Ob jemand als Erwachsener zu Zigaretten greift, hängt auch damit zusammen, wann er eingeschult worden ist. Das berichten Forscher aus Hamburg.

AP/Paul Sancya
Ihrer statistischen Studie zufolge neigen spät eingeschulte Kinder weniger zum Rauchen als früh eingeschulte. (Symbolbild)

Ihrer statistischen Studie zufolge neigen spät eingeschulte Kinder weniger zum Rauchen als früh eingeschulte. (Symbolbild)

AP/Frank Augstein
Die Wissenschaftler vermuten, dass das mit dem früheren Kontakt zu älteren und rauchenden Schülern zusammenhängt. Diese würden von den Kleinen als Vorbilder gesehen, denen sie nacheiferten.

Die Wissenschaftler vermuten, dass das mit dem früheren Kontakt zu älteren und rauchenden Schülern zusammenhängt. Diese würden von den Kleinen als Vorbilder gesehen, denen sie nacheiferten.

iStock/Martinedoucet

Wer verhindern möchte, dass Kinder und Jugendliche mit dem Rauchen anfangen, der muss wissen, was sie dazu bringt. Nur so lassen sich vorbeugende Strategien für die Zukunft entwickeln, mit denen der Nachwuchs von der schlechten Angewohnheit abgehalten werden kann.

Um mehr über die Gründe für die erste Zigarette zu erfahren, haben Sozialwissenschaftler von der Universität Hamburg die Daten von rund 30'000 Personen ausgewertet, die im Rahmen des Sozio-oekonomischen Panels (siehe Box) erhoben wurden. Konkret wollten Michael Bahrs und Mathias Schumann wissen, ob möglicherweise auch der Zeitpunkt der Einschulung einen Einfluss auf die spätere Suchtentwicklung hat.

Ältere Schüler beeinflussen die jüngeren

Die Auswertung der Daten zeigte, dass das Alter beim Schulstart tatsächlich einen Einfluss darauf hat, ob jemand mit dem Rauchen beginnt. «Unsere Ergebnisse zeigen, dass bereits eine einen Monat später erfolgte Einschulung das Risiko, mit dem Rauchen zu beginnen, um 1,3 Prozentpunkte reduziert», schreiben die Forscher in einer Mitteilung.

Wie in der Schweiz entscheidet auch in Deutschland der Geburtstag eines Kindes, wann es schulpflichtig wird. Ausschlaggebend ist ein jährlicher Stichtag. Liegt das Datum vor diesem, wird das Kind im aktuellen Jahr eingeschult, liegt es danach, beginnt es seine Schullaufbahn rund zwölf Monate später. Ausgehend von dem errechneten Wert verringert ein gut ein Jahr späterer Schulstart das Suchtrisiko um 14,3 Prozentpunkte.

Bahrs und Schuhmann vermuten, dass das mit dem früheren Kontakt zu älteren und rauchenden Schülern zusammenhängt. Diese würden von den Kleinen als Vorbilder gesehen, denen sie nacheiferten. Laut «Bild der Wissenschaft» gehen die Forscher zudem davon aus, «dass früh eingeschulte Kinder sich eher zum Rauchen verleiten lassen, da sie die Jüngsten in der Klasse sind und sich eher beweisen wollen.»

Wenn Kleine paffen wie die Grossen

Sozio-oekonomisches Panel (SOEP)

Beim SOEP handelt es sich um eine repräsentative Wiederholungsbefragung, die seit 30 Jahren in Deutschland durchgeführt wird: Rund 30'000 Personen, die auf fast 11'000 Haushalte aufgeteilt sind nehmen daran teil. Die Daten geben Auskunft zu Fragen über Einkommen, Arbeit, Bildung und Gesundheit. Weil jedes Jahr die gleichen Personen befragt werden, können langfristige soziale und gesellschaftliche Trends besonders gut verfolgt werden.

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