Aktualisiert 23.07.2014 13:53

Zürich

Früher ein Steueramt, morgen ein Sexsalon

Wo der Kanton einst Steuererklärungen kontrollierte, sollen 20 Sexsalons entstehen. Ein Gebäudebesitzer im Zürcher Kreis 1 will so obdachlosen Dirnen einen Zufluchtsort bieten.

von
som

«Die Zürcher Dirnen werden nirgends mehr geduldet», klagt Tom B. (Name geändert). «Sie werden von Wohnung zu Wohnung gehetzt - kaum haben sie sich irgendwo eingemietet, werden sie schon wieder vertrieben.» Da helfe auch der Strichplatz nicht, den die Stadt für viel Geld gebaut habe: «Da geht doch keiner hin - die Freier fühlen sich dort überwacht.»

Deshalb will er nun den vertriebenen Prostituierten in einem sechsgeschossigen Haus an der Stampfenbachstrasse 24 im Zürcher Kreis 1 eine neue Heimat bieten. B. hatte das Bürohaus vor fünf Jahren dem Kanton abgekauft - dieser nutzte es zuvor für Büros des Steueramtes. Das Gebäude sei in einem miserablen Zustand gewesen. «Die Restauration war wegen den Vorschriften der Denkmalpflege sehr aufwändig», sagt B. Beim Bau der rund 20 Sexsalons hat er sonst auf nichts Besonderes geachtet: «Sie unterscheiden sich nicht gross von gewöhnlichen Büros.»

«Das Geschäft läuft sehr diskret ab»

Was allerdings noch fehlt, ist das Ja der Stadt zur sexgewerblichen Umnutzung. Das entsprechende Baugesuch wurde am Mittwoch im «Tagblatt der Stadt Zürich» publiziert. Mit Einsprachen rechnet B. nicht: «Das Gebäude befindet sich in einer Gewerbezone, wo Prostitution legal ist. Es sind keine Kirchen oder Familienwohnungen in der Nähe.» Das Geschäft mit der käuflichen Liebe laufe sehr diskret ab. «Wir haben die Nachbarn bereits informiert, sie stören sich nicht daran», so Tom B., der bereits an der Leonhardstrasse Räume an Prostituierte vermietet.

Er hofft, dass noch vor Ende Jahr die ersten Dirnen einziehen können. Zum Mietpreis könne er sich noch nicht äussern. «Ich möchte vor allem älteren Schweizerinnen, die sich seit Jahren einen Kundenstamm aufgebaut haben, einen Zufluchtsort bieten: «Sie haben noch mehr Mühe als Junge, ihren Beruf in Würde auszuüben.»

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