Geschichte des 1. Augusts: «Früher genügten grosse Feuer und Lampions»
Aktualisiert

Geschichte des 1. Augusts«Früher genügten grosse Feuer und Lampions»

Die Schweiz feiert den 1. August erst seit 1899 als Nationalfeiertag. Welche internationale Gründe bei der Einführung mitspielten, sagt der Historiker Georg Kreis im Interview.

von
Lorenz Hanselmann
«Die Schweiz wollte Ende des 19. Jahrhunderts auch ein Datum, um zu feiern»: Der Historiker Georg Kreis ist emeritierter Professor der Universität Basel.

«Die Schweiz wollte Ende des 19. Jahrhunderts auch ein Datum, um zu feiern»: Der Historiker Georg Kreis ist emeritierter Professor der Universität Basel.

Feiern wir am heutigen 1. August tatsächlich die Gründung der Schweiz auf dem Rütli?

Georg Kreis: Der Rütlischwur ist nur ein schöner Mythos. Der Bundesbrief von 1291, in dem von «Anfang August» die Rede ist, wurde Ende des 19. Jahrhunderts zum Gründungsdokument erhoben und mit dem angeblichen Rütlischwur kombiniert.

Worauf geht der Nationalfeiertag also zurück?

Als Jahresfeier wurde er 1899 eingeführt, weil man wie die Nachbarn einen Nationalfeiertag haben wollte. Deutschland feierte damals am 27. Januar den Geburtstag von Kaiser Wilhelm II., Frankreich am 14. Juli den Sturm auf die Bastille. Da wollte auch die Schweiz ein Datum, um zu feiern.

Erstmals wurde der 1. August aber 1891 gefeiert.

Ja. Damals wollte man als einmaliges Fest 600 Jahre Eidgenossenschaft feiern. Erst 1899 erklärte der Bundesrat den 1. August zum Nationalfeiertag. Er wollte damit auch dem kurz zuvor eingeführten internationalen Tag der Arbeit – dem 1. Mai – etwas entgegenstellen.

Der 1. August ist auch das Erntedankfest von Heiden und Druiden. Hat die Schweiz hier abgekupfert?

Das ist eher ein Zufall. Ich bin sehr skeptisch gegenüber solchen Interpretationen.

Wieso feiern wir ihn heute mit so viel Pomp?

Heute muss es einfach ein Feuerwerk sein, wie bei einem Seenachtsfest oder der Eröffnung eines Sportfests. In den 1930er-Jahren, als der Patriotismus stark war, begnügte man sich noch mit grossen Feuern und Lampions.

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