Taser-Einsatz in Bern: «Früher hätte die Polizei auf so eine Person geschossen»

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Taser-Einsatz in Bern«Früher hätte die Polizei auf so eine Person geschossen»

Ein Polizist setzte am Dienstag in Bern einen Taser ein. Zuvor bedrohte ein Mann die Beamten mit einem Beil und einem Messer. Ein Experte erklärt, wann ein Taser zum Einsatz kommt. 

von
Seline Bietenhard

Darum gehts

Am Dienstagnachmittag kam es in Bern an der Monbijoustrasse zu einem Polizeieinsatz. Ein Mann, bewaffnet mit einer Axt, lief bedrohlich auf Polizisten los. Diese überwältigten ihn mit einem Taser. «Der Gebrauch des Tasers war in diesem Fall verhältnismässig», sagt der ehemalige Basler Kriminalkommissar Markus Melzl zu 20 Minuten. Die Person in Bern sei offensichtlich dazu bereit gewesen, Leute zu verletzen und habe sich in einem geistigen Ausnahmezustand befunden. «Der Taser ermöglichte ein Überwältigen und eine Festnahme des Mannes und verhinderte womöglich Schlimmeres, wie beispielsweise verletzte oder gar tote Personen», so Melzl.

Laut dem Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartement verwenden die meisten kantonalen Polizeikorps seit 2003 den sogenannten Taser. Für Melzl eine gute und sinnvolle Methode. «Früher hätte man in so einer Situation auf die Person geschossen», sagt Melzl. Um einen Taser einsetzen zu dürfen, brauchen die Beamten und Beamtinnen eine entsprechende Ausbildung. Zudem müsse jeder Einsatz detailliert rapportiert werden. «Das ist wichtig, um einen möglichen Missbrauch zu verhindern.» Einer der Nachteile sei die Verletzungsgefahr nach einem Sturz der getaserten Person. «Auch wenn jemand einen Herzschrittmacher hat, kann es Probleme geben», sagt Melzl. 

Polizisten mit Beil und Messer bedroht

Wie die Kantonspolizei Bern am Dienstag mitteilte, kam kurz vor 16 Uhr die Meldung rein, dass ein Mann mit einem Beil mehrere Autoscheiben an der Sulgeneckstrasse einschlage. Kurz danach bedrohte der Mann im Bereich der Kappellenstrasse/Monbijoustrasse die Polizeiangehörigen mit dem Beil und einem Messer. Ein Polizist forderte ihn mit gezogener Waffe dazu auf, das Beil und das Messer fallen zu lassen. Als der Mann dieser Aufforderung nicht nachkam, feuerten die Einsatzkräfte ein Gummigeschoss auf ihn ab. Unter Einsatz des Tasers konnte er schliesslich festgenommen werden. 

Der 51-Jährige wurde anschliessend auf eine Polizeiwache gebracht und ärztlich untersucht. Eine 46-jährige Frau, die den Polizeieinsatz störte, wurde für weitere Abklärungen ebenfalls auf eine Wache mitgenommen. Unter der Leitung der regionalen Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland hat die Kantonspolizei Bern Ermittlungen zu den Ereignissen aufgenommen.

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Hier findest du Hilfe:

Polizei nach Kanton

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Lilli.ch, Onlineberatung für Jugendliche

Frauenhäuser in der Schweiz und Liechtenstein

Zwüschehalt, Schutzhäuser für Männer

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Alter ohne Gewalt, Tel. 0848 00 13 13

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Beratungsstellen für gewaltausübende Personen

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