27.09.2018 18:49

Kolumne

Früher war alles besser? Von wegen!

Der Ombudsmann der Schweizer Reisebranche blickt auf die Zeit zurück, als die Einreise in europäische Länder furchtbar kompliziert war.

von
Franco Muff
Passagiere am Flughafen Zürich (circa 1980).

Passagiere am Flughafen Zürich (circa 1980).

ETH Bibliothek Zürich/Swissair

Anlässlich eines Umzugs bin ich vor ein paar Wochen auf allerhand altes Papier gestossen. Neben einigen abgelaufenen ID-Karten und Pässen entdeckte ich dabei auch ­Visaformulare für die CSSR (ehemalige Tschechoslowakei) sowie für Ungarn. So einfach war die Einreise vor der Erweiterung der EU in der heutigen Form bei weitem nicht. Es gab diverse Hinder­nisse zu überwinden, bevor man diese Länder besuchen konnte.

Reisende mussten stets mehrere Passbilder auf Lager haben. Dabei reichte die Billigversion der Fotoautomaten an den Bahnhöfen qualitativ oft nicht. Der Besuch beim Fotografen machte sich dann finanziell ziemlich bemerkbar, dafür waren die Fotos gut.

Dann mussten die Visakosten insgesamt berücksichtigt werden. Hatte man genügend Zeit für das normale Prozedere oder musste man das Begehren als Expressantrag behandeln lassen? Je nachdem variierten die verlangten Beträge enorm. Ge­wisse Länder hatten durchaus anstän­dige Preise, andere waren sogar beim ­einfachsten Verfahren schon teuer. ­

Hatte man etwas nicht richtig ausgefüllt oder es galt als unleserlich, wurde der Antrag kurzerhand zurückgesandt, was ­ Mehrkosten und einen Zeitverlust mit sich brachte. Ganz selten rutschte auch mal ein Pass in den falschen Umschlag. Dann wurde es spannend!

Tja, es wird viel gejammert über diese EU und die Folgen. Eigentlich ist das, zumindest aus der Sicht des Reisenden, keineswegs gerechtfertigt. Ich erfreue mich jedenfalls an der jetzigen Situation, schreite frohen Mutes zum automatischen Scanner, somit geht mein Transit oder die Einreise schnell über die Bühne. Leider kann dieser Zeitgewinn dann bei der Gepäckausgabe schon bald wieder zunichtegemacht werden, das wäre aber dann eine andere Geschichte …

Franco Muff ist Ombudsmann der Schweizer ­Reisebranche.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.