Aktualisiert 27.08.2012 21:22

Schad-StoffFrühkiffen macht dumm

Die Diskussion, ob Kiffen schädlich ist oder nicht, wird heute oft ideologisch geführt. Nun haben Forscher bewiesen, dass Cannabis-Konsum den IQ schrumpfen lässt. Besonders bei Jungen.

von
jcg

In der Schweiz gibt es für Erwachsene, die beim Kiffen erwischt werden, künftig nur noch eine Ordungsbusse. Unter-18-Jährige müssen dagegen nach wie vor mit einer Anzeige und einem Strafverfahren rechnen. Diese Altersgrenze war in den Räten umstritten. Diverse Gesundheitspolitiker plädierten dafür, die Grenze bei 16 Jahren zu ziehen. Sie wurden überstimmt – und das offenbar zurecht, wie nun eine Langzeitstudie aus den USA zeigt. Cannabis-Konsum lässt demnach den IQ unwiderruflich schrumpfen und dies besonders bei Jugendlichen

Forscher um Madeline Meier von der Duke University in Durham im Bundesstaat North Carolina fanden in einer fast 40 Jahre laufenden Studie heraus, dass Hanfkonsum das zentrale Nervensystem unwiderruflich schädigt. Nach Angaben der Wissenschafter nimmt der IQ umso stärker ab, je früher die Menschen beginnen, Cannabis zu sich zu nehmen, wie die Wissenschaftler im US-Journal «Proceedings of the National Academy of Sciences» (PNAS) berichten.

Bei Langzeitkonsum von Cannabis stellten sie fest, dass sich bestimmte Bereiche des Gehirns deutlich verschlechterten und dieser Zustand über Jahre anhält. Darüber hinaus zeigten ihre Untersuchungen, dass Dauerkiffer mehr Probleme haben, sich zu konzentrieren oder sich an etwas zu erinnern. Je früher Jugendliche in Kontakt mit der Droge kommen, desto grösser ist die Gefahr, zu dauerhaften Konsumenten zu werden.

Bleibende Schäden

Die Probanden absolvierten mit 13 eine Reihe von IQ-Tests, die im Alter von 38 wiederholt wurden. Durchschnittlich erreichten sie beim zweiten Test einen um acht Punkte tieferen Wert. Die schlechten Werte konnten nicht mit dem Konsum von Alkohol und anderer Drogen oder der Ausbildung erklärt werden.

Obwohl acht IQ- Punkte nach wenig tönen, sind die Auswirkungen signifikant. «Jemand der acht Punkte als Jugendlicher verliert, kann gegenüber Gleichaltrigen über Jahre hinweg benachteiligt sein», erklärte Meier. Ein höherer IQ bedeutet für gewöhnlich eine besser Ausbildung, höheres Einkommen, bessere Gesundheit und ein längeres Leben.

Das jugendliche Gehirn ist nach Angaben der Forscher nicht in der Lage, sich völlig von den Folgen zu erholen. Studienteilnehmer die erst mit dem Kiffen anfingen, als ihre Gehirne vollständig entwickelt waren, zeigten keine derart ausgeprägten Defizite. Während des Wachstums mache das Gehirn von Jugendlichen entscheidende Veränderungen durch. Cannabis habe Effekte, die das Nervensystem nachhaltig schädigten. «Marihuana ist nicht harmlos, besonders für Jugendliche», so Meier.

Basis für die Forschungsergebnisse war die «Dunedin Multidisciplinary Health and Development Study», die 1037 Personen, von ihrer Geburt 1972/73 in Dunedin, Neuseeland, bis zum Alter von 38 Jahren begleitete. Die Studie entstand unter der Leitung der Psychologen Terrie Moffitt and Avshalom Caspi von der Duke Universität und dem Psychiatrieinstitut am King's College London. Caspi kommentierte die Ergebnisse der Forscher um Meier mit den Worten: «Die simple Botschaft ist, dass Drogenkonsum für Kinder ungesund ist. Das gilt für Tabak, Alkohol und offensichtlich auch für Cannabis». (jcg/sda)

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