Aktualisiert 04.05.2012 09:20

Neue Dokumente zeigenFrustrierter Bin Laden hatte keine Kontrolle mehr

Am Ende seines Lebens hatte Al-Kaida-Chef Osama bin Laden alle Mühe, die Kontrolle über sein weitverzweigtes Terrornetzwerk zu behalten. Er war frustriert. Das zeigen letzte Aufzeichnungen.

von
uwb

Osama Bin Laden war in seinen letzten Tagen kein zufriedener Mensch. Das geht aus Dokumenten hervor, die vor einem Jahr bei der Tötung Bin Ladens in seinem Unterschlupf gefunden worden sind und am Donnerstag vom Anti-Terror-Zentrum an der US-Militärakademie West Point im Internet veröffentlicht wurden.

Fehlendes Vertrauen der Muslime, die er zum Hass gegen den Westen anstacheln wollte, und Fehler in der eigenen Kommandostruktur belasteten den Al-Kaida-Gründer offenbar schwer. Besonders verärgert war er nach einem Bericht von US-Analysten, der gemeinsam mit der Korrespondenz Bin Ladens veröffentlicht wurde, über die Unfähigkeit von Al-Kaida-nahen Organisationen, öffentliche Unterstützung für sich zu gewinnen. Ausserdem bemängelte er die schlecht geplanten Anschläge, die in seinen Augen viel zu viele Muslime töteten.

Aufnahmen von Bin Ladens Witwen

Vertrauen zurückgewinnen

«Ich will eine Erklärung veröffentlichen, wonach wir eine neue Phase starten, um (die Fehler) zu korrigieren, die wir begangen haben», schrieb Bin Laden etwa im Jahr 2010. «Dadurch werden wir, so Gott will, das Vertrauen eines grossen Teils jener zurückgewinnen, die ihr Vertrauen in die Dschihadis verloren haben.»

Neues 9/11-Video von Al Kaida

Der Terror-Pate konzentrierte sich bis zu seinem Tod auf mögliche Anschläge gegen Amerikaner. Unter anderem nannte er Flugzeuge mit General David Petraeus, dem früheren US-Oberbefehlshaber in Afghanistan, und Präsident Barack Obama an Bord als Ziele. Bei einem Anschlag auf Obama wäre der «völlig unvorbereitete» Vizepräsident Joe Biden plötzlich an der Macht, was die USA in eine Krise stürzen würde, schrieb Bin Laden.

Unter anderem wies er den Anführer der Al-Kaida im Jemen, Nasir al Wuhajschi, an, nicht an der Etablierung eines islamischen Staates im Jemen zu arbeiten, sondern seine Angriffe wieder auf die USA zu konzentrieren. Auch eine pakistanische Taliban-Fraktion wird in einem Brief wegen ihrer Angriff auf Muslime scharf gerügt.

In einer Erklärung des pensionierten US-Generals John Abizaid, die gemeinsam mit den 175 Seiten in arabischer Sprache - und englischer Übersetzung - veröffentlicht wurde, handelt es sich dabei nur um einen Bruchteil der Dokumente, die Anfang Mai 2011 in bin Ladens Unterschlupf gefunden wurden.

(uwb/dapd)

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