Wildtiere beim Kindergarten: Fuchswelpen halten Stadtquartier auf Trab
Publiziert

Wildtiere beim KindergartenFuchswelpen halten Stadtquartier auf Trab

Junge Füchse im Thuner Seefeld: Während die einen bei diesen wilden Welpen dahin schmelzen, fürchten sich anderen vor Krankheiten.

von
cho

Eine Nachbarin filmte den Nachwuchs beim Erkunden der Umgebung. (cho)

Im Thuner Seefeld ist derzeit tierisch was los: Eine Füchsin hat unter einem Pavillon an der Schubertstrasse ihren Bau bezogen und dort vor einigen Wochen Junge geworfen. Die kleinen Rotfüchse erkunden nun ihre Umgebung: «Ich habe letztes Mal sechs Stück gezählt. Die Füchslein haben im Innenhof gespielt – sie sind total herzig», sagt eine Anwohnerin. Anfangs seien die kleinen Wildtiere eher tagsüber unterwegs gewesen, nun seien sie vermehrt in der Dämmerung aktiv.

Die Wildtiere lösen jedoch nicht bei allen nur Begeisterung aus. Weil in der Pavillon-Siedlung an der Schubertstrasse 10 auch ein Kindergarten einquartiert ist, fürchten sich Behörden wie Eltern nun vor möglichen Krankheiten – etwa dem Fuchsbandwurm. Eier dieses Parasiten scheide das Raubtier über den Kot aus, sagt Bruno Gottstein, Direktor des Institutes für Parasitologie der Uni Bern: «Gelangen die Eier in den Menschen, etwa durch kontaminierten Sand, kann sich dieser infizieren.» Im schlimmsten Fall niste sich die Larve in der Leber ein und wachse dort tumorartig.

Wildhüter eingeschaltet

Die Stadt Thun weiss um die Problematik des Fuchsbandwurmes und hat Massnahmen ergriffen: «Der Sandkasten beim Kindergarten ist zugedeckt und darf von den Kindern derzeit nicht benutzt werden», sagt Sprecherin Simone Tanner. Ausserdem müssten die Kinder immer die Hände waschen, wenn sie draussen waren. Man achte auch darauf, dass sie diese nicht in den Mund steckten. Das Ganze soll sich nächstes Jahr nicht wiederholen: «Sobald die Füchse ihren Bau verlassen haben, werden wir das Loch schliessen», so Tanner.

Gemäss dem zuständigen Wildhüter Bruno Dauwalder sollte dies in den nächsten Wochen geschehen: «Die Tiere sind etwa zwei Monate alt. Mitte Sommer werden sich die Jungen eigene Reviere suchen.» Dass Füchse ihren Nachwuchs in der Stadt aufziehen, sei nicht erfreulich, aber eine logische Konsequenz: Eine Fuchsmutter würde in der Stadt leichter an Nahrung für ihren Nachwuchs kommen, so Dauwalder: «Menschen füttern sie aus falscher Tierliebe und sichern den Abfall oder Kompost zu wenig.»

Drei kleine Füchse

Jedes Jahr kommen verwaiste Welpen ins Zentrum Monte Adone in Italien. Dort werden sie gepflegt, gefüttert und auf die Freiheit vorbereitet.

Deine Meinung