Aktualisiert 01.06.2010 17:04

«Rundschau»-BeitragFühlte sich der König beleidigt?

Nach einem bristanten Beitrag über thailändische Königskritiker muss das Schweizer Fernsehen seine Informanten und Journalisten schützen.

von
Joel Bedetti
Screenshot von der SF-Page. Das Foto vom König ist noch da, das Video gelöscht.

Screenshot von der SF-Page. Das Foto vom König ist noch da, das Video gelöscht.

Am 26. Mai strahlte die SF-Sendung «Rundschau» einen brisanten Beitrag über die Unruhen in Thailand aus. Protagonist der Reportage war ein gewisser M.C., gemäss SF-Reportern der Koordinator des bewaffneten Flügels der rothemdigen Opposition. «Jetzt drohen die militantesten Rothemden erstmals mit der Absetzung des thailändischen Königs – ein Tabu-Bruch», wirbt das Fernsehen auf seiner Website für den Beitrag. Nur: Das Video ist nicht vorhanden.

Im Diskussionsforum der «Rundschau» entbrannte eine Diskussion über die Frage, wieso die Redaktion hier zurückgekrebst ist. «Lässt sich SF am Ende von der thailändischen Regierung diktieren, was sie zur Verfügung stellen dürfen?», fragt ein Leser. Ein anderer vermutet, dass die SF-Journalisten einem Betrüger auf den Leim gekrochen seien, der sich als Königsstürzler ausgegeben habe.

Schutz von Darsteller und Autoren

«Das stimmt nicht», heisst es auf Nachfrage von 20 Minuten Online bei der Redaktionsleitung der «Rundschau»: «Wir haben das Video gar nie aufgeschaltet» sagt Tristan Brenn, Redaktionsleiter. Man habe mit den Teilnehmern vereinbart, dass der Beitrag nur im Schweizer Sendegebiet ausgestrahlt werde, nicht aber auf dem Netz einsehbar sei. Der Grund: «Wer sich in Thailand kritisch gegenüber dem König äussert, gerät schnell in Schwierigkeiten», sagt Brenn. Selbst Journalisten, die in Beiträgen Kritiker zu Wort kommen lassen, würden verfolgt. Deshalb bleiben auch die Autoren des Beitrags anonym.

Tatsächlich kann man Thailand nicht gerade als Hort der freien Meinungsäusserung bezeichnen - besonders nicht, wenn es um den König Bhumibol geht. Der stellt ein unantastbares Heiligtum dar und dessen Konterfei hängt in fast jedem Thailänder Haushalt.

Börsensturz wegen Bloggerin

Im vergangenen November wurde eine thailändische Ärztin verhaftet, weil sie unter dem Pseudonym «Mom» angebliche Falschinformationen über den Gesundheitszustand von König Bhumibol ins Internet gestellt hatte und damit einen Kurssturz an der Bangkoker Börse ausgelöst und die nationale Sicherheit bedroht hatte – behauptete die Polizei. Ein 27-jähriger Thailänder sass einen Monat zuvor für zwölf Tage im Gefängnis, weil er eine Mail verschickt hatte, die Links zu Videos enthielt, die angeblich den König beleidigten.

Auch Schweizer haben schon die Macht der königlichen Justiz zu spüren bekommen: 2006 beschmierte ein Schweizer ausgerechnet am 79. Geburtstag von König Bhumibol fünf Portraits des Königs, angeblich weil an diesem Tag kein Alkohol ausgeschenkt wurde. Er wurde zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Nach einem Monat wurde er aber vom König, der seiner bedingungslosen Verehrung nicht unkritisch gegenüber steht, begnadigt und musste das Land verlassen.

SF-Reporter im Knast

Vielleicht haben bei den «Rundschau»-Machern auch schlechte Erinnerungen mitgespielt: Vor rund einem Jahr wurde der Chefreporter des Schweizer Fernsehens, Christoph Müller, kurz nach seiner Ankunft in Thailand verhaftet. Nicht wegen Majestätsbeleidung, sondern weil im Zuge von Recherchen über einen Schweizer Hochstapler eine Verleumdungsklage gegen ihn eingereicht worden war. Nach 24 Stunden durfte er die Zelle gegen Kaution wieder verlassen, nach zwei Wochen durfte er wieder ausreisen.

Ein Fussballmatch ist nichts dagegen - so besingen die Thailänder ihren König an seinem 80. Geburtstag.

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