Aktualisiert 18.09.2014 11:48

Empfehlung überdenken

Führen Süssstoffe erst recht zu Diabetes?

Künstliche Süssstoffe sind offenbar schädlich für bestimmte Darmbakterien und führen zu Glukose-Intoleranz. Damit senken sie das Diabetes-Risiko nicht, könnten es aber erhöhen.

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Süssstoffe ersetzen in Getränken, Desserts oder Müesli herkömmlichen Zucker. Experten empfehlen sie Diabetes-Patienten und Patienten mit Glukose-Intoleranz, einer Vorstufe zu Diabetes, bei der der Blutzuckerspiegel erhöht ist. Damit könnte aber genau das Gegenteil erreicht werden, wie Forscher des Weizmann Institute of Science in Israel herausgefunden haben.

«Künstliche Süssstoffe wurden in unsere Ernährung eingeführt, um die Kalorienzufuhr zu senken und die Blutzucker-Werte zu normalisieren, ohne dass wir auf Süsses verzichten müssen», schreiben die Wissenschaftler im Fachjournal «Nature». Ihre Ergebnisse legten nahe, dass Süssstoffe direkt dazu beigetragen haben, genau die Epidemie zu verschlimmern, die sie eigentlich bekämpfen sollten.

Mäuse entwickeln Glukose-Intoleranz

In der Studie verabreichten die Wissenschaftler einer Gruppe von Mäusen Wasser mit drei häufig genutzten Süssstoffen. Die Dosis entsprach den auf das Körpergewicht der Mäuse heruntergerechneten Empfehlungen für den Süssstoffkonsum durch Menschen. Die Mäuse entwickelten in den Tests eine Glukose-Intoleranz - anders als die Mäuse, die nur Wasser oder mit Zucker gesüsstes Wasser tranken.

Da die Forscher eine Beeinflussung der Darmflora als Ursache dafür vermuteten, wurden Exkremente der mit Süssstoff-Wasser gefütterten Mäuse anderen Mäusen zugeführt, deren Darmflora zuvor mit Antibiotika zerstört worden war. Auch hier entwickelte sich eine Glukose-Intoleranz - offenbar hatte die Veränderung der Darmflora einen negativen Einfluss auf den Stoffwechsel.

Testpersonen konsumieren Höchstwert

Schliesslich unterzogen sich sieben freiwillige Testpersonen, die normalerweise keinen Süssstoff zu sich nehmen, einem Versuch: Sie konsumierten eine Woche lang so viel Süssstoff, wie von der US-Lebensmittelbehörde FDA als Höchstwert empfohlen wird. Bei vier der Versuchsteilnehmer wurden erhöhte Blutzucker-Werte und eine Veränderung der Darmflora beobachtet.

«Das verlangt nach einer Neubewertung des massiven, unkontrollierten Konsums dieser Substanzen», erklärte Studienautor Eran Elinav. Bisherige Studien zu Süssstoffen hatten unterschiedliche Ergebnisse hervorgebracht: Einige zeigten positive, andere negative Auswirkungen auf die Entwicklung des Körpergewichts und auf die Glukose-Verträglichkeit.

Die neue Studie zeige, dass Süssstoffe womöglich nicht die «harmlose Wunderwaffe gegen Fettleibigkeit und Diabetes» seien, als die sie vorgesehen waren, kommentierte Nita Forouhi von der Universität Cambridge den «Nature»-Artikel.

Sie und andere Forscher heben aber hervor, dass die Studie wegen der geringen Zahl von Versuchsteilnehmern und der kurzen Studiendauer noch keine wirklichen Rückschlüsse zulasse. Bisherige Gesundheitsempfehlungen sollten nicht allein auf Grundlage der neuen Studie geändert werden.

(fee/sda)

Diabetes Typ I und Typ II

Der Diabetes vom Typ I trifft in der Regel junge Menschen. Bei dieser Form der Erkrankung werden die sogenannten Beta-Zellen, die in der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) das Insulin produzieren, zerstört. Aus diesem Grund müssen sich diese Patienten das Insulin regelmässig selbst in Form von Spritzen zuführen, um einem erhöhten Blutzuckerspiegel entgegenzuwirken.

Anders ist das beim Diabetes des Typs II, von dem etwa 90 Prozent aller Zuckerkranken betroffen sind. Durch eine längerfristige, überhöhte Energiezufuhr und andere, noch unbekannte Faktoren, entsteht bei einigen Organen eine Insulin-Resistenz. Diesen Effekt versucht die Bauchspeicheldrüse auszugleichen, indem sie noch mehr Insulin produziert – eine Belastung, der die Insulin-Produzentin nicht ewig stand hält: Es kommt zu einer stark reduzierten Insulin-Ausschüttung, der Blutzuckerwert steigt. Diese Form des Diabetes ist auch als Altersdiabetes bekannt. Heute erkranken daran vor allem Übergewichtige – vereinzelt erkranken sogar Kinder an dem durch Ernährungsfehler entstehenden Leiden.

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