Aktualisiert 14.09.2018 07:15

Guy Lachappelle

Fünf Baustellen für den neuen Raiffeisen-Lenker

Die Raiffeisen hat Guy Lachappelle als neuen Präsidenten nominiert. Auf diesen warten schwierige Aufgaben. Ein Überblick.

von
Isabel Strassheim
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Die Raiffeisenbank muss sich ans Aufräumen machen. Das geht unter anderem nur mit einer neuen Person auf dem Präsidentenposten.

Die Raiffeisenbank muss sich ans Aufräumen machen. Das geht unter anderem nur mit einer neuen Person auf dem Präsidentenposten.

Keystone/Gaetan Bally
Am Freitagmorgen hat Raiffeisen nun bestätigt: Die Bank nominiert Guy Lachappelle als neuen Präsidenten. Er ist seit 2013 Vorsitzender der Konzernleitung und CEO der Basler Kantonalbank.

Am Freitagmorgen hat Raiffeisen nun bestätigt: Die Bank nominiert Guy Lachappelle als neuen Präsidenten. Er ist seit 2013 Vorsitzender der Konzernleitung und CEO der Basler Kantonalbank.

Als neue Verwaltungsratsmitglieder hat Raiffeisen zudem Karin Valenzano Rossi, Partnerin in der Kanzlei Walder Wyss sowie Dozentin für Banking am Centro di Studi Bancari in Vezia ...

Als neue Verwaltungsratsmitglieder hat Raiffeisen zudem Karin Valenzano Rossi, Partnerin in der Kanzlei Walder Wyss sowie Dozentin für Banking am Centro di Studi Bancari in Vezia ...

Die Raiffeisen hat am Freitag Guy Lachappelle zum neuen Präsidenten nominiert. Er ist bereits seit 2013 Vorsitzender der Konzernleitung und aktueller CEO der Basler Kantonalbank. Lachappelle ersetzt den Interimspräsidenten Pascal Gantenbein. Zuvor war der Jurist in verschiedenen Bankleitungs- und Konzernfunktionen tätig. Zu den wichtigsten Aufgaben des neuen Lenkers wird die Neubesetzung des Chefpostens von Raiffeisen gehören. Der heutige CEO Patrick Gisel tritt spätestens Ende Jahr ab. Von Lachappelle hängt nun zudem ab, wie schnell die Bank aus der Krise findet.

Denn Raiffeisen muss sich neu erfinden. Die Reputation der drittgrössten Schweizer Bank an sich hat zwar wenig gelitten, doch der Name steht derzeit für die Vincenz-Affäre. «Der Druck auf die neue Führung ist immens. Es braucht ergänzend zu den neuen Personen an der Spitze zeitnahe verbindliche Aussagen zur Strategie und den Führungsprinzipien. Nur so lässt sich glaubhaft ein Neuanfang kommunizieren», sagt Kommunikationsberater Matthias Knill zu 20 Minuten. Dabei geht es um folgende Baustellen:

Grundsatzfrage

Wo liegt die Zukunft der Bank? «Die neue Raiffeisen-Spitze muss klären, ob sie die Konzernambitionen weiter verfolgen will», sagt Peter V. Kunz, Professor für Wirtschaftsrecht der Universität Bern, zu 20 Minuten. Sie hat die Privatbank Notenstein La Roche zwar dieses Frühjahr verkauft, es ist aber unklar, ob Raiffeisen jetzt eine Dorfbank bleiben oder nochmals den Weg zu einem breit aufgestellten Bankhaus inklusive Vermögensverwaltung einschlagen will.

Hypothekenlast

Von Raiffeisen kommt das Geld für die meisten Neubauten in der Schweiz. Sie ist in den zehn Jahren nach der Finanzkrise zur mit Abstand grössten Hypothekarbank herangewachsen: Zwischen 2008 und 2018 stiegen die Hypotheken um rund 80 Prozent auf fast 180 Milliarden Franken. «Raiffeisen hat mehr Kredite vergeben als andere Banken und man muss annehmen, dass sie dabei auch sehr viele Risiken eingegangen ist», sagt Kunz. Im ersten Halbjahr 2018 hatte die Bank lediglich 6,7 Millionen Franken an faulen Krediten. «Im Hypothekenbereich muss man aber auf lange Sicht denken und wenn es in den nächsten Jahren zu einer Immobilien- oder auch Arbeitsmarktkrise kommen sollte, kann der Kreditausfall sehr rasch steigen», betont Kunz. Im Fall der Fälle müsste Raiffeisen vom Staat gerettet werden, weil die Finanzmarktaufsicht (Finma) sie zur systemrelevanten Bank erklärt hat.

Finma

Nach der Vincenz-Affäre ist die Finma Raiffeisen auf die Pelle gerückt: In ihrem Enforcement-Bericht im Juni dieses Jahres verpflichtete sie die Genossenschaftsbank, die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft «vertieft zu prüfen». Es gibt zwei Hauptgründe, warum der Finma eine Raiffeisen AG lieber wäre: Für Aktienfirmen gibt es strenge Gesetze zur Kontrolle der Unternehmensführung, für Genossenschaften dagegen keine. Als Börsenunternehmen könnte Raiffeisen bei Aktionären rasch neues Geld aufnehmen. Bei einer Hypothekarkrise wäre das wohl nötig. Der Nachteil einer Aktienfirma ist, dass sie zu Expansion und stetigem Wachstum getrieben wird.

Das ist der neue Raiffeisen-Präsident:

Machtfrage

Die 250 Raiffeisen-Genossenschaften wollen mehr Macht. Nach der Ära Vincenz/Gisel fehlt es ihnen an Vertrauen in die Zentrale in St. Gallen. Nun wollen sie die Basis stärken und mehr mitentscheiden. Einige Genossenschaften fordern auch, nicht nur Verwaltungsrat und CEO, sondern die gesamte Geschäftsleitung auszutauschen.

• PostFinance

Der Bundesrat will PostFinance per Gesetz zur Vollbank machen und die Vergabe von Krediten und Hypotheken erlauben. Das bedeutet neue Konkurrenz für Raiffeisen. «Die Akteure des Finanzplatzes werden Gelegenheit haben, anlässlich dieser Vernehmlassung Stellung zu beziehen, Raiffeisen wird dies zu gegebener Zeit ebenfalls tun», sagt Raiffeisen-Sprecherin Angela Rupp. Peter V. Kunz betont: «Raiffeisen wird sich mit aller Macht gegen eine neue Konkurrenz im Hypothekarmarkt wehren.»

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