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KolumneFünf Gründe, die gegen ein Sauber-Aus sprechen

Der Internationale Automobil-Verband FIA hat entschieden: Der 13. Startplatz für die Saison 2010 geht an Lotus und nicht an ein mögliches Nachfolge-Team von BMW Sauber. Das definitive Aus für den Formel-1-Standort Hinwil? Nicht unbedingt. Wir kennen fünf mögliche Rettungsanker.

von
Peter Haab

Der 13. Startplatz für die Formel-1-Weltmeisterschaft 2010 erhält also nicht das mögliche Nachfolge-Team von BMW-Sauber, sondern das Team von Litespeed-Lotus. Lotus ist im Besitz des malaysischen Auto-Herstellers Proton. Die Marke Proton wiederum ist mehrheitlich im Besitz des malaysischen Staates. Genauso wie Petronas, langjähriger Sponsor von Sauber.

Der Zuschlag für Litespeed-Lotus muss nicht zwingend bedeuten, dass der Formel-1-Standort Hinwil geschlossen wird. Es gibt immer noch fünf Möglichkeiten, wie Sauber weiterhin in der höchsten Motorsportklasse vertreten sein kann:

Erstens: Litespeed war möglicherweise einer jener Investoren, die mit BMW in München über den Kauf des BMW-Sauber-Teams verhandelt haben. Die FIA wollte für ihren Zuschlag eine seriöse Finanzierung und eine geeignete Infrastruktur sehen. Gut möglich, dass BMW von Litespeed das finanziell interessantere Angebot gekriegt und damit Litespeed in den Verhandlungen mit der FIA gestützt hat.

Zweitens:Dann gibts noch ein weiteres Schlupfloch für BMW-Sauber: Wenn Renault im Fall «Crashgate» von Singapur 2008 verurteilt wird (am nächsten Montag Verhandlung in Paris), wird das Team mit grosser Wahrscheinlichkeit von der WM 2009 ausgeschlossen, was den definitiven Rückzug zur Folge haben könnte.

Drittens: Am Wochenende machte im Fahrerlager von Monza auch das Gerücht wieder die Runde, dass sich Toyota am Ende der Saison aus der Formel 1 zurückziehen wird.

Viertens: Bei den drei neuen Teams USF1, Campos und Manor ist auch noch nicht alles in Stein gemeisselt. Den einen mangelt es noch an der nötigen Infrastruktur. Bei den andern ist die Finanzierung auf drei Jahre hinaus immer noch nicht gesichert.

Fünftens: Falls alle Stricke reissen sollten, könnte die FIA mit den 13 eingeschriebenen Teams die Vergabe eines 14. Startplatzes beschliessen. Dafür braucht es aber die Zustimmung aus allen Lagern, was eher unwahrscheinlich ist.

All dies mag ein kleiner Trost für Peter Sauber sein. Die Türe zur Formel 1 ist aber noch nicht definitiv zu. Peter Sauber selbst war bis jetzt für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Übrigens: BMW hätte dieses ganze Theater und das grosse Zittern vermeiden können, wenn man Peter Sauber Anfang August die Erlaubnis gegeben hätte, das sogenannte «Concorde-Agreement» zu unterzeichnen. Dann hätte das Nachfolge-Team von BMW-Sauber erstens einen garantierten Startplatz und zweitens garantierte Zahlungen aus dem Formel-1-Vermarktungstopf für die nächsten drei Jahre zugesichert gehabt.

Der Kolumnist

Peter Haab befasst sich seit 30 Jahren mit dem Motorsport und der Formel 1. Der Sportjournalist gibt für 20 Minuten Online sein Insiderwissen preis und kommentiert die aktuellen Vorkomnisse.

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