Besuch des US-Präsidenten: Fünf Gründe für und gegen Trump am WEF
Aktualisiert

Besuch des US-PräsidentenFünf Gründe für und gegen Trump am WEF

Sollten wir uns über Donald Trumps Besuch am WEF freuen oder ihn besser weg von Davos wünschen? Gründe für und gegen die Teilnahme des US-Präsidenten.

von
Isabel Strassheim
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US-Präsident Donald Trump kommt ans WEF 2018 und polarisiert.

US-Präsident Donald Trump kommt ans WEF 2018 und polarisiert.

Keystone/Laurent Gillieron
Das Forum hat sich der gemeinsamen Suche nach Lösungen für globale Probleme verschrieben.

Das Forum hat sich der gemeinsamen Suche nach Lösungen für globale Probleme verschrieben.

Keystone/Laurent Gillieron
Gründer Klaus Schwab ist auf den «Geist von Davos» stolz. In ungezwungener Bergdorf-Atmosphäre können sich die Mächtigen der Welt austauschen und vernetzen.

Gründer Klaus Schwab ist auf den «Geist von Davos» stolz. In ungezwungener Bergdorf-Atmosphäre können sich die Mächtigen der Welt austauschen und vernetzen.

Keystone/Laurent Gillieron

Willkommen am WEF, Mister Trump!

• Alle Augen auf Davos

US-Präsident Donald Trump gilt als mächtigster Mann der Welt und wird dem Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos wieder Gewicht verleihen. Im Vorjahr war zwar Chinas Präsident Xi Jinping zu Gast, aber das Forum hatte zuletzt merklich an Bedeutung verloren. Zu erwarten sind nun auch wieder WEF-Proteste, die für zusätzliche weltweite Berichterstattung und Kontroversen sorgen.

• Trump muss sich erklären

In Davos könnte Trump seine Wirtschaftspolitik mit den weltweiten Konzernbossen diskutieren. Nach der Verabschiedung der US-Steuerreform letzten Dezember dürfte Trump nun Konzerne dazu aufrufen, in den USA zu investieren und Jobs zu schaffen. Der Präsident wird sich mit seiner «America First»-Doktrin den Topmanagern der Welt stellen.

• Unverhoffte Gesprächsmöglichkeit

Im Tross des amerikanischen Präsidenten werden Berater, Politiker und zusätzliche US-Wirtschaftsvertreter reisen. Nicht nur Bundesrat Alain Berset erhofft sich ein Treffen mit Trump, sondern auch Politiker und Manager aus aller Welt bekommen eine unerwartete Chance, direkt mit ihm oder Entscheidungsträgern aus seiner Entourage zu reden. Auch Schweizer Banken und Pharmakonzerne haben eine Chance auf Verhandlungen.

• Werbebilder für Schweizferien

Für Schweiz Tourismus hat Trumps Visite «einen zusätzlichen Werbeeffekt, der unbezahlbar ist», wie Sprecher Markus Berger zu 20 Minuten sagt. Durch das zusätzliche Medieninteresse sind die Bilder aus den verschneiten Schweizer Alpen weltweit präsent. Allerdings erwartet Berger hierdurch keine zusätzlichen US-Touristen. Nach dem WEF-Besuch des chinesischen Präsidenten letztes Jahr war dies anders: Danach machten sich viele Chinesen auf die Spuren ihres Präsidenten und buchten verstärkt Fahrten mit der SBB, weil auch Xi Jinping mit dem Zug durch die Schweiz gefahren war.

• Planespotter freuen sich

Planespotter dürften aus dem Häuschen sein. Sie haben endlich wieder die Chance, die Air Force One in der Schweiz zu fotografieren. Ausserdem werden Black-Hawk-Helikopter erwartet. Und auch die fliegende nationale Kommandozentrale in der Boeing E-4 dürfte wieder über die Schweiz fliegen. Sie war schon 2016 bei der Teilnahme des US-Vizepräsidenten am WEF da.

Stay home, Mister Trump!

• Möglicher Imageschaden

Donald Trump könnte dem «Spirit of Davos» schaden. Das WEF wirbt mit dem intellektuellem Charme der Macht und steht für weltweit verantwortlichen Freihandel. Der US-Präsident fährt dagegen eine chauvinistische Protektionismus-Kampagne.

• Grundsatzfrage Klimawandel

Über den Klimawandel macht sich Trump lächerlich und verkündete den Ausstieg aus dem Pariser Klimaschutzabkommen. Das WEF nimmt die Erderwärmung dagegen ernst und sieht darin eines der grössten Risiken für die globale Wirtschaft. Generell will das WEF Lösungen für die grossen globalen Probleme suchen und anmahnen.

• Abzug von US-Firmen

Das Risiko besteht, dass Trump US-Konzernen mit grossen Ablegern in der Schweiz oder Europa nahelegt, ihre Wertschöpfung wieder in die USA zu verlegen. Das könnte einen Abzug von Produktion und Verwaltung im grossen Stil bedeuten. Die US-Steuerreform mit den niedrigeren Unternehmenssteuern von 21 Prozent sowie neuen Sondersteuern für US-Firmen im Ausland bringt sie ohnehin unter Zugzwang.

• Schaden durch Randale

Die Kosten für Trumps spezielle Sicherheitsvorkehrungen werden immens sein. Zudem dürfte für die Schweiz wegen der schon jetzt angekündigten Protestaktionen mit zusätzlichen Polizeieinsätzen zu rechnen sein. Sie könnten in Randale und Folgeschäden ausarten.

• Steigende Preise

Die Preise in Davos dürften während des WEF in die Höhe schiessen. Am letzten Forum hatte ein Hot Dog 38 Franken gekostet. Durch Trumps Teilnahme dürften auch die Hotelpreise weiter steigen. Beim letzten Besuch eines US-Präsidenten kam Bill Clinton mit 1500 eigenen Sicherheitsleuten. Bei Trump dürfte das ähnlich sein. Die aber brauchen Übernachtungsmöglichkeiten. Es kann erwartet werden, dass nun auch Hotels in entfernterer Umgebung gebucht werden und WEF-Preisniveau erreichen.

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