Pentagon-Chef gefeuert: Fünf Gründe, warum Chuck Hagel gehen muss

Aktualisiert

Pentagon-Chef gefeuertFünf Gründe, warum Chuck Hagel gehen muss

Obama hat seinen dritten Verteidigungsminister gefeuert. Der Republikaner Chuck Hagel geht nicht aus freien Stücken, sondern gleich aus mehreren Gründen.

von
Martin Suter
New York
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US-Verteidigungsminister Chuck Hagel (rechts) wird am Montag mit Lob überschüttet - und gefeuert. Dann darf er Barack Obama ein letztes Mal umarmen.

US-Verteidigungsminister Chuck Hagel (rechts) wird am Montag mit Lob überschüttet - und gefeuert. Dann darf er Barack Obama ein letztes Mal umarmen.

Keystone/AP/Pablo Martinez Monsivais
Präsident Barack Obama (Mitte) mit dem scheidenden Verteidigungsminister Chuck Hagel (links) und Vizepräsident Joe Biden am 24. November im Weissen Haus.

Präsident Barack Obama (Mitte) mit dem scheidenden Verteidigungsminister Chuck Hagel (links) und Vizepräsident Joe Biden am 24. November im Weissen Haus.

Keystone/AP/Pablo Martinez Monsivais
Obama und Hagel kennen sich von Zeiten her, als beide im US-Senat sassen.

Obama und Hagel kennen sich von Zeiten her, als beide im US-Senat sassen.

Keystone/AP/Pablo Martinez Monsivais

Chuck Hagel hat am Montag seinen Rücktritt als Amerikas Verteidigungsminister eingereicht. Der frühere republikanische Senator aus Nebraska gab keine Gründe für diesen Schritt an. Präsident Barack Obama pries den nur 20 Monate dienenden Hagel in höchsten Tönen. Doch Mitarbeiter des Verteidigungsministers machen klar, dass der Rücktritt kein freiwilliger war. Zu Fox News sagte einer: «Damit es klar ist: Hagel wurde gefeuert.» Tatsächlich kommt es zu der Trennung aus mindestens fünf Gründen:

1. Die alte Freundschaft reichte nicht mehr aus

Obama und Hagel kennen sich von Zeiten her, als beide im US-Senat sassen. Sie amteten beide im aussenpolitischen Ausschuss und gingen zusammen auf Reisen in Krisengebiete, obwohl sie verschiedenen Parteien angehören. Insbesondere ein Trip in den Irak habe 2008 die Beziehung der beiden Politiker gefestigt, schrieb «Newsweek» letztes Jahr. Doch diese persönlichen Bande hielten dem Stress der laufenden Kriege und den Pentagon-Sparübungen nicht stand.

2. Hagels öffentliche Auftritte überzeugten nicht

Als der US-Senat im Januar 2013 über seine Nomination beriet, machte Hagel eine schlechte Figur. Bei seinen Antworten stolperte er häufig; er schien nicht alle wesentlichen Fakten zu kennen. In den ersten Monaten im Amt hielt sich der Verteidigungsminister zurück. Doch später kam es vor, dass Hagel Dinge sagte, die nicht mit dem Präsidenten abgesprochen waren. Zum Beispiel beschrieb er im August die von der Terrormiliz Islamischer Staat in Syrien und im Irak ausgehende Gefahr drastischer als Obama. Auf diese Weise liess er durchblicken, dass er die Politik gegen den IS als nicht erfolgversprechend einschätzte.

3. Hagel war nur Unteroffizier

Obama feierte den abtretenden Verteidigungsminister als ersten Soldaten an der Spitze des Pentagons. Alle Vorgänger waren meistens frühere Offiziere oder – seltener – Politiker ohne militärische Erfahrung. Hagels Bodenhaftung machte ihn bei den Truppen in Kriegsgebieten populär. Er setzte sich auch immer sehr für ihre Belange ein. Doch unter den hochdekorierten Generälen der US-Streitkräfte hatte Hagel wahrscheinlich weniger Gewicht. Auch Präsident Obama soll sich in den letzten Wochen vor allem auf den Ratschlag von Generalstabschef Martin Dempseys abgestützt haben.

4. Obama braucht frisches Blut

Die herbe Niederlage der Demokraten in den Kongresswahlen von Anfang November setzte den US-Präsidenten in Zugzwang. Der angesehene Kolumnist David Ignatius von der «Washington Post» schrieb am Tag nach den Wahlen, Obama müsse sein aussenpolitisches Team wiederbeleben, um die Chancen zu nutzen, die es gebe. «Offizielle im Weissen Haus wissen, dass er frisches Blut braucht, mehr Bandbreite, mehr intellektuelles Kapital.»

5. Hagel ist Republikaner

Auf der Suche nach jemandem, dem die aussen- und sicherheitspolitischen Probleme zugeschrieben werden können, wurde Obama beim einzigen Republikaner in seinem Team fündig. Bei der Ernennung Hagels war seine Parteizugehörigkeit noch ein Plus. Das war auch 2008 der Fall, als er Robert Gates ins Pentagon rief, den Verteidigungsminister George W. Bushs. Doch nach der Schlappe in den Wahlen scheint Obama nicht mehr geneigt, die Opposition symbolisch zu umarmen – im Gegenteil. Ebenso wie die eigenmächtige Einwanderungsreform signalisiert Hagels Entlassung, dass Obama künftig eine harte Linie verfolgen wird.

Obama verabschiedet Chuck Hagel:

(Quelle: YouTube/The New York Times)

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