Bundesstrafgericht: Fünf Jahre Haft für HSBC-Datendieb Falciani
Aktualisiert

BundesstrafgerichtFünf Jahre Haft für HSBC-Datendieb Falciani

Ehrenhafter Whistleblower oder gewissenloser Wirtschaftsspion? Das Gericht in Bellinzona konnte diese Frage im Falciani-Prozess nicht restlos klären.

Blieb der Gerichtsverhandlung fern: HSBC-Informatiker Hervé Falciani. (2. November 2015)

Blieb der Gerichtsverhandlung fern: HSBC-Informatiker Hervé Falciani. (2. November 2015)

Sein Stuhl blieb während der gesamten Verhandlung leer, einem Urteil konnte sich Herve Falciani jedoch nicht entziehen. Am Freitag verurteilte das Bundesstrafgericht in Bellinzona den ehemaligen Informatiker der Bank HSBC zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren.

Das Gericht befand ihn des wirtschaftlichen Nachrichtendienstes schuldig. Von den weiteren Vorwürfen, darunter Verletzung des Geschäftsgeheimnisses, wurde er freigesprochen.

Das Gericht blieb mit seinem Urteil hinter der Forderung der Bundesanwaltschaft zurück, die eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren für angemessen gehalten hatte. Die Verteidigung hatte eine bedingte Freiheitsstrafe gefordert.

Eine Hauptfrage

In der Hauptverhandlung hatte die Frage dominiert, ob Falciani ein ehrenhafter Whistleblower oder ein gewissenloser Datendieb sei. Es konnte zwar nicht eindeutig nachgewiesen werden, dass sich Falciani für die Übergabe von gestohlenen Kundendaten auch bezahlen liess.

Allerdings könne der Informatiker schon aufgrund der kriminellen Aktivität und dem Wert der verratenen Geheimnisse wegen wirtschaftlichem Nachrichtendienst verurteilt werden, sagte der Vertreter der Bundesanwaltschaft, Carlo Buletti, in der Verhandlung.

Wird das Urteil weitergezogen?

Die Verteidigung dagegen hatte die Sicherheitslücken bei der ehemaligen Arbeitgeberin Falcianis, der Genfer HSBC Bank, ins Feld geführt. Man habe es nicht mit einem Spion zu tun, der versucht habe, Codes zu knacken um an Daten zu kommen, sagte der Verteidiger in der Hauptverhandlung.

Der Prozess fand ohne den Angeklagten statt. Obwohl die Schweiz Falciani einen «Passierschein» angeboten hatte, verzichtete der Angeklagte - er ist französisch-italienischer Doppelbürger - auf eine Reise nach Bellinzona. Der Prozess hatte deshalb Mitte Oktober vertagt werden müssen. In Frankreich und Italien kann sich Falciani frei bewegen. Das Urteil kann an das Bundesgericht weitergezogen werden.

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