Aktualisiert 15.06.2015 10:45

Service-public-Diskussion

Fünf Reformtipps für eine bessere SRG

Publizist Kurt W. Zimmermann und PR-Experte Marcus Knill machen Vorschläge, wie die SRG wieder effizienter und beliebter werden kann.

von
D. Waldmeier
In der Sendung von Roger Schawinski nahm SRG-Generaldirektor Roger De Weck Stellung zum RTVG. Jetzt muss er sich der Service-public-Diskussion stellen.

In der Sendung von Roger Schawinski nahm SRG-Generaldirektor Roger De Weck Stellung zum RTVG. Jetzt muss er sich der Service-public-Diskussion stellen.

Als Misstrauensvotum interpretieren viele Beobachter das hauchdünne Ja zur RTVG-Revision. Beide Lager stellen sich jetzt auf eine heisse Service-public-Diskussion ein: Was ist der Leistungsauftrag der SRG und wie viel darf sie kosten? Braucht es Korrekturen bei der Organisation? Zwei Experten äussern sich pointiert zu fünf Streitpunkten.

Programm: Mehr Mitsprache für das Volk

«Die Information soll der Hauptauftrag bleiben. Trotzdem muss die SRG eine vielfältige Palette anbieten. Auch Sendungen wie «Glanz & Gloria» oder Fussballübertragungen sollen Platz haben», sagt Kommunikationsexperte Marcus Knill. Diskutiert werden müsse, ob die Kosten enorm teurer Eigenproduktionen – etwa des «Bestatters» – verhältnismässig sind. «Das Volk sollte allgemein mehr mitreden können. Auch sollten Beschwerden des Publikums ernster genommen werden.»

«Weltwoche»-Kolumnist Kurt W. Zimmermann sagt, dass sich das Programm an den Bedürfnissen der Konsumenten orientieren sollte. «Die Leute wollen Krimis und Unterhaltung – man sollte dies ernst nehmen. Es wäre fatal, wenn man jetzt nur noch trockene Themen bringen würde, die niemanden interessieren.» Dass es ein Grundangebot in allen Sprachregionen brauche, sei aber unbestritten.

Kosten: In der Deutschschweiz sparen

Für Zimmermann ist die heutige SRG zu teuer: «Das Fernsehen in der Deutschschweiz sollte nicht teurer sein, als es heute in der Westschweiz ist. So könnte man schon einmal 150 Millionen Franken einsparen – ohne dass der Konsument etwas davon merkt.» Laut Zimmermann braucht es auch nicht 17 Radio-Sender und 7 TV-Sender: «Jene Angebote, die nur einen marginalen Marktanteil von unter sechs Prozent haben, sind überflüssig. Dazu zählt auch Radio SRF 2. Wozu soll man etwas produzieren, was gar kein Publikum hat?»

Auch Knill empfiehlt, auf die Kostenbremse zu treten: «Die Leute haben Angst, dass die Gebühren künftig ansteigen – das hat man im Abstimmungskampf deutlich gesehen. Man sollte die Einnahmen aus den Abgaben einfrieren und ein Kostendach für die SRG definieren, welches nicht überschritten werden darf.» Solange die Sender innerhalb des Kostendachs zu finanzieren seien, müssten sie nicht geschlossen werden.

Mentalität: Selbstkritik üben

«Das Erstaunliche am Abstimmungskampf war, dass man aus dem Mund von Roger De Weck nur gehört hat, dass bei der SRG alles picobello ist. Ganz nach dem Motto: Ausser uns ist nur der Herrgott vollkommen», sagt Zimmermann. Normal wäre gewesen, dass man auch Fehler eingestehe und Besserung gelobe. «Eine solche Fähigkeit zur Selbstkritik wäre wünschenswert.»

Knill träumt ebenfalls von mehr Bürgernähe: «Den Dialog mit dem Volk gilt es zu intensivieren.» Die SRG dürfe nicht zum Selbstdarstellungsinstitut verkommen, in dem sich die Kollegen ständig gegenseitig in Sendungen einlüden.

Organisation: Mehr Transparenz

Bei der Organisation hat Zimmermann einen radikalen Reformvorschlag: «Da die SRG jetzt über eine Abgabe finanziert wird, kann man sie in ein Bundesamt für Funk (BFF) umwandeln. Ihr Budget müsste jedes Jahr bewilligt werden.» Zimmermann verspricht sich davon eine echte Diskussion über die Kosten. «Die SRG müsste bei den Sparprogrammen bluten, wie es die Armee in den letzten Jahren getan hat.»

«Wichtig ist vor allem, dass Strukturen geschaffen werden, die mehr Transparenz garantieren – sowohl beim Programm als auch bei den Finanzen», sagt Knill. «Hätte Roger De Weck seinen Lohn offengelegt, wäre sein Salär nicht so lange thematisiert worden.»

Werbung: Abends Unterbrechungen

Die beiden Experten sind sich einig, dass es ohne TV-Werbung nicht geht: «Als Konsument ärgert es mich aber, wenn ein Krimi unterbrochen wird. Ich möchte keine amerikanischen Verhältnisse. Man sollte sich auf Werbeblocks zwischen den Beiträgen konzentrieren.»

Laut Zimmermann ist ein Kanal, mit dem man die breite Masse erreicht, im Interesse der Wirtschaft. «Man könnte sich jedoch überlegen, das Programm abends ab einer gewissen Uhrzeit werbefrei zu machen.»

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