Aktualisiert 01.10.2010 11:49

NHL-Update

Fünf Schweizer im Endspurt

In einer Woche beginnt die Regular Season der NHL. Noch fünf Schweizer dürfen sich Hoffnungen machen, beim Saisonstart dabei zu sein.

von
Monika Brand

Der Countdown läuft: Ab nächstem Freitag gilt es auch in der härtesten Liga der Welt wieder ernst. Bis dahin ist der Kampf um die Plätze in den NHL-Teams heisser den je. 7 der 13 Schweizer haben bereits die Segel streichen müssen, einer wartet noch auf den «Gnadenstoss». Fünf weitere dürfen sich hingegen noch berechtigte Hoffnungen machen. Ein Überblick.

New York Islanders: Mark Streit und Nino Niederreiter

Verteidiger Mark Streit hat sich in einem internen Trainingsspiel an der linken Schulter verletzt und fällt wohl ein halbes Jahr aus. Damit droht der drittbeste Islanders-Skorer der vergangenen Spielzeit die Saison zu verpassen.

Shooting-Star Nino Niederreiter hat am Mittwoch sein erstes NHL-Testspiel bestritten. Der Churer, der im Sommer als bester Schweizer aller Zeiten in der ersten Runde als Nummer 5 gedraftet wurde und vergangene Woche bei den Islanders einen Dreijahresvertrag unterzeichnen konnte, lief gegen die Calgary Flames an der Seite von Rob Schremp und Josh Bailey in der zweiten Sturmlinie auf.

Die Zeichen stehen nicht schlecht, dass «El Niño» zum Saisonstart sein Debüt in der NHL geben wird. Es ist aber durchaus möglich, dass der 18-Jährige nur etwas Luft bei den «Grossen» schnuppern darf. Die Islanders können den jungen Spieler nämlich bis zu neun Spiele lang testen und ihn danach immer noch zurück zu seinem Junioren-Team schicken. Für die Portland Winterhawks (WHL) verbuchte Niederreiter letzte Saison 76 Punkte (44 Tore/32 Assists) in 78 Spielen.

Anaheim Ducks: Jonas Hiller und Luca Sbisa

Bei den Ducks verbleiben nur noch 25 Spieler im Trainingscamp. Beide Schweizer sind noch im Rennen. Torhüter Jonas Hiller hat letzte Saison 59 Partien in der Regular Season bestritten und erhebt deshalb berechtigten Anspruch auf die Nummer-1-Position zwischen den Pfosten. Letzten Samstag hütete der Appenzeller im Testspiel gegen die Vancouver Canucks ein erstes Mal wieder für 60 Minuten das Tor der Ducks. Dabei musste er sich trotz 21 Paraden 4 Mal geschlagen geben.

Anders als Hiller kam Verteidiger Luca Sbisa bereits am Dienstag erneut zum Einsatz. Er brachte es gegen die LA Kings auf 17:15 Minuten Eiszeit und eine ordentliche Schlägerei mit Brayden Schenn, die beiden eine 5-Minuten-Strafe einbrachte. Das änderte nichts daran, dass die «lahmen Enten» mit 3:8 untergingen.

Die Chancen stehen ziemlich gut, dass sich der Schweizer dieses Jahr in der NHL durchsetzen kann. Er debütierte bereits vor zwei Jahren als erst 18-Jähriger bei den Philadelphia Flyers in der härtesten Liga der Welt. Letzte Saison schickten ihn die Ducks aber nach acht Spielen zurück zu den Junioren. Um sich besser weiterentwickeln zu können wechselte Sbisa dort von seinem bisherigen WHL-Team Lethbridge zu Nino Niederreiter nach Portland.

Montreal Canadiens: Yannick Weber und Robert Mayer

Verteidiger Yannick Weber hat in den letzten beiden Jahren bereits elfmal in der NHL gespielt, jetzt will er sich endgültig in der härtesten Liga der Welt durchsetzen. Die Chancen dazu stehen nicht einmal so schlecht. Im Testspiel gegen die Buffalo Sabres kam der Neuenburger am Donnerstag «nur» während 17:42 Minuten zum Einsatz, was eigentlich eine beachtliche Eiszeit ist. Am vergangenen Samstag hatte Weber allerdings gleich während 26:43 Minuten auf dem Eis gestanden und war damit am zweitlängsten im Einsatz nach NHL-Saurier Jaroslav Spacek (829 NHL-Spiele).

Torhüter Robert Mayer hatte vor einer Woche im Spiel gegen die Ottawa Senators zum allerersten Mal in seiner Karriere NHL-Luft geschnuppert und dabei mit 18 Paraden und nur einem Gegentreffer in 30 Minuten eine gute Falle gemacht. Trotzdem wurde der 20-Jährige am Montag zusammen mit 15 anderen Spielern ins AHL-Farmteam Hamilton Bulldogs abgeschoben. Für Mayer war die Hürde praktisch unüberwindbar, hatten doch gleich drei seiner Goalie-Konkurrenten bereits über 100 Spiele NHL-Erfahrung.

Edmonton Oilers: Martin Gerber und Dominik Schlumpf

Der junge Schweizer Verteidiger Dominik Schlumpf musste bereits nach drei Tagen im Camp wieder gehen. Für den 19-Jährigen war aber schon die Einladung ins Trainingslager ein grosser Erfolg, hatte er sich doch durch ausgezeichnete Leistungen im Rookies-Camp aufgedrängt. Der ehemalige GCK-Lions-Junior kehrt zu seinem QMJHL-Team Shawinigan zurück, wo er sich in den letzten beiden Jahren den Ruf als «Warrior», also als besonders kampfstarker Spieler, erarbeitet hat.

Torhüter Martin Gerber steht kurz vor der Abschiebung in die AHL. Im Tagesbericht aus dem Trainingscamp haben die Oilers am Donnerstag auf ihrer Website bestätigt, dass sie den Schweizer auf die sogenannte Waiver-Liste gesetzt haben. Erhalten sie innert 48 Stunden kein Angebot von einem anderen Klub für den Torhüter, so muss der 36-Jährige ins Farmteam. Immerhin: Die Oilers heben im selben Bericht auch Gerbers «starke Leistungen» und seine «äusserste Professionalität» hervor, «die für die Oklahoma City Barons (das Farmteam, Anm. d. Red.) extrem positiv sein werden.»

Gerber befand sich in Edmonton von Beginn weg in einer schwierigen Situation. Die Kanadier haben ihn geholt, da Stammtorhüter Nikolai Chabibulin eine 30-tägige Gefängnisstrafe wegen Trunkenheit am Steuer und überhöhter Geschwindigkeit droht. Der Rekurs des Torhüters gegen das Urteil ist hängig, wann die Angelegenheit behandelt wird, ist unklar. Muss der Russe tatsächlich hinter schwedische Gardinen, ist Gerber bei den Oilers sofort wieder ein Thema.

Nashville Predators: Roman Josi

Viel Pech hat die NHL-Träume von Roman Josi in die Ferne gerückt. Der Verteidiger hat sich im Trainingscamp das linke Handgelenk gebrochen und muss vier bis sechs Wochen pausieren. Ausgerechnet jetzt, nachdem er in den bisherigen Testspielen sehr gute Noten erhalten hatte. Der 20-Jährige, der letzte Saison wesentlichen Anteil am Meistertitel des SC Bern hatte, muss die Saison im Farmteam bei den Milwaukee Admirals (AHL) beginnen. Die Chancen stehen aber gut, dass Josi sich nach seiner Genesung im Laufe der Saison fürs NHL-Team aufdrängen kann.

Ottawa Senators: Roman Wick

Auch Roman Wick musste seine NHL-Träume vorerst begraben. Er liess sich zwar in einem Testspiel gegen die Toronto Maple Leafs einen Assist notieren, konnte sich aber schliesslich doch nicht durchsetzen. Gemeinsam mit 15 anderen Spielern wurde er Mitte Woche ins Farmteam geschickt. Er wird die Saison mit den Bingham Senators in der AHL beginnen.

Dallas Stars: Severin Blindenbacher

Das Team der Dallas Stars nimmt langsam Formen an. Noch neun Verteidiger sind im Rennen, einer muss wohl noch die Koffer packen. Bleibt zu hoffen, dass dies nicht Severin Blindenbacher sein wird. Zuletzt kam der Zürcher am Dienstag im Testspiel gegen Colorado (1:2) zum Einsatz und verbuchte dabei einen Assist. Mit 19:31 Minuten brachte er es auch auf eine ansehnliche Eiszeit. Blindenbacher, der sich zuletzt in Schweden etabliert hatte, hofft auf einen Stammplatz im NHL-Kader.

Tampa Bay Lightning: Juraj Simek

Der schweizerisch-slowakische Doppelbürger Juraj Simek hat auch im vierten Anlauf den Sprung ins NHL-Team nicht geschafft. Zusammen mit 20 anderen Spielern wurde er am letzten Sonntag «gecutted». Er muss zurück ins Farmteam Norfolk (AHL).

Florida Panthers: Alain Berger

Etwas überraschend wurde der junge Alain Berger mit einem Probevertrag für das Trainingscamp der Florida Panthers aufgeboten. Er wurde jedoch bereits nach zwei Tagen wieder zurück zu seinem letztjährigen Juniorenteam geschickt. Der Berner wird die Saison mit den Oshawa Generals in der OHL bestreiten.

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