Fünf Tote - Beobachter trotzdem zufrieden
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Fünf Tote - Beobachter trotzdem zufrieden

Zum ersten Mal seit sechs Jahren haben die Haitianer unter dem Schutz der UNO ein Parlament und einen Präsidenten gewählt.

Nach Angaben der UNO-Mission (MINUSTAH) gaben mehr als 50 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab.

«Die Wahl war sehr legitim», sagte der Generalsekretär der Organisation der Amerikanischen Staaten (OAS), José Miguel Insulza, in der Nacht zum Mittwoch.

Insulza und der Chef der UNO-Mission, Juan Gabriel Valdes, bezeichneten die Wahlen als Erfolg. Die Mehrheit der Haitianer habe von ihrem demokratischen Recht Gebrauch gemacht und ihre Stimme abgegeben, sagten sie weiter.

«Dieses Volk will den Frieden, es will Ruhe haben, und deshalb hat es gewählt», sagte Insulza. Dies sei ein ausserordentlicher Tag in der Geschichte ganz Lateinamerikas.

EU-Beobachter teils kritisch

Das EU-Beobachterteam kritisierte die mangelhafte Vorbereitung des Urnengangs, begrüsste aber zugleich, dass sich die Gewalt insgesamt in Grenzen gehalten habe. «Eine derartig motivierte Bevölkerung hätte gut vorbereitete und gut organisierte Wahlen verdient», sagte der Chef des EU-Teams Johan Van Hecke.

Die Öffnung der Wahllokale habe sich bedauerlicherweise wegen «technischer und logistischer Probleme» vielerorts um bis zu zwei Stunden verzögert.

«Wir haben getan, was möglich ist», erklärte der Premierminister der Übergangsregierung Gerard Latortue nach der Wahl angesichts der teilweise chaotischen Zustände. Fünf Personen kamen - teils durch Unfälle oder Herzattacken - im Gedränge vor den Wahllokalen ums Leben.

Latortues Regierung war erst Anfang Januar von den Vereinten Nationen gezwungen worden, die Wahlen am 7. Februar abzuhalten. Aussagekräftige Wahlergebnisse werden in einigen Tagen erwartet.

33 Kandidaten

Um das Amt des Präsidenten hatten sich 33 Kandidaten beworben. Die besten Chancen werden dem Aristide-Vertrauten und früheren Präsidenten René Préval, dem weissen Unternehmer Charles Henry Baker und dem Ex-Präsidenten und Rechtsprofessor Leslie Manigat eingeräumt.

Die Wahlen wurden von den 7500 Soldaten, 1700 Polizisten und mehreren hundert Zivilangestellten der UNO-Stabilisierungstruppe gesichert. Ausserdem verfolgten 1500 Wahlbeobachter aus aller Welt und über 600 internationale Journalisten den Urnengang. (sda)

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