In den Kopf geschossen: Fünfeinhalb Jahre Knast für Schütze von Lancy
Aktualisiert

In den Kopf geschossenFünfeinhalb Jahre Knast für Schütze von Lancy

Der heute 30-jährige Mann, der vor einem Jahr eine junge Frau mit einem Kopfschuss schwer verletzt hatte, muss wegen versuchter Tötung ins Gefängnis. Die 16-Jährige wird im Gesicht ihr Leben lang gelähmt bleiben.

Wegen versuchter Tötung, Gefährdung des Lebens und schwerer Körperverletzung ist der Schütze von Lancy GE zu fünfeinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden. Seine beiden Opfer erhalten eine Genugtuungssumme von insgesamt 105 000 Franken. Das Hauptopfer muss für den Rest des Lebens mit einer Kugel im Kopf leben.

Der heute 30-jährige Täter hatte im Oktober 2010 in Lancy GE auf Jugendliche geschossen, mit denen er sich einige Minuten zuvor gestritten hatte. Er fühlte sich nach eigenen Aussagen gedemütigt, weil er mit einer Gruppe junger Frauen diskutieren wollte, aber abgeblitzt sei. Später seien mehrere junge Männer dazu gekommen.

Täter ging in Wohnung und kehrte mit Pistole zurück

Einer von ihnen habe ihn angerempelt. Daraufhin ging der damals 29-jährige Schweizer in seine Wohnung und kehrte mit einer Pistole zurück. Als die Jugendlichen die Pistole erblickten, ergriffen sie die Flucht.

Der Mann schoss in die Richtung eines 14-jährigen Jungen. Dieser erlitt einen Streifschuss an der Wange. Die Kugel flog jedoch weiter und traf ein 15-jähriges Mädchen am Kopf. Die junge Frau musste in ein künstliches Koma versetzt werden und befand sich längere Zeit in kritischem Zustand.

Die heute 16-Jährige ist seither im Gesicht halbseitig gelähmt. Sie muss bis an ihr Lebensende mit der Kugel im Kopf leben.

Offenbar Rassismus mit im Spiel

Das Genfer Kriminalgericht verurteilte den Schützen von Lancy GE am Freitag wegen versuchter Tötung, Gefährdung des Lebens und schwerer Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von fünfeinhalb Jahren. Angerechnet werden ihm die 433 Tage, die er bereits in Untersuchungshaft verbracht hat.

Der Staatsanwalt hatte zehn Jahre Gefängnis wegen Mordversuchs verlangt. Die Richter kamen hingegen zum Schluss, dass der Angeklagte nicht die Absicht gehabt habe zu töten, auch nicht eventualvorsätzlich.

Schuldig gesprochen wurde der Schütze jedoch der versuchten Tötung im Fall eines der Jugendlichen. Der Angeklagte habe tatsächlich mehrfach erklärt, dass er sich «diesen Mischling vorknöpfen wolle», sagte Gerichtspräsidentin Catherine Gavin.

Zugutezuhalten sei dem Angeklagten, dass er aufrichtige Reue gezeigt habe, insbesondere kurz nach dem Drama. So habe der Schütze selber die Polizei angerufen und sich Sorgen um das Opfer gemacht, führte die Gerichtspräsidentin aus.

105 000 Franken als moralische Gutmachung

Die Richter attestierten dem Angeklagten schliesslich aufgrund eines psychiatrischen Gutachtens auch eine leicht verminderte Zurechnungsfähigkeit. Der Mann habe eine Persönlichkeitsstörung und sei als unreif und ängstlich zu bezeichnen. Er selber beschrieb den Moment, als er schoss folgendermassen: «Ich war wie verhext, besessen, noch nie befand ich mich in so einem verrückten Zustand.»

Der Verurteilte wird sich während seiner Gefängnisstrafe deshalb einer ambulanten psychiatrischen Behandlung unterziehen müssen. Als moralische Wiedergutmachung muss er den beiden Opfern zudem eine Entschädigung zahlen. Die schwer handicapierte junge Frau erhält 75 000 Franken, der an der Wange verletzte Mann 30 000 Franken. (sda)

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