Redensarten: Fünfer und Weggli international
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RedensartenFünfer und Weggli international

Wir Schweizer sind, wer wollte es uns verargen, auf unseren Vorteil bedacht. Das Weggli und den Fünfer kriegen aber auch wir nicht. Wie beschreiben unsere Nachbarn diesen Sachverhalt?

Wer den Fünfer und das Weggli haben will, der will zu viel. Die Redensart bedeutet schliesslich: «zwei Vorteile wollen, die sich gegenseitig ausschliessen».

Weggli gibts unter dieser Bezeichnung nur in der Schweiz, und so ist auch die Redensart eine typisch schweizerische; ein so genannter Helvetismus eben. So ist auch eine «Fünfer-und-Weggli-Lösung» ein sehr schweizerischer Versuch, alles Positive zu vereinen.

Die Redensart dürfte wohl zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden sein; jedenfalls in einer Zeit, als ein Weggli tatsächlich um die fünf Rappen kostete.

Von der «beurre» bis zur Hochzeit

Unsere Nachbarn kennen zwar die Redensart vom Fünfer und dem Weggli nicht, aber sie haben eigene Wendungen, um den damit beschriebenen Sachverhalt zu versinnbildlichen. So sagen die Franzosen: «On ne peut pas avoir le beurre et l'argent du beurre.» («Man kann nicht gleichzeitig die Butter und das Geld für die Butter haben.») Gelegentlich wird – wohl zur Verdeutlichung – noch hinzugefügt: «... et encore la fromagère!» («... und dazu noch die Käserin!»). So sind sie eben, die Franzosen: Immer l'amour im Sinn.

Die Briten hingegen beschränken sich auf die Nahrung. Bei ihnen heisst es: «You can't eat your cake and have it too.» («Man kann den Kuchen nicht aufessen und behalten.»)

Bei den Italienern kommt wieder eine Frau ins Spiel. Und zwar die Ehefrau: «Non si può avere la botte piena e la moglie ubriaca.» (Man kann nicht ein volles Fass und eine betrunkene Gattin haben.»)

In Spanien verlassen wir die Lebensmittel und gelangen auf das Feld der religiösen Symbolik: «No se puede estar en misa y repicando», heisst es auf der Iberischen Halbinsel. («Man kann nicht gleichzeitig die Messe feiern und die Glocken läuten.»)

In Deutschland schliesslich drückt man die Unvereinbarkeit von zwei sich ausschliessenden Vorteilen mit dem Spruch aus: «Man kann nicht auf zwei Hochzeiten tanzen.»

Online-Umfrage

Zu Redewendungen, die nur in der Schweiz bekannt sind, und solchen, die im gesamten deutschsprachigen Raum geläufig sind, hat die Uni Basel einen Fragebogen aufgeschaltet. Nehmen Sie an der Umfrage teil und zeigen Sie, dass Sie in Sachen Redewendungen sattelfest sind!

(dhr)

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