Aktualisiert 03.11.2009 15:29

Skandal in den USAFünfjährige arbeiten auf Früchtefeldern

Wer meint, Kinderarbeit gebe es nur in klassischen Drittweltländern, der irrt gewaltig: Ein Bericht eines US-Senders zeigt Fünfjährige beim Pflücken von Heidelbeeren – knapp ausserhalb von Chicago.

von
kle

Freie Mitarbeiter des US-Nachrichtensenders ABC News konnten mit Filmaufnahmen beweisen, dass auf acht von 35 Früchtefarmen im US-Bundesstaat Michigan kleine Kinder auf den Feldern eingesetzt werden. Die Farmen gehören der Adkin Blue Ribbon Packing Company, dem Hauptlieferanten von Grossabnehmern wie Walmart, Kroger und Meijer.

Die Kinder werden offenbar auf den Heidelbeerfarmen eingesetzt, weil sie mit ihren kleinen Fingern besser in den Sträuchern die winzigen Beeren pflücken können, wie der Sender vor wenigen Tagen berichtete. Es sind die Söhne und Töchter von insgesamt 350 Saisonarbeitern, die zur Erntezeit für die Feldarbeit in die USA gereist waren.

Das Videomaterial zeigt unter anderem die fünfjährige Suli, wie sie mit zwei vollgeladenen Eimern die Früchte von den Feldern zu den Lastwagen trägt. Ihre sieben- und elfjährigen Brüder arbeiten ebenfalls für Adkin – seit drei Jahren, wie sie selber auf Spanisch im Bericht erzählen.

Adkin kontert zurück

Adkins Geschäftsführer Tony Marr behauptet, sein Unternehmen habe klare Regeln zum Thema Kinderarbeit: «Wir unterstützen Kinderarbeit auf keinen Fall», sagt er und versichert, seine erwachsenen Mitarbeiter hätten bei der Anstellung einen Vertrag unterschrieben, mit dem sie sich verpflichteten, ihre Kinder nicht aufs Feld zu bringen. Die Eltern brächten oft ihre Kinder mit, weil sie keine Betreuungsplätze für sie fänden, sagt er und versichert, er habe Kopien der Verträge, die er vorweisen könne. Ausserdem führe Adkin nun eine eigene Untersuchung im Fall.

Inzwischen wurde gegen das Unternehmen eine Busse von 5500 Dollar verhängt. Grosskunde Walmart kauft seit der Ausstrahlung des Berichts von ABC News keine Früchte mehr bei Adkin: «Wir warten ab, bis die Untersuchung abgeschlossen ist», schrieb Sprecherin Caren Epstein in einer Mail. Das Ethikteam habe so entschieden.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.