Teure Rückrufe: «Für 31 Sekunden muss ich 4 Franken bezahlen»

Aktualisiert

Teure Rückrufe«Für 31 Sekunden muss ich 4 Franken bezahlen»

Wenn man einen Anruf verpasst, ruft man gerne einmal zurück. Doch Vorsicht: Zurzeit gibt es eine neue Welle von Abzock-Anrufen. Ein Rückruf kann schnell teuer werden.

von
Qendresa Llugiqi
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Ping-Calls sind seit einiger Zeit eine Plage. Doch seit rund einer Wochen gibt es eine neue Welle der Abzock-Anrufe. Aktuell wird versucht, mit maledivischen Nummern Telefonbesitzer zu einem Rückruf zu animieren.

Ping-Calls sind seit einiger Zeit eine Plage. Doch seit rund einer Wochen gibt es eine neue Welle der Abzock-Anrufe. Aktuell wird versucht, mit maledivischen Nummern Telefonbesitzer zu einem Rückruf zu animieren.

Alleine die Nummer 009605921078 ist auf der Seite Telefonnummer.net bis am 20. April 274-mal aufgerufen worden (Aktivität der letzten 14 Tage).

Alleine die Nummer 009605921078 ist auf der Seite Telefonnummer.net bis am 20. April 274-mal aufgerufen worden (Aktivität der letzten 14 Tage).

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Diesen Freitag waren es bereits 3876 Anfragen (Aktivität der letzten 14 Tage).

Diesen Freitag waren es bereits 3876 Anfragen (Aktivität der letzten 14 Tage).

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Maria* hat am Freitag vor einer Woche einen Anruf verpasst. Ohne die Nummer genau anzuschauen, rief sie zurück. Ganze 31 Sekunden blieb sie in der Leitung, weil sie dachte, das Gegenüber melde sich gleich. Erst als sie auflegte, fiel ihr die seltsame Vorwahl auf. Als sie die Nummer googelt, wird ihr klar: Sie ist in die Ping-Call-Falle getappt und hat auf eine kostenpflichtige Nummer angerufen. «Für 31 Sekunden muss ich nun 4 Franken bezahlen», sagt sie. «Das ist wohl der teuerste Anruf, den ich je getätigt habe.»

Ping-Calls sind seit einiger Zeit eine Plage. Doch seit rund einer Wochen gibt es eine neue Welle der Abzock-Anrufe. Aktuell wird versucht, mit maledivischen Nummern Telefonbesitzer zu einem Rückruf zu animieren. So rief die Nummer 009605921078 nicht nur Maria aus dem Kanton Aargau an, sondern auch Jonas* aus dem Rheintal. Er rief jedoch nicht zurück: «Ich kannte die Masche nicht. Aber die Telefonnummer liess mich misstrauisch werden.»

«Es wird immer wieder angerufen»

Tatsächlich ist die Telefonnummer einschlägig bekannt. So wurde sie auf der Seite Telefonnummer.net bis am 20. April 274 Mal nachgeschlagen (Aktivität der letzten 14 Tage). Am 27. April waren es bereits 3876 Anfragen (Aktivität der letzten 14 Tage).

Von der Masche sind aktuell mehrere Länder betroffen. Die meisten Warnungen, deren Anzahl von 45 auf 422 gestiegen ist, kommen jedoch aus der Schweiz, wie aus einer Karte auf Telefonnummern.net hervorgeht. Da schreibt eine Person aus St. Gallen: «Ruft mitten in der Nacht an. Einmaliges Klingeln. Vorsicht! Eventuell Betrugsversuch.»

Auch Personen aus der Westschweiz sind betroffen. Ein Genfer schreibt: «Ich erhielt schon drei Anrufe. Die Vorwahl ist immer gleich.» Und jemand aus Zürich beschreibt das Vorgehen näher: «Ruft um verschiedene Uhrzeiten an. Tagsüber sowie um 4 Uhr morgens. Lässt es kurz klingen. Meistens klingelt es nicht einmal und der Anruf taucht einfach als nicht entgegengenommen auf. Es rufen auch ähnliche Nummern mit der gleichen Vorwahl aus den Malediven an. Habe nie abgenommen oder zurückgerufen.»

Dieser Erfahrung hat auch Maria gemacht: «Ich habe die Nummer 009605921078 blockiert. Doch in den letzten Tagen riefen mich immer wieder Nummern mit der gleichen Vorwahl an. Auch diese habe ich nun blockiert.»

«Nicht zurückrufen»

Die maledivische Nummer 009605921078 sei dem Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) bisher zweimal gemeldet worden, sagt Sprecher Fabian Maienfisch. «Wir empfehlen den Betroffenen, diese Anrufe zu ignorieren und nicht auf unbekannte ausländische Telefonnummern zurückzurufen.»

Laut Dominique Roten, Sprecher des Schweizer Konsumentenforums, sind Ping-Calls ein Dauerbrenner: «Es gab in den letzten zwei Jahren 34 Beschwerden wegen Ping-Calls bei uns, davon liess sich ein Teil – 12 von 34 Beschwerden – bis in afrikanische Länder zurückverfolgen.» Besonders häufig habe es sich um tunesische Nummern gehandelt.

Woher die Betrüger unsere Nummern haben, sei unklar. Roten: «Es scheint recht viele Möglichkeiten zu geben. Beispielsweise aus dem Darknet, durch das Hacken von Datenbanken oder durch automatisierte Software, die via Internet selbstständig Adressen sammelt.» Das Sternchen im Telefonbuch für «keine Werbeanrufe» bringe in solchen Fällen sehr wenig.

*Namen der Redaktion bekannt

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