«Für 400 Stutz bringemeren z'rug».
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«Für 400 Stutz bringemeren z'rug».

Die Mehrzahl der Autofahrer, die die «Abschleppdienste» der Firma Autohilfe Zürich rund um die Hardbrücke in Anspruch nehmen musste, bekam die Autos erst gegen Barzahlung von 400 Franken wieder ausgehändigt. Und das ist illegal, wie der Chef der Abschlepper weiss.

Wenn auf der Trendmeile so richtig was los ist, gehören die gelben Einsatzfahrzeuge der Autohilfe Zürich zum festen Strassenbild unter der Hardbrücke. Dann bietet die Autohilfe auch "Freizeitabschlepper" wie N. (siehe Dossier) auf. Unermüdlich werden «Falschparkierer» von Privatparkplätzen wie etwa auf dem Hof des Hotel Senator oder vom Maag-Areal geholt und in die Sammeldepots der Autohilfe, zum Beispiel an die Geroldstrasse verfrachtet.

Wenn N. oder einer der anderen vier Autohilfe-Chauffeure, die 20minuten.ch inzwischen namentlich genannt wurden, das Auto erst mal weggeschleppt haben, geben sie die Fahrzeuge laut dutzenden Einsendungen von Betroffenen erst wieder heraus, wenn die Halter die Gebühr von 400 Franken bar bezahlt haben. „Wenn sie nicht bezahlen, bleibt das Auto hier" schnauzte ein Autohelfer den Ex-Ceo eines Reisekonzerns an. Sascha V. rief an und wollte mich erkundigen ob sein Fiat Punto abgeschleppt worden ist. Er liess ihn nicht mal ausreden: «Für 400 Stutz bringemeren z'rug». Auch Oliver M. aus Zürich musste „400 Franken Cash zahlen, um sein Auto wenige hundert Meter vom ursprünglichen Parkplatz wieder abzuholen und auch Claudia K. aus Zürich spurte nach der „Androhung, dass mir mein Auto nur mit Barbezahlung" wieder ausgehändigt wird. Die Liste könnte beliebig fortgesetzt werden. Ist das Nicht-Herausgeben von Fahrzeugen nicht eindeutig Nötigung (StGB art. 181) oder eventuell gar eine unrechtmässige Aneignung, da verschiedene Autos laut Betroffenen von den Abschleppern „aufgemacht„ wurden?

Über die rechtliche Lage in solchen Fällen weiss der Chef und Eigentümer der Autohilfe Zürich, Guido Zuber, bestens Bescheid. Seit inzwischen 36 Jahren ist er der Abschlepppartner der Stadtpolizei Zürich, (siehe Artikel im Dossier) Als Fachmann wird er immer wieder zu Rate gezogen. Auf Anfrage betonte er, dass die "Autohilfe nie illegal abschleppt". Und auch in einem Artikel der Zeitschrift „Beobachter" klärte der als Fachmann befragte Zuber in einem kritischen Artikel über das Vorgehen bei Abschleppaufträgen auf: «Wir können den Wagen nicht zurückbehalten und dürfen die Herausgabe nicht von der Bezahlung abhängig machen.» Fragt sich nur, warum seine Chauffeure sich nicht daran halten.

Abschlepper-Willkür: Haben Sie auch schon ähnliche Erfahrungen beim Hotel Senator oder an anderen Orten gemacht? Mailen Sie uns Ihr Erlebnis an feedback@20minuten.ch

Manuel Bühlmann, Hansi Voigt

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