Aktualisiert 27.05.2019 15:43

Manipulation bei Rappern«Für 50'000 Euro hacke ich dich in die Charts»

Eine Dokumentation enthüllt: Schnell an die Spitze der Charts zu gelangen, ist nur eine Frage des Geldes – der Streaming-Markt lässt sich angeblich manipulieren.

von
afa
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In der Y-Kollektiv-Reportage «Der Rap Hack: Kauf Dich in die Charts! Wie Klickzahlen manipuliert werden» erklärt ein Hacker, wie sich deutsche Rapper angeblich in die Charts kaufen. Durch manipulierte Klickzahlen soll ein künstlicher Hype entstehen. Hacker Kai (r.) zeigt dem Reporter, wie das Modell hinter der Manipulation funktioniert.

In der Y-Kollektiv-Reportage «Der Rap Hack: Kauf Dich in die Charts! Wie Klickzahlen manipuliert werden» erklärt ein Hacker, wie sich deutsche Rapper angeblich in die Charts kaufen. Durch manipulierte Klickzahlen soll ein künstlicher Hype entstehen. Hacker Kai (r.) zeigt dem Reporter, wie das Modell hinter der Manipulation funktioniert.

Screenshot Youtube
Tausende Accounts hören den Song in Dauerschleife «Du musst dir vorstellen: Ich hab 150'000 oder 250'000 deutsche Accounts auf Spotify. Und die hören dann nonstop den Song», so der Hacker. Kai schmeisst im Video Skripte an, die Dutzende Spotify-Tabs öffnen.

Tausende Accounts hören den Song in Dauerschleife «Du musst dir vorstellen: Ich hab 150'000 oder 250'000 deutsche Accounts auf Spotify. Und die hören dann nonstop den Song», so der Hacker. Kai schmeisst im Video Skripte an, die Dutzende Spotify-Tabs öffnen.

Screenshot Youtube
Dazu nutzt er Profile von echten Usern, in die er sich gehackt hat – und diese lässt er automatisiert immer wieder denselben Song hören. Die hohen Klickzahlen werden demnach von echten, aber gehackten Accounts generiert. Das macht es umso schwieriger, den Betrug aufzudecken.

Dazu nutzt er Profile von echten Usern, in die er sich gehackt hat – und diese lässt er automatisiert immer wieder denselben Song hören. Die hohen Klickzahlen werden demnach von echten, aber gehackten Accounts generiert. Das macht es umso schwieriger, den Betrug aufzudecken.

Screenshot Youtube

Das Video

In der Hip-Hop-Welt brodelt es gewaltig: Auf dem Youtube-Kanal des öffentlich-rechtlichen Y-Kollektivs (gehört zum Online-Netzwerk Funk von ARD und ZDF) wird in einer neuen Reportage enthüllt, wie deutsche Rapper sich angeblich in die Charts hacken lassen. Durch manipulierte Streaming-Zahlen soll ein künstlicher Hype entstehen.

«Es ist megaeinfach, aus dem Nichts in die Charts zu kommen. Ich kann aus dir einen Star machen!», so der Hacker, der in der Reportage Kai genannt wird. Er gewährt Reporter Ilhan Coskun einen Einblick in sein Business. Den Schritt vor die Kamera begründet er mit einer ausbleibenden Bezahlung und damit, dass ihm seine Freundin ausgespannt wurde.

Der Deal

Kai will unerkannt bleiben und zeigt sich im Clip nur maskiert. Seine Kunden gemäss Eigenaussage: Manager von deutschen Rappern. Diese sagen Kai, wie viele Streams sie wünschen – dann kalkuliert Kai den Aufwand und bestimmt den Preis. «Für 50'000 Euro besorge ich dir eine Goldene Schallplatte», so der Hacker im Video.

Kai nennt keine Namen, behauptet aber, er habe für die fünf aktuell erfolgreichsten Deutschrapper gearbeitet. Er vermutet, dass diese wahrscheinlich ahnungslos seien – es laufe alles über die Manager, die den Deal im Verborgenen abschliessen würden.

Der Selbstversuch

Reporter Ilhan Coskun will als Error281 testen, ob es tatsächlich so einfach ist, zum Klickphänomen zu werden. Er erstellt den Song «8K», ein Musikvideo und Profile auf Social Media. Den Rest übernimmt Kai.

Und tatsächlich: Innerhalb weniger Tage konnte der Track auf Spotify bereits über 100'000 Streams verzeichnen. Danach sprach sich Coskuns Selbstversuch wohl herum: Die Streamingdienste entfernten seinen Track. Dies sei Ilhan Coskun aufgefallen, als er den Song selbst löschen wollte, so das Y-Kollektiv auf Youtube.

Die Branche reagiert

In der Reportage werden im Zusammenhang mit den gekauften Klicks besonders Rapper des Labels Groove Attack erwähnt.

Via Instagram veröffentlichte Groove Attack nun ein Statement und wies die Anschuldigungen von sich: «Groove Attack & Groove Attack TraX stellen klar, dass wir zu keinem Zeitpunkt Klicks gekauft oder sonstige Manipulationsbestrebungen unternommen haben, um Artists künstlich zu Ruhm zu verhelfen.»

Weiter meint das Label: «Wir sind traurig, dass verdienten Künstlern aus unserem Hause unterstellt wird, dass ihr Erfolg auf Fälschungen basiere.»

Auch die Schweizer Rapperin Loredana steht seit Februar 2019 beim Kölner Label unter Vertrag. Zuletzt geriet sie in die Schlagzeilen, weil sie verdächtigt wird, ein Walliser Ehepaar um 700'000 Franken betrogen zu haben. In der Folge sagte sie sämtliche Festival-Auftritte ab.

Wie die Chart-Manipulation funktionieren soll, erfährst du in der Bildstrecke.

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