Strafgericht BS: Für 600'000 Fr Marihuana im Spiellokal verkauft?
Aktualisiert

Strafgericht BSFür 600'000 Fr Marihuana im Spiellokal verkauft?

Ein Türke (39) soll als Kopf einer Drogenbande fungiert und Marihuana im grossen Stil verkauft haben. Sein Verteidiger kritisiert die Beweislage und plädiert auf Freispruch.

von
jd
Der 39-Jährige sass auf der Anklagebank. Er soll 46 Kilogramm Marihuana verkauft haben.

Der 39-Jährige sass auf der Anklagebank. Er soll 46 Kilogramm Marihuana verkauft haben.

aj

Handelt es sich beim 39-jährigen Angeklagten um einen grossen Fisch aus dem Drogenmilieu oder um einen harmlosen Kiffer, der zur falschen Zeit am falschen Ort war? Mit dieser Frage befasste sich am Dienstagmorgen eine Dreierkammer des Basler Strafgerichts. Dem türkischen Staatsbürger wird vorgeworfen, als Kopf einer Drogenbande im grossen Stil Marihuana verkauft zu haben. Dabei soll er nicht im aktiven Verkauf tätig gewesen sein, sondern die Fäden im Hintergrund in der Hand gehalten haben. Ort des Geschehens und der Rauschgift-Deals war laut Staatsanwältin das Lokal «Spiel und Spass» in der Erlenstrasse: ein Untergeschoss, dass laut Polizeirapport sehr unordentlich und schmutzig gewesen sein soll.

Die drei Anklagepunkte Verbrechen gegen das Betäubungsgesetz, Geldwäscherei sowie Konsum von Betäubungsmitteln sah die Staatsanwältin als erwiesen an. «Der Beschuldigte liess tagtäglich riesige Mengen an Marihuana verkaufen. Dabei hat er sich die Hände nicht schmutzig gemacht. Andere verrichteten die Drecksarbeit, während er sich lediglich am hohen Erlös bereicherte.» An Beweisen, die für die Schuld des IV-Bezügers sprechen, würde es nicht mangeln. Nebst einer belastenden Zeugenaussage, die den Angeklagten als schwarzes Schaf hinstelle, sei das Spiellokal auch über längere Zeit vom Drogendezernat überwacht worden.

46 Kilogramm verkauft

Die Polizisten beobachteten, wie innert Kürze jede Menge Menschen den Spielladen betraten und nach wenigen Minuten wieder verliessen. Stichproben zeigten, dass die Leute Marihuana auf sich trugen. «Hoch gerechnet verkaufte er 80 Minigrips am Tag, à 50 Franken. Über den angeklagten Zeitraum von fünfeinhalb Monaten ergibt das 46 Kilogramm und einen Umsatz von 660'000 Franken», rechnete die Staatsanwältin vor.

Obwohl auch er hin und wieder einen Joint geraucht habe, hätte er nichts von dem Drogenhandel gewusst, gab der 39-Jährige vor dem Gericht an. «Wenn ich dort war, habe ich meistens Playstation gespielt», sagte er. Den Schlüssel zum Untergeschoss habe er lediglich auf sich getragen, weil er für administrative Vereins-Aufgaben zuständig gewesen sei. Wieso er nichts von den Kunden mitbekommen habe, die nonstop an der Türe geklingelt haben, wollte der Richter wissen. «Ich war geflasht, mich hat dann nichts interessiert», entgegnete er.

«Unsorgfältige Arbeit und keine Beweise»

Die Staatsanwältin will den Mann zweieinhalb Jahre hinter Gittern wissen. Der Anwalt des Beschuldigten hingegen nahm die Arbeit der Staatsanwaltschaft in die Mangel. Es sei unsorgfältig gearbeitet worden und die Beweislage reiche nicht aus, um eine Anklage zu rechtfertigen. Die Ressourcen des Drogendezernates seien beschränkt und genau das sei das Problem.

Drogenkriminalität könne so nicht bekämpft werden, es werde lediglich abgeschöpft, was an die Oberfläche gelange. «In dieser Stadt haben wir Leute, die gross gekotzt rumlaufen und Drogen-Gelder in die freie Wirtschaft fliessen lassen. Das macht mich wütend», so der Verteidiger. Sein Mandat sei hingegen ein hilfloser Kerl, der auf der Anklagebank sitze, weil die grossen Fische bereits abgetaucht seien. Er plädierte auf Freispruch.

Das Urteil folgt am Mittwochmorgen.

Deine Meinung