Analyse der Nagra-Unterlagen: Für Atommüll-Endlager drei Standorte im Fokus
Aktualisiert

Analyse der Nagra-UnterlagenFür Atommüll-Endlager drei Standorte im Fokus

Jura Ost, Nördlich Lägern und Zürich Nordost sollen für ein Atommüll-Lager weiter untersucht werden. Das empfiehlt die Aufsichtsbehörde nach Analyse der Nagra-Unterlagen.

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Wohin damit in Zukunft? Radioaktive Abfälle im Zwischenlager Würenlingen AG.

Wohin damit in Zukunft? Radioaktive Abfälle im Zwischenlager Würenlingen AG.

Keystone
Kühe stehen auf einem Feld in Rudolfingen bei Benken im Zürcher Weinland. Die Region, von der Nagra Zürich-Nordost, genannt, wurde als einer der beiden geeigneten Standorte für ein Atomendlager vorgeschlagen.

Kühe stehen auf einem Feld in Rudolfingen bei Benken im Zürcher Weinland. Die Region, von der Nagra Zürich-Nordost, genannt, wurde als einer der beiden geeigneten Standorte für ein Atomendlager vorgeschlagen.

Keystone/Alessandro Della Bella
Zweiter Favoriten-Standort ist die Region Bözberg, von der Nagra Jura-Ost genannt.

Zweiter Favoriten-Standort ist die Region Bözberg, von der Nagra Jura-Ost genannt.

Keystone/Alessandro Della Bella

Die Dokumentation der Nationalen Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) sei «überwiegend nachvollziehbar und belastbar». Das teilten das Eidgenösssiche Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) und das Bundesamt für Energie (BFE) am Mittwoch an einem Mediengespräch in Brugg AG mit.

Das ENSI kommt jedoch im Gegensatz zur Nagra zum Schluss, dass der Standort Nördlich Lägern im Grenzgebiet der Kantone Zürich und Aargau nicht zurückgestellt werden kann. Die Datengrundlage sei noch nicht ausreichend. Klarheit schaffen sollten weitere Untersuchungen in Etappe 3, hiess es.

ENSI bremst Nagra

Die Nagra wollte Nördlich Lägern ursprünglich zusammen mit den Gebieten Südranden, Jura-Südfuss und Wellenberg (NW) wegen sicherheitstechnischen Nachteilen zurückstellen.

Das ENSI war nicht einverstanden, dass sich die Nagra nur auf jene Gebiete konzentriert, in denen ein Endlager in 700 Metern Tiefe gebaut werden kann. Die Tiefe dürfe vorerst nicht eingeschränkt werden.

Einverstanden ist das ENSI damit, dass die Standortgebiete Jura Ost (Region Bözberg im Aargauer Jura) und Zürich Nordost (Weinland) in Etappe 3 weitergezogen werden.

Die Atomaufsichtsbehörde will ihr detailliertes Gutachten bis zum kommenden Frühling fertigstellen. Danach werden die Kommission für nukleare Sicherheit (KNS) sowie der Ausschuss der Kantone ihre Stellungnahmen abgeben.

Wenn das alles auf dem Tisch liegt, nimmt das Bundesamt für Energie (BFE) eine Gesamtbeurteilung der Vorschläge vor. Das nächste Kapitel auf dem langen Weg zu einem Tiefenlager wird Ende 2017 aufgeschlagen: Sämtliche Berichte, Gutachten und Stellungnahmen gehen in eine dreimonatige öffentliche Vernehmlassung.

Bundesrat entscheidet bis Ende 2018

Der Bundesrat wird gemäss BFE «unter Kenntnis aller relevanten Fakten» voraussichtlich bis Ende 2018 über den Abschluss von Etappe 2 der Standortsuche entscheiden. Damit wird der Bundesrat festlegen, welche Standortgebiete in Etappe 3 tatsächlich vertieft untersucht werden sollen.

Entscheidet der Bundesrat, das Standortgebiet Nördlich Lägern wie vom ENSI vorgeschlagen nicht zurückzustellen, so müssen weitere Untersuchungen durchgeführt werden. Um zeitliche Verzögerungen zu verhindern, hat die Nagra bereits mit den 3D-seismischen Messungen des Untergrunds in diesem Gebiet begonnen.

«Bittere Pille»

Die Regionalkonferenz Nördlich Lägern reagiert mit Verständnis auf den ENSI-Entscheid, das Grenzgebiet zwischen Aargau und Zürich nun doch nicht aus dem Rennen zu nehmen. Man müsse den Standort mit der höchstmöglichen Sicherheit auswählen.

Hanspeter Lienhard, Präsident der Regionalkonferenz, bezeichnete den am Mittwoch publizierten Entscheid aber dennoch als «bittere Pille, die man wohl schlucken müsse».

Man vertraue darauf, dass die Aufsichtsbehörde hier nach dem höchsten Grundsatz der Sicherheit entschieden habe. Dies sei die Voraussetzung, um weiterhin Vertrauen in den Prozess zu haben. (sda)

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