Eishockey-WM: Für Bern ein Top-Anlass, für Zürich einer unter anderen
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Eishockey-WMFür Bern ein Top-Anlass, für Zürich einer unter anderen

In gut 80 Tagen beginnt in Bern und Kloten die Eishockey-Weltmeisterschaft in der Schweiz. Die Stadt Bern räumt dem Anlass erste Priorität ein und organisiert ein Rahmenprogramm. In Kloten und Zürich kocht man auf kleinerem Feuer.

Stadt und Kanton Bern haben wie für die Euro 2008 vom letzten Jahr wieder ein Team zusammengestellt, das für das Rahmenprogramm, Sicherheitsfragen, Verkehr und Gästebetreuung zuständig ist. 1,16 Mio. Franken wollen die beiden Partner dafür aufwerfen und reaktivieren für die Hockey-WM den EURO-Slogan «Bern wirkt Wunder».

Das Team besteht aus denselben Leuten, welche im letzten Juni in Bern die Holländer-Party managten und sich dabei Lorbeeren holten. Erneut hat sich ein Verein gebildet, dem nebst Stadt und Kanton 13 Firmen angehören. Er stellt über die 1,16 Mio. hinaus 0,45 Mio. Franken für das Rahmenprogramm und weitere Aktivitäten bereit.

Demgegenüber heisst es aus der Stadt Kloten, der Anlass werde sie abgesehen von höchstens 50 000 Franken für gewisse Repräsentationspflichten nichts kosten. Die Stadt Kloten überlässt es auch dem OK der Eishockey-WM, für ein Rahmenprogramm zu sorgen, wie der Klotener Verwaltungsdirektor Thomas Peter auf Anfrage sagt.

Mit EuroPride vergleichbar

Bei Zürich Tourismus wird beteuert, der Anlass sei bedeutend und der wichtigste Sportanlass des Jahres. Von der touristischen Bedeutung her vergleicht ihn Direktor Frank Bumann aber mit der EuroPride, einem europäischen Festival der Lesben und Schwulen, das im Mai ebenfals Zehntausende nach Zürich ziehen werde.

Bumann spricht vom Nebenaustragungsort Zürich-Kloten. In der Tat gilt Bern, wo 32 der 56 Spiele ausgetragen werden, darunter alle Finalspiele, als Hauptaustragungsort.

Für die Euro 2008 habe die Stadt Zürich mit Zürich Tourismus eine Leistungsvereinbarung abgeschlossen. Das gebe es nun nicht, was die Möglichkeiten einschränke. Zürich Tourismus wird aber während der Hockey-WM dank eines Vertrags mit dem OK die Medienarbeit leisten, also ausländische Journalisten betreuen.

OK spürt Finanzkrise

Die Eishockey-WM beginnt am 24. April und endet am 10. Mai 2009. Das OK will den Anlass zu einem «einzigartigen Eishockey-Fest» machen und plant deshalb eben auch ein Rahmenprogramm.

In Bern ist dieses dank des Engagements der öffentlichen Hand gesichert. Ob es wie bei der Euro 2008 Fanzonen und Public Viewings geben wird, will die Stadt laut Projektleiter Marcel Brülhart im Februar bekanntgeben.

Wie gross das Rahmenprogramm in Zürich-Kloten ausfallen wird, hängt vom Interesse an den Spielen ab. Im 31-Mio.-Budget des Organisationskomitees (OK) macht der Ticketverkauf 90 Prozent der veranschlagten Einnahmen aus.

Der Billettverkauf bewegt sich zwar mit 170 000 abgesetzten Tickets genau im Budget, wie OK-Mediensprecher Heinz Mazenauer sagt. Doch harzt es bei den so genannten Hospitality-Paketen. Das sind Angebote für Sponsoren und Firmen mit besonderen Leistungen für viel Geld. Das OK spüre die Finanzkrise, so Mazenauer.

Das OK hofft nun, dass der Einzelticketverkauf, der am 1. Februar beginnt, gut läuft. Das billigste Billett kostet 19 Franken (Spiel Relegationsrunde, 3. Kategorie), das teuerste 329 Franken (Final, 1. Kategorie).

Keine Randale zu erwarten

Wie bei der Euro 2008 gilt das Eintrittsbillett auch als Fahrschein für den öffentlichen Verkehr. Weder die Stadt Kloten noch die Stadt Bern rechnen deshalb mit Verkehrsproblemen. Das Verkehrsaufkommen werde eher weniger gross sein als bei einem Heimspiel der lokalen Eishockeyclubs, heisst es beidenorts.

«In der 70-jährigen Geschichte der Eishockey-Weltmeisterschaften kam es nie zu Ausschreitungen», sagt OK-Generalsekretär Gian Gilli. Die Fans begegneten sich mit Respekt und feierten miteinander. Das OK werde zusammen mit der Polizei aber für alle Szenarien gerüstet sein, so der OK-Präsident weiter.

Für die Sicherheit ausserhalb der Stadien hat das OK mit Stadt und Kanton Bern respektive dem Kanton Zürich Verträge abgeschlossen. (sda)

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