Radsport: Für Cancellara tickt der Sekundenzeiger
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RadsportFür Cancellara tickt der Sekundenzeiger

Zum Abschluss einer Saison ohne grosse Erfolge will Fabian Cancellara zeigen, dass er noch immer der Meister gegen die Uhr ist. Der Berner will in Kopenhagen zum fünften Mal Zeitfahren-Weltmeister werden.

«Das war mein letzter grosser Titelkampf im Zeitfahren. In Zukunft werde ich mich anderen Sachen zuwenden,» hatte Cancellara vor ziemlich genau einem Jahr in Geelong (Au) gesagt, als er sich zum vierten Mal in die Siegerliste des WM-Zeitfahrens der Elite eingetragen hatte. Doch beim Berner ist es bald zu einem Sinneswandel gekommen. Nicht nur, weil er im Frühjahr bei den klassischen Eintagesrennen ausgezeichnete Resultate erzielte, aber nie auf die oberste Stufe des Podestes steigen konnte. Aber vielleicht, weil der Berner Druck von nachdrängenden Gegnern verspürt. Sowohl in der Tour de France und in der Vuelta wurde Cancellara in den langen Prüfungen gegen die Uhr geschlagen. Bei beiden Gelegenheiten hiess der Sieger Tony Martin (De).

«Die Umstände waren zu unterschiedlich. Ich freue mich auf den Einsatz vom Mittwoch. Es ist mir gelungen, mich in der Vuelta in Form zu fahren. Zuletzt erfolgte zuhause der Feinschliff. Ich habe ein gutes Gefühl. Vor allem zeigen mir die Auswertungen, dass meine Vorbereitungen richtig waren. Es scheint mir, dass ich auf diese WM hin nochmehr gemacht habe als in früheren Jahren», sagte Cancellara, der im Vorfeld dieses Titelkampfes richtiggehend aufblüht. Gegenüber den italienischsprachigen Medienleuten benutzte Cancellara den Ausdruck «settimana sante». Auf gut Deutsch: Für den Berner handelt es sich um die wichtigste Woche des ganzen Jahres.

Glück wird eine Rolle spielen - vielleicht

Die Strecke von 46,4 km Länge in Kopenhagen ist flach, windanfällig, weist wenige Kurven auf und wird ein hohes Stundenmittel zulassen. «Der Parcours ist nicht zu 100 Prozent auf mich zugeschnitten. Vielleicht wird auch das Glück eine Rolle spielen. Sollte es am Mittwoch regnen, sind Defekte nicht ausgeschlossen», erklärte Cancellara nach den ersten Trainingsfahrten auf dem WM-Circuit. Der Olympiasieger verwies im weiteren auf Bert Grabsch, den deutschen Meister der grossen Übersetzungen: «Er hat Tony Martin bei den deutschen Meisterschaften um anderthalb Minuten geschlagen.»

Der Gegner sind noch mehr. Bradley Wiggins beispielsweise, David Millar, Richie Porte, Jack Bobridge oder Svein Tuft. Aber Fabian Cancellara mag sich nicht mit all den Namen der Gegner befassen. Er konzentriert sich auf seine Aufgabe, er ist von seiner Sache überzeugt, und er hat sich in den vergangenen Tagen bewusst abgeschottet. Auch bezüglich der Zusammenlegung seines Teams Leopard-Trek mit RadioShack wollte sich der Berner nicht auf die Äste hinauslassen: «Ich will mich auf diese WM konzentrieren. Schliesslich gibt mir mein Sport mehr, als ich mir je erträumte.»

Der zweite Schweizer Teilnehmer dieses Titelkampfes ist Martin Kohler. Der St. Galler Oberländer hat im Gegensatz zu Cancellara die Vuelta zu Ende gefahren und benötigtedie ersten Tage danach umso mehr, um sich von den Strapazen zu erholen. Im Zeitfahren der Spanien-Rundfahrt hatte Kohler den 31. Platz erreicht. «Da hatte ich einen guten Tag.» Der Viert-Jahres-Profi hofft in Kopenhagen auf ein gutes Ergebnis. Zudem will Kohler generell Erfahrungen sammeln. Ein Stimulus stellt für ihn dar, dass er auch für die Strassen-WM nominiert wurde. Damit hatte der Schweizer Zeitfahren-Meister nicht unbedingt gerechnet.

Kopenhagen, Zeitfahren-WM, Statistik

2010 Geelong (Au/45,6 km): 1. Fabian Cancellara (Sz) 58:09,1. 2. David Millar (Gb) 1:02,7. 3. Tony Martin (De) 1:12,4.

2009 Mendrisio (49,8 km): 1. Fabian Cancellara (Sz) 57:55,7. 2. Gustav Erik Larsson (Sd) 1:27,1. 3. Tony Martin (De) 2:30,1. - Ferner: 40. Rubens Bertogliati (Sz) 6:12,3.

2008 Varese (It/43,7 km): 1. Bert Grabsch (De) 52:01,6. 2. Svein Tuft (Ka) 0:42,7. 3. David Zabriskie (USA) 0:52,2. - Ferner: 30. Rubens Bertogliati (Sz) 3:20,9. 41. Thomas Frei (Sz) 4:24,4.

2007 Stuttgart (44,9 km): 1. Fabian Cancellara (Sz) 55:41,3. 2. Laszlo Bodrogi (Un) 0:52,0. 3. Stef Clement (Ho) 0:57,7. - Ferner: 45. Michael Schär (Sz) 5:05,8. 47. Simon Zahner (Sz) 5:09,4.

2006 Salzburg (50,8 km): 1. Fabian Cancellara (Sz) 1:00:11,7. 2. David Zabriskie (USA) 1:29,9. 3. Alexander Winokourow (Kas) 1:49,7. - Ferner: 45. Michael Schär (Sz) 6:44,7.

2005 Madrid (44,1 km): 1. Michael Rogers (Au) 53:34,3. 2. José Ivan Gutierrez (Sp) 0:23,7. 3. Fabian Cancellara (Sz) 0:23,8. (si)

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