«Hasch-Jesus»-Prozess: Für den Himmel erzogen
Aktualisiert

«Hasch-Jesus»-ProzessFür den Himmel erzogen

Sie zog den Kindern die Ohren blau und liess sie 24 Stunden lang stehen, um ihnen den Schlaf zu entziehen. Auch Barbara N. handelte im Auftrag des Herrn und sagte vor Gericht: «Es war zwar unangenehm, aber befreiend.»

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att/meg

Es sind Geständnisse des Grauens. Kinderquälen im Auftrag des Herrn. Systematisch, immer wieder. Bis zum Tod der vierjährigen Gabriela. Das war im Mai 2006.

Gestern zeigte der religiöse Fanatiker Mark W. keinerlei Reue für das Züchtigungsprogramm mit seinen beiden Kindern. Heute stand die 62-jährige Sozialpädagogin Barbara N. vor dem Zürcher Geschworenengericht. Sie lebte mit dem «Hasch-Jesus» und dessen Freundin Lea K. in der sektenähnlichen Gemeinschaft in Wila ZH. Seine beiden Töchter brachte Mark W. aus zwei früheren Beziehungen mit.

Auch Barbara N. zeigte vor Gericht keine Reue – und schockierte mit ihren Aussagen. Sie gab freimütig zu, ebenfalls Züchtigungen vorgenommen zu haben. In einem Fall zog sie der älteren Tochter Salome so stark am Ohr, dass dieses blau anlief. Eine andere Bestrafung lautete Schlafentzug. Die Kinder mussten in solchen Fällen 24 Stunden stehen, weil sie nicht gehorchten oder in die Hosen machten. Barbara N. sagte über die Züchtigungen eiskalt: «Es war zwar unangenehm, aber befreiend.»

«Ich bin ein Werkzeug von Gott»

Kein Wort der Reue, keine Einsicht. Sie handelte wie ferngesteuert von ihrem Glauben und erhielt die Berechtigung zum Quälen vom Herrn. Daraus machte sie keinen Hehl. «Ich bin ein Werkzeug von Gott und deshalb unschuldig.» So argumentierte schon Mark W.

Ihm war sie hörig. Oder wie Barbara N. es formuliert: «Er war der Sohn Gottes für mich.» Bei ihm habe sie nie ein Haar in der Suppe gefunden. Nur einmal sorgte sie sich offenbar um Gabriela. Das war kurz vor deren Tod. Das Gewicht des auf 12 Kilogramm abgemagerten Mädchens fand sie grenzwertig. Sie habe gehofft, dass Gabriela wieder zunehmen würde. Aber der Nahrungsentzug sei wichtig gewesen – er sollte den Willen des Kindes brechen.

Vielleicht, sagte Barbara N., würde sie heute andere Methoden anwenden. Aber an den Züchtigungen hält sie fest. Weder der Tod von Gabriela noch die Abkehr der älteren Salome - sie ist heute 12 Jahre alt - hat bei ihr ein Umdenken ausgelöst. Sie sagte: Gabriela sei mehr für den Himmel erzogen worden als für das weltliche Dasein.

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