Aktualisiert 05.04.2020 14:01

Lesersorgen

«Für den nächsten Monat habe ich kein Geld mehr»

Kein Einkommen, fällige Rechnungen, Arbeitslosigkeit: Das macht den Lesern in der Lockdown-Zeit besonders Sorgen.

von
Raphael Knecht
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Der Optimismus ist verflogen: 88 Prozent der von Comparis befragten Schweizer machen sich Sorgen um ihre finanzielle Situation.

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Keystone/Gaetan Bally
Jetzt ist sparen angesagt: Schweizer wollen auf Spontankäufe verzichten und mehr Rabatte nutzen.

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Keystone/Salvatore di Nolfi
Der meistgenannte Grund für die düstere Einschätzung ist Kurzarbeit.

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Barbara Gindl

Der Grossteil der Schweizer macht sich derzeit Sorgen um die finanzielle Situation. Auch bei vielen Lesern wird in der Coronavirus-Zeit das Geld knapp – sie erzählen, warum sie jetzt besorgt in die Zukunft blicken:

Catia (25), Detailhandel/Schuhe: «Meine grösste Sorge ist momentan das Geld. Ich bin frisch ausgezogen und muss jetzt alles selbst bezahlen. Hotel Mama ist vorbei. Meine Ersparnisse habe ich für die Kaution und Anschaffungen für meine neue Wohnung gebraucht. Jetzt bin ich zu Hause und darf nicht arbeiten. Wie soll ich die Miete zahlen können? Mir fehlen immer noch Sachen für die Wohnung, die ich mir nicht leisten kann. Klar bin ich froh, dass ich gesund bin – aber ohne Geld läuft nichts mehr. Und ich habe Angst, dass ich wegen der angespannten Lage meinen Job verliere.»

Corina (28), Putzfrau: «Mein Mann hat im Herbst seine Stelle verloren und wir sind auf mein Einkommen angewiesen. Da ich selbstständig bin, sagen mir jetzt alle Kunden ab und mir fehlt das Geld. Leider kann ich auch keine Unterstützung beantragen, da ich ja eigentlich weiterarbeiten könnte – nur die Kunden wollen das nicht.»

Maria (53), Kosmetikerin: «Ich habe schlaflose Nächte und bin am Verzweifeln: Wegen der Verordnung des Bundes musste ich die Arbeit einstellen. Jetzt habe ich keine Einnahmen mehr, aber Ende Monat muss ich trotzdem Rechnungen bezahlen. Ich musste mein Erspartes für Miete, Krankenkasse und dergleichen ausgeben. Leben muss ich ja auch noch – für den nächsten Monat habe ich kein Geld mehr.»

Sujeevan (34), Jugendarbeiter: «Ich mache mir Sorgen, denn ich habe eine Familie zu ernähren. Aber die Situation sieht sehr schlecht aus. Man hat noch keine Lösung für die Kita gefunden und ich muss weiterzahlen. Dabei hat sie geschlossen. Das finde ich daneben. 600 Franken pro Monat ist für eine vierköpfige Familie auf lange Dauer nicht tragbar. Da muss eine Lösung her!»

Maria (45), Sachbearbeiterin: «Ich sorge mich um die Zukunft der jungen Bevölkerung. Es werden viele Betriebe verschwinden und unsere jetzigen und künftigen Lehrlinge stehen vor einer unsicheren Zukunft. Arbeitslosigkeit kann im Moment jedes Alter treffen – und Stellensuchende werden es jetzt künftig erst recht nicht einfach haben.»

Rosemarie (37), Medizinische Masseurin: «Ich bin Chefin von zwei Mitarbeitern und für eine gewisse Zeit können wir es schaffen. Aber nach drei bis vier Monaten Krise müssten auch wir aufgeben. Eine Mitarbeiterin ist im siebten Monat schwanger. Der andere 48 Jahre alt. Und was, wenn wir den Betrieb zu früh wieder öffnen? Ein Corona-Fall in der Firma würde uns definitiv das Genick brechen. Das ist meine grösste Sorge.»

Regula (60), Sozialhilfebezügerin: «Wie viele andere Sozialhilfebezüger auch kann ich nicht mehr bei Anbietern wie Caritas und GVC meine Lebensmittel günstiger beziehen. Aber essen sollte ich ja doch. Ich mache mir Sorgen, wie ich überleben soll. Und weil ich zu einer Risikogruppe gehöre, kann ich auch nicht irgendwo arbeiten gehen.»

M. (62), Labor Lebensmittelproduktion: «Ich sorge mich um mein Geld auf der Bank und bei der Pensionskasse. In drei Jahren werde ich pensioniert und muss meinen Mann und mich mit dem Ersparten versorgen, um Lücken zu füllen.»

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