23.03.2019 17:48

Twitter-Userin

«Für dicke Frauen gibt es nur hässliche Mode»

Die Userin @DankeNeinDanke wendet sich mit einem Tweet an die Modeindustrie. Diese würde sich keine Mühe geben, schöne Kleider für dicke Frauen zu produzieren.

von
qll
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Die Userin @DankeNeinDanke wendete sich mit diesem Tweet an die Modeindustrie.

Die Userin @DankeNeinDanke wendete sich mit diesem Tweet an die Modeindustrie.

Screenshot / Twitter
Sie ist der Meinung, dass für dicke Frauen nur hässliche Mode produziert wird. Und liefert auch gleich Beispiele, wie etwa diesen Rock.

Sie ist der Meinung, dass für dicke Frauen nur hässliche Mode produziert wird. Und liefert auch gleich Beispiele, wie etwa diesen Rock.

Screenshot / Twitter
Oder dieses Jeans-Kleid.

Oder dieses Jeans-Kleid.

Screenshot / Twitter

«Liebe Modeindustrie, wir müssen reden. Ist das euer Ernst? Immer noch? Ich bin 33 Jahre alt. Ich bin – Gott steh uns bei – übergewichtig und trage Grösse 46/48. Und ich bin seit Wochen auf der Suche nach einem Rock. Ich suche auf Asos, About you, Zalando, H&M und wie sie heissen» – so beginnt der Tweetverlauf der Userin DankeNeinDanke.

Daraufhin präsentiert sie einige Teile, auf die sie während ihrer erfolglosen Suche gestossen ist. Beispielsweise dieses Teil hier:

Oder dieses hier:

Sie müsse ewig suchen oder viel Glück haben, um ein cooles Teil zu finden. Wenn sie sich das Angebot an Kleidern für ihre Grösse anschaue, dann «sind wir noch genau da, wo wir vor zehn Jahren waren. Dann sind die Designer noch genau so faul, unfähig, verklemmt und dämlich.» Mit einem Foto zeigt die Twitter-Userin, wie sich sie am liebsten kleidet und fragt sich, ob es wirklich so schwer ist, so etwas zu entwerfen.

Das Problem habe sie seit 20 Jahren: «Als ich noch jung war, entschied meine Mutter, in welchem Sack ich mich ihrer Meinung nach verstecken sollte», erklärt sie. «Jetzt will ich das nicht mehr. Ausgeliefert bin ich aber immer noch – nämlich dem schlechten Geschmack anderer Leute, die mich nicht so wichtig finden für ihr Business.» Selbst in Zeiten des Internets sei die Auswahl für Frauen wie sie begrenzt. Ihren Tweet beendet sie mit: «Ich finds zum Kotzen. Steckt euch eure hässlichen Designs sonstwohin. P.S.: Nein ich nehme nicht ab, ihr könnt mich mal.»

«Designer-Marken führen keine Übergrössen»

Jochen Strähle, Professor für International Fashion Management an der Universität Reutlingen, versteht die Frustration der Twitter-Userin. «Diese Teile sind wirklich unspannend. Sie haben wenig mit Schönheit zu tun.» Bei Übergrössen sei es jedoch meist so, dass Extravaganz und Selbstbewusstsein nicht im Vordergrund stehen: «Da unsere westliche Welt Menschen mit etwas mehr Kilos auf den Hüften als nicht schön empfinden, versuchen diese wiederum ihre Kilos zu kaschieren.» Kaschier-Teile geben es etwa bei Ulla Popken. Dass die Gesellschaft übergewichtige Menschen nicht akzeptiere, sei kulturell geprägt: «Früher war das ja anders. Die Vorstellung der Modelmasse hat sich erst in der industrialisierten Gesellschaft so entwickelt. Die Menschen und die Märkte – wie etwa derjenige der Mode – haben sich kaum von dieser Vorstellung gelöst.» Das zeige sich beispielsweise auch daran, dass es kaum erfolgreiche übergewichtige Influencer gebe.

Inzwischen gebe es aber immer mehr Menschen wie die Userin DankeNeinDanke, die diese Entwicklung hinter sich hätten und selbstbewusst durch die Welt gehen: «Solche Leute fragen sich, warum sie sich verstecken sollen. Die tun sich dann schwer, entsprechende Mode zu finden, die den gleichen Anstrich hat wie Fast-Fashion-Teile.» Dass es für mollige Menschen kaum schöne Mode gibt, fange ganz oben in der Modewelt an: «Designer-Marken führen beispielsweise keine Übergrossen.» Eine Vorreiterrolle würden Shops wie Navabi einnehmen: «Sie versuchen, diese Lücke in Europa zu schliessen. Die Mode da ist qualitativ gut und kommt von verschiedenen Labels.»

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