Aktualisiert 12.02.2020 10:27

Schatten oder Sonne?

«Für die Bräune riskieren wir einen Sonnenbrand»

Aus Angst vor Hautalterung und Hautkrebs setzen Schweizer laut einem Hautarzt zunehmend auf noble Blässe. Darf man sich noch an die pralle Sonne legen?

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dk
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Kann man sich heute noch der Sonne aussetzen, oder sind Sonnenschirme nach asiatischem Vorbild und Schutzfaktor 50+ Pflicht? Am See gibt es Vertreter beider Lager. Helen (27) und Naut (28) meiden die Sonne.

Kann man sich heute noch der Sonne aussetzen, oder sind Sonnenschirme nach asiatischem Vorbild und Schutzfaktor 50+ Pflicht? Am See gibt es Vertreter beider Lager. Helen (27) und Naut (28) meiden die Sonne.

Bukvic Stevan
«Wir sitzen im Schatten, da wir es nicht riskieren wollen, später Hautkrebs zu bekommen», sagt Helen.

«Wir sitzen im Schatten, da wir es nicht riskieren wollen, später Hautkrebs zu bekommen», sagt Helen.

Bukvic Stevan
Auch Carina (27) und Lea (25) machen es sich am Zürichsee im Schatten bequem – auch als Vorsichtsmassnahme. «Damit will ich die Gefahr von Hautkrebs minimieren», sagt Carina.

Auch Carina (27) und Lea (25) machen es sich am Zürichsee im Schatten bequem – auch als Vorsichtsmassnahme. «Damit will ich die Gefahr von Hautkrebs minimieren», sagt Carina.

Bukvic Stevan

«Früher schmierten sich die Leute etwa auch Nussöl auf die Haut, um schneller braun zu werden», sagt Dermatologe Felix Bertram von Skinmed. Habe heute jemand einen deutlich sichtbaren Sonnenbrand, heisse es dagegen: «Hast du es immer noch nicht begriffen?» In den letzten 15 Jahren habe das Bewusstsein für Hautgesundheit deutlich zugenommen.

Zwar gelte gebräunte Haut nach wie vor als schön, vielen Leuten sei dies aber zunehmend egal. Einzig einige junge Frauen und Männer, die sich stark nach Instagram-Schönheitsidealen ausrichteten, würden dem braunen Teint zuliebe auf Gesundheitsmassnahmen verzichten. Bertram: «Durch die Sonne oder im Solarium gebräunte Haut bedeutet immer auch eine Schädigung.»

In der Schweiz erkranken jährlich rund 2700 Menschen an schwarzem Hautkrebs, rund 330 sterben daran. Deshalb müssten gerade Dermatologen weiterhin auf die Konsequenzen des Sonnenbadens hinweisen und Aufklärungsarbeit betreiben, sagt Bertram: «Denn trotz verstärktem Bewusstsein für die Gefahren der Sonne nehmen die Hautkrebszahlen zur Zeit nicht ab.»

Gefahr von Hautalterung

Kann man sich heute noch der Sonne aussetzen, oder sind Sonnenschirme nach asiatischem Vorbild und Schutzfaktor 50+ Pflicht? Am See gibt es Vertreter beider Lager. Helen (27) und Naut (28) meiden die Sonne. «Wir sitzen im Schatten, da wir es nicht riskieren wollen, später Hautkrebs zu bekommen», sagt Helen. Die beiden haben gesehen, was er anrichten kann: «Mein Vater hatte Hautkrebs – das hat mich ziemlich beeinflusst», sagt Naut. Vorher habe er sich dazu nicht wirklich Gedanken gemacht.

Auch Carina (27) und Lea (25) machen es sich am Zürichsee im Schatten bequem – auch als Vorsichtsmassnahme. «Damit will ich die Gefahr von Hautkrebs und die Hautalterung minimieren», sagt Carina. Obwohl sie gerne ein wenig gebräunter wäre – mit ihren 27 Jahren wisse sie, dass sie niemals so braun werden könne, wie gewisse Influencer das auf Instagram vorgaukelten. «Und das ist total in Ordnung so.» Lea, die soeben aus den Ferien zurückkam, ist hingegen ziemlich gern an der Sonne. «Da ich aber jetzt schon ziemlich braun bin, habe ich nicht das Bedürfnis, mich gleich direkt in die Sonne zu legen.»

«Wichtiger, braun zu werden»

Für Nicola (24), Claudius (23) und Christoph (23) ist braune Haut durchaus ein Schönheitsideal. «Ich finde Frauen, die ein bisschen braun sind, einfach schöner und attraktiver», sagt Christoph. Und auch Nicola findet, dass ein bisschen Bräune nicht schaden kann. Die gesundheitlichen Konsequenzen des Sonnenbadens stehen hingegen nicht im Vordergrund. Claudius: «Man weiss schon, dass die Sonne gefährlich ist. Aber es ist halt einfach noch nicht so wichtig.» Und Nicola findet: «Momentan ist es halt einfach wichtiger, dass wir braun werden.»

Annina (24) und Shereena (25) halten es verschieden: Während Annina den Schatten bevorzugt, liegt Shereena gern in der Sonne. «Um braun zu werden, riskiere ich auch mal einen Sonnenbrand», sagt Shereena. Nur die Tattoos creme sie ein, damit die Farben nicht verblassen würden. Gebräunt zu sein, sei definitiv ein Schönheitsideal, sagt Shereena: «Die Sommersprossen kommen, man muss sich weniger schminken, weil man ein schöneres Hautbild hat, und man fühlt sich einfach besser.»

«Empfehle, in den Schatten zu liegen»

Auch Annina erfreut sich an ihrer Bräune: «Ich werde eigentlich ziemlich schnell braun, auch wenn ich im Schatten liege.» Im Gym habe sie aber viele Kollegen, die oft ins Solarium gingen, um auch im Winter gebräunt zu bleiben. Ein Unsinn, findet Annina: «Form ist wichtiger als Farbe.»

Dass die sozialen Medien einen Einfluss auf das Schönheitsideal vieler Frauen haben, bestreitet die Fashion-Bloggerin Michèle Krüsi nicht. «Aber gerade bei der Hautfarbe wird schon lange nicht mehr braungebrannte Haut zelebriert, sondern Diversität gefeiert – was super ist.» Sie selbst werde im Sommer relativ schnell braun – obwohl sie keine Sonnenanbeterin sei, da sie die Hitze nicht vertrage. «Zum Schutz der Haut würde ich aber sowieso jedem empfehlen, sich in den Schatten zu legen», sagt Krüsi.

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