Mad Heidi : «Einige sehen in Diktator Meili vielleicht Alain Berset»

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«Mad Heidi»-Regisseur«Im Idealfall hasst die Hälfte den Film leidenschaftlich»

Eltern laufen Sturm gegen den neuen Kinofilm «Mad Heidi». Dieser sei zu brutal für 16-Jährige. Co-Regisseur Johannes Hartmann wehrt sich – der Film habe eine politische Komponente.

von
Daniel Graf
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Im neuen Film «Mad Heidi» übernimmt Diktator Meili die Schweiz. 

Im neuen Film «Mad Heidi» übernimmt Diktator Meili die Schweiz. 

© Swissploitation Films / madheidi.com
Er verfolgt Laktoseintolerante, weil er an ihnen mit seinem Käse nichts verdient. 

Er verfolgt Laktoseintolerante, weil er an ihnen mit seinem Käse nichts verdient. 

© Swissploitation Films / madheidi.com
«Mad Heidi» hat da aber etwas dagegen. 

«Mad Heidi» hat da aber etwas dagegen. 

© Swissploitation Films / madheidi.com

Darum gehts

  • Der neue Film «Mad Heidi» erzürnt Eltern. 

  • Dass bereits 16-Jährige den «Swissploitation»-Film im Kino schauen dürfen, leuchtet ihnen nicht ein. 

  • Co-Regisseur Johannes Hartmann weist diese Kritik zurück: Jugendlich seien in dem Alter mit anderen, realen Gewaltszenen konfrontiert.  

  • Im Interview spricht Hartmann über das neu geschaffene Genre, die politische Komponente des Films – und er verrät, unter welchen Umständen Mad Heidi 2 gedreht wird. 

«Ich habe grosse Mühe damit, dass es ein Film mit so einem Inhalt schafft, eine Altersfreigabe ab dem 16. Altersjahr zu erreichen», sagt Gabriela Kohler vom Elternverein Zürich. Auch eine besorgte Mutter hat sich bei 20 Minuten gemeldet. Stein des Anstosses: Der «Swissploitation»-Film «Mad Heidi» der vor einer Woche in den Schweizer Kinos angelaufen ist. Was steckt hinter dem Genre und geht es wirklich nur um eine sinnlose Gewaltorgie? Co-Regisseur Johannes Hartmann verneint.

Ist Ihr Film zu brutal für 16-Jährige?

Das denke ich nicht. Jugendliche bekommen den Ukraine-Krieg sozusagen ungefiltert auf ihr Handy, ein paar Klicks entfernt gibt es diverse Internetseiten, die reale Gewaltdarstellungen zeigen und im Horror-Genre wird viel bewusster mit Urängsten von Menschen gespielt. Ich bin überzeugt, dass die völlig übertriebene Darstellung von Gewalt und Blut, wie wir sie bei «Mad Heidi» zeigen, 16-Jährige nicht verstört. «Mad Heidi ist in erster Linie eine Komödie.»

Braucht es diese Gewaltdarstellung denn?

Sie gehört zum Genre. Swissploitation ist abgeleitet von den Exploitation-Filmen (zu Deutsch «Ausbeutung»), in denen es darum geht, absurde, reisserische und spektakuläre Themen eben für Marketingzwecke auszubeuten und übertrieben blutig und actiongeladen darzustellen.

Und was hat Heidi da zu suchen?

Nun, das ist dann eben Swissploitation. Ich fand es schade, dass in der Schweiz niemand Genre-Filme produziert und habe mir schon vor zehn Jahren überlegt, wie wir das ändern können. Dann hatte ich den Geistesblitz, das Klischee der friedlichen, heilen Schweizer Bergwelt mit Horror, Action und Comedy zu versetzen. Und welche Figur hätte sich da besser angeboten als Heidi? Ich möchte aber auch sagen: Der Film ist keine sinnlose Gewaltorgie. Wer sucht, findet unter der Oberfläche durchaus auch eine politische und gesellschaftskritische Ebene.

Tatsächlich?

Im Film wird die Schweiz von einem Diktator regiert, der Laktoseintolerante verfolgt, weil er mit seinem Käse-Imperium kein Geld an ihnen verdient. Ich finde den Gedanken, was passieren würde, wenn unser demokratisches System einmal über den Haufen geworfen werden sollte, durchaus politisch. Es ist noch nicht lange her, dass bestimmte Bewegungen Gesundheitsminister Alain Berset allen Ernstes als Diktator bezeichnet haben. Die Thematik ist aber keinesfalls auf die Schweiz beschränkt. Überall auf der Welt kann das Publikum etwas mit diesem Setting anfangen. Für die einen steht Meili vielleicht für Wladimir Putin, während er für die anderen Gesundheitsminister Berset während der Covid-Pandemie verkörpert.

Ist der Film von diesen Entwicklungen inspiriert?

Nein. Wir hatten die Idee vor zehn Jahren und haben einen Trailer gemacht, ohne ein Drehbuch zu haben, um das Crowdfunding anzukurbeln. Das hat funktioniert, deshalb brauchten wir dann auch noch eine Story. Ich habe also schon vor zehn Jahren mit der Story-Entwicklung begonnen, und die intensive Drehbuch-Entwicklung hat 2018 begonnen. Reale Ereignisse der letzten Jahre hatten also keinen Einfluss auf unsere Geschichte.

Trotzdem: Es gibt entsetzte Eltern.

Damit muss man leben, wenn man einen Genre-Film macht. Im absoluten Idealfall liebt die eine Hälfte den Film, während die andere ihn leidenschaftlich hasst. Da wir durchaus auch sehr positive Rückmeldungen erhalten haben, auch von Kulturjournalisten, haben wir wohl einiges richtig gemacht. Übrigens war auch SRF beteiligt und er wird dort auch gezeigt werden, aber sicher nach 23 Uhr.

Kinos haben unter Corona stark gelitten. Machen Sie mit dem Film überhaupt Geld? 

Das wird sich zeigen, auch, weil wir einen Grossteil des Umsatzes an unsere Crowd-Investoren abgeben müssen. Wenn am Film, der ein Gesamtbudget von 3,3 Millionen Franken hatte, alle etwas verdienen würden, wäre das grandios. Noch mehr hoffe ich aber, dass wir weitere Swissploitation-Filme drehen und vielleicht sogar andere Regisseure von unserem neu geschaffenen Genre überzeugen können.

Und als nächstes kommt dann «Crazy Globi»?

Ich will noch nichts verraten, sonst schaut mir noch einer meine Ideen ab. Aber es gibt auf jeden Fall noch jede Menge Schweizer Klischees, die wir parodieren können. Und: Wir wollen die Geschichte von Heidi unbedingt noch weitererzählen!

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