Für die ganze Familie
Aktualisiert

Für die ganze Familie

Computer- und Videospiele machen einsam und richten sich nur an Sportmuffel – mit diesen Vorurteilen wollen neue Spiel-Trends aufräumen. Social Gaming ist angesagt.

Der Sohnemann belagert stundenlang die Flimmerkiste, grenzt sich von der Familie ab und vernachlässigt seine sozialen Kontakte – sicherlich die Horrorvision eines jeden Erziehungsberechtigten.

Dass dem nicht so sein muss, beweisen seit Sonys letztjährigem Hit «EyeToy (ET) Play» immer mehr interaktive Spiele. Werden in «ET Play» noch allgemeine Mini-Spiele und Demonstrationen verschiedener Kameramöglichkeiten angeboten, verlangt «SingStar» schon den gezielten Einsatz der Stimmbänder. Die Herausforderungen können zwar in beiden Produkten alleine bewältigt werden, machen aber erst in der Gruppe so richtig Spass.

Doch nicht nur die Familien- und Wohnzimmertauglichkeit ist definitiv in, auch die globale Kommunikation wird in dem aufstrebenden Genre gross geschrieben. Das in Kürze erscheinende «ET Chat» verbindet zwei Gesprächspartner mit Ton und – einen Breitbandanschluss vorausgesetzt – Bild. Einfache Unterhaltungsspiele und der Austausch von Videobotschaften verhelfen bei Abwesenheit des Partners zu Kontakten.

Mit harten Bandagen hingegen (oder zumindest mit an dünnen Fäden befestigten Handschuhen) wird im kommenden Spiel «Darkwind» mit dem «Gametrak» gekämpft. Die Bewegungen der Hände werden dabei direkt ins Spielgeschehen übertragen. Blaue Flecken gibt es zwar nicht, doch schon nach ein paar Minuten mit dem virtuellen Gegenspieler oder einem realen Kollegen im Ring verbrennen die Kalorien am Laufmeter; denn der aktive und dennoch ungefährliche Zweikampf bringt auch den coolsten Typen ins Schwitzen.

Michel Pescatore

Ron Festejo

Creative Director bei Sonys EyeToy-Gruppe (ET)

Ron, woran arbeitest du zurzeit?

Wir haben gerade «ET Chat», «ET Play 2» und «Singstar Party» abgeschlossen und befinden uns auf der Suche nach neuen Anwendungsbereichen für die ET-Kamera.

Woher nehmt ihr eure Ideen?

Meistens entstehen sie in zahlreichen Sitzungen mit den Entwicklern, oft auch aus purem Herumalbern mit den Prototypen heraus. Viele Leute sehen sich ET an, und schon sind wieder ein paar neue Ideen auf dem Tisch.

Verfolgt ihr dabei ein spezielles Ziel?

Die Zielgruppe der 16-25-Jährigen hat schon (zu) viele Spiele. Wir wollen den Rest unterhalten: Kurze, witzige Spiele im Wohnzimmer für die ganze Familie – eben «Social Gaming».

Und persönlich?

Als alter Hase in der Spieleindustrie wollte ich etwas wirklich Neues kreieren, eine völlig neue Art, die Leute interaktiv zu unterhalten. Der Erfolg von ET verpflichtet uns jetzt aber auch, nicht auszuruhen, sondern weiterzumachen.

Was birgt die Zukunft für das interaktive Spielen?

Der Markt wird sicher weiterwachsen, wobei «Social Gaming» ein grosser Aspekt davon sein wird! Europa ist in dieser Hinsicht ein Vorläufer, die USA und Japan hingegen sind noch immer klassische Spielernationen. Noch herrscht Steinzeit, aber bis zum Datenhandschuh aus «Minority Report» ist es nicht mehr allzu weit.

Wir werden coole Dinge sehen, aber leider sind wir noch nicht ganz so weit, wie ich gehofft hatte. Alle beschäftigen sich immer noch mit dem Kopieren, anstatt etwas Neues zu entwickeln.

Hast du einen interaktiven Traum?

Ja klar! (Lacht). Mein Baby, die ET-Kamera, in jedem Wohnzimmer, neben der PlayStation und dem Fernsehgerät.

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