Aktualisiert 15.08.2015 13:38

Bauer ist sauer

«Für die Kuhglocken gehe ich bis ans Bundesgericht»

Weil seine Nachbarn in Wald ZH nicht schlafen konnten, dürfen die Kühe von Manuel Zwischenbrugger nachts keine Glocken mehr tragen. Das will der Bauer nicht hinnehmen.

von
M. Sommerhalder

Noch bimmelt es auf der Weide bei einem Weiler in der Nähe von Wald. «So lange das Gerichtsurteil nicht rechtskräftig ist, ziehe ich die Glocken nicht ab», sagt Manuel Zwischenbrugger (37) und streichelt Kalb Anabelle. Dafür werde er, wenn nötig, bis vors Bundesgericht kämpfen: «Es geht nicht nur um mich – es betrifft alle Bauern.»

Seit zwölf Jahren hält der Landwirt und Forstwart an diesem idyllischen Fleckchen im Zürcher Oberland je nach Jahreszeit zwischen sieben und 16 Rindern, wie er sagt. Einen Steinwurf davon entfernt stehen sechs Häuser. Er habe mit fast allen Nachbarn ein gutes Verhältnis: «Nur eine Familie hat mir schon vor Jahren gesagt, dass sie die Glocken nachts nerven.»

«Zu Kühen gehören nun mal Glocken»

Zwischenbrugger hat das nicht gross beachtet: «Ich finde, dass zu Kühen nun mal Glocken gehören – das macht Freude.» Zudem höre er die Tiere so, wenn mal eines ausbricht. Die Glocken würden sie auch nicht stören, im Gegenteil: «Sobald sie sie tragen, läuft die ganze Herde friedlich hintereinander her – sonst geht es viel chaotischer zu.»

Im vergangenen November seien die Nachbarn dann wegen Lärmbelästigung zur Polizei gegangen. Darauf hat der Gemeinderat ein nächtliches Trageverbot von Kuhglocken im Umkreis des Grundstücks verhängt. «Der Gemeindepräsident überbrachte mir erst im Februar die Nachricht», so Zwischenbrugger: «Ich frage mich, warum er sich nicht für mich eingesetzt hat, schliesslich ist er selbst Bauer.»

«Nachbarn sollten mehr arbeiten – dann könnten sie besser schlafen»

Die Gemeinde Wald äussert sich auf Anfrage nicht zum Verbot. Zwischenbrugger focht den Entscheid jedoch beim Baurekursgericht an – die Richter nahmen darauf eine Hörprobe auf seiner eingezäunten Weide. «Schon da war mir klar, dass ich keine Chance habe», sagt Zwischenbrugger. Tatsächlich fanden die Richter, dass das Bimmeln sehr laut und der Schlaf der Nachbarn wichtiger als die Kuhglocken sei. Sobald das Urteil rechtskräftig ist, muss Zwischenbrugger zumindest nachts seinen Rindern die Glocken abnehmen.

Der braun gebrannte und drahtige Mann ist enttäuscht und fragt sich, was als nächstes kommt: «Bald wird uns Bauern wohl das Güllen und Mähen verboten.» Deshalb hofft er, dass er nun von einer höheren Gerichtsinstanz recht bekommt. «Sonst ist das ein Freipass für alle, die sich ab Kuhglocken stören», sagt er und schaut zum Haus seines Nachbarn: «Vielleicht sollten sie mehr arbeiten. Dann könnten sie nachts besser schlafen.»

Schützenhilfe vom Bauernverband

Auch Ferdi Hodel, Geschäftsführer des Zürcher Bauernverbandes, will sich für Kuhglocken einsetzen. «Sie sind ein Kulturgut und helfen dem Bauern, seine Tiere leichter zu finden», sagt er zu 20 Minuten. Obwohl er die genauen Details vom Fall Manuel Zwischenbrugger nicht kennt, überrasche ihn der Gerichtsentscheid: «In ähnlichen Fällen haben die Gerichte zu Gunsten der Bauern entschieden.» Der Bauernverband will nun mit Zwischenbrugger Kontakt aufnehmen und ihn beim Weiterzug des Urteils unterstützen, sofern er eine Chance sieht.

Fehler gefunden?Jetzt melden.