Fussball-Kassier: Für die «schöne Olga» auf die schiefe Bahn
Aktualisiert

Fussball-KassierFür die «schöne Olga» auf die schiefe Bahn

Als ihm die Cabaret-Tänzerin schöne Augen machte, war es mit dem biederen Leben des Versicherungsberaters vorbei. Erst erleichterte er den FC Kollbrunn-Rikon um über 25 000 Franken, dann wurde geheiratet, jedenfalls auf dem gefälschten Papier.

von
Attila Szenogrady

Der verheiratete Winterthurer, der seit Juli 2004 auch für den Fussballklub Kollbrunn-Rikon als Vereinskassier tätig war, verliebte sich bis über beide Ohren in die Osteuropäerin. Umso mehr, da ihn seine Ehefrau ausgerechnet mit seinem Zwillingsbruder betrogen hatte.

Vereinskasse geplündert

Allerdings hatte das Glück mit der schönen Olga ihren Preis. So verlangte der Cabaret-Besitzer für die Auslösung seiner Tänzerin rund 10 000 Franken. Der verschuldete Angeklagte sah nur noch einen Ausweg: Er plünderte heimlich die Vereinskasse des Fussballklubs.

Die Gelder, die eigentlich für Reisen und Mannschaftsessen bestimmt waren, flossen nun in das Winterthurer Rotlicht-Milieu. Als der Fall im Frühjahr 2006 aufflog, hatte der Angeklagte bereits über 25 000 Franken für sich abgezweigt und seine grosse Liebe freigekauft.

Falsche Hochzeit inszeniert

Als die schöne Olga darauf bestand, dass die Hochzeit am Valentinstag stattfinden sollte, konnte der Angeschuldigte auch nicht nein sagen, obwohl er immer noch verheiratet war.

Der Winterthurer fand eine praktische Lösung, indem er am 14. Februar 2006 einfach eine falsche Heirat organisierte. Dazu fälschte er mehrere Urkunden. Darunter eine Aufenthaltsbewilligung für Olga, eine Trauurkunde sowie ein Familienbüchlein.

Das «grosse Ereignis» fand in der Winterthurer Wohnung des Angeklagten statt. Mit zwei Trauzeugen und einem Trauritual, das er ohne Zivilstandesbeamten durchführte. Selbst das Brautkleid für Olga hatte der Angeklagte an der Zürcher Bahnhofstrasse betrügerisch erlangt.

Geständig, reumütig - und bald wieder solo

Am Mittwoch stand der Angeklagte wegen Betrugs, Veruntreuung und weiteren Delikten vor dem Bezirksgericht Zürich. Unter Tränen zeigte er sich geständig und reumütig. Er lebe heute noch mit Olga zusammen und habe sie inzwischen auch legal geheiratet.

Es zeichne sich aber eine baldige Trennung ab, sagte er. Er könne den aufwändigen Lebensstil der Russin nicht mehr finanzieren, gestand er ein. Olga sei zwar zur Geschäftsführerin eines Cabarets aufgestiegen. Trotzdem verlange sie von ihm immer wieder hohe Geldbeträge.

Geldstrafe beantragt

Der zuständige Staatsanwalt zeigte sich milde und verlangte eine bedingte Geldstrafe von 210 Tagessätzen zu 80 Franken sowie eine Busse von 800 Franken. Der Verteidiger stellte einen Gegenantrag auf 90 Tagessätze zu 21 Franken und verwies darauf, dass sein Mandant einen Grossteil des finanziellen Schadens zurückerstattet habe. So soll auch der Fussballklub inzwischen umfassend entschädigt worden sein.

Das Gericht wird sein Urteil am Donnerstag eröffnen.

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