Guilty Pleasures – Für diese Vergnügen schämen sich die Leserinnen und Leser
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Guilty PleasuresFür diese Vergnügen schämen sich die Leserinnen und Leser

Leserinnen und Leser verraten, welche Unterhaltungsvorlieben ihnen peinlich sind. Ein Wirtschaftspsychologe findet hingegen, die Menschen sollten zu ihren Guilty Pleasures stehen.

von
Bettina Zanni
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Viele Menschen schauen Serien, die ihnen peinlich sind. 

Viele Menschen schauen Serien, die ihnen peinlich sind.

20min/Stevan Bukvic
Der Informatiklernende D. S.* (19) schaut gerne ältere Serien wie «Vampire Diaries» …

Der Informatiklernende D. S.* (19) schaut gerne ältere Serien wie «Vampire Diaries» …

Screenshot/Youtube
… und «Charmed». «Ich mag das Schnulzige.»

… und «Charmed». «Ich mag das Schnulzige.»

Screenshot/Instagram

Darum gehts

  • Leser D. S.* ist ein Fan von «Charmed», schwärmt aber lieber von «Breaking Bad».

  • Leserin S. B.* schämt sich, dass die Serie «Yellowstone» sie in den Bann zieht.

  • «Das Verheimlichen führt am Ende zu einem schlechten Selbstwert», sagt Wirtschaftspsychologe Christian Fichter.

Bei angesagten Serien wie «Squid Game» reden alle Angefressenen gerne mit. Still werden viele aber, wenn auffliegen könnte, dass sie sich eine kitschige Telenovela mindestens so gerne reinziehen. Gleich verhält es sich mit Spielen, Büchern oder Musik. Leserinnen und Leser haben 20 Minuten ihre Guilty Pleasures verraten (siehe Bildstrecke).

Er schaue gerne ältere Serien wie «Vampire Diaries» und «Charmed»», sagt D. S.* (19). «Sie sind sehr kitschig und nicht wirklich gut. Ich mag das Schnulzige», so der Lernende Informatik aus dem Kanton Zürich. Auch hätten die Serien etwas Nostalgisches, da sie ihn daran erinnerten, wie er sich diese als Kind vor dem Fernseher angeschaut habe. «Wenn ich mich mit Leuten über Serien unterhalte, schwärme ich eher von ‹Breaking Bad› oder ‹Mr. Robot›: Serien, die ich als Meisterwerk sehe und die den meisten Leuten gefallen.»

«Davon weiss niemand»

Für ihren Guilty Pleasure schämt sich auch S. B.* (47), Kuratorin und Aktivistin aus dem Kanton Zürich. «Niemand weiss, dass ich zum Abschalten regelmässig Yellowstone gucke.» Die Serie bediene alle Klischees. Ein alter weisser Mann und Grundstücksbesitzer wende seine eigenen Gesetze an, um die Dorfpolitik zu manipulieren. Er nehme die Rolle des «gerechten» Patriarchen ein. «Schlimm ist, dass mir persönlich all das gegen den Strich geht, mich die Serie aber komplett reinzieht. Ich sympathisiere mit dieser machthabenden Familie sogar.»

Dazu stehen könne sie auch nicht, weil die Serie angeblich von der amerikanischen Waffenlobby und rechten Parteien mitfinanziert werde, sagt B. «Zum Glück schaue ich die Serie nur im Darknet und gebe dafür kein Geld aus.»

Hobby gelte fast schon als peinlich

Der Mittelschullehrer Y. Z. (29) hängt seine Leidenschaft für Brettspiele nicht an die grosse Glocke. Er spiele vor allem mit seiner Familie, seiner Freundin oder mit Freunden aus der Brettspiel-Szene. «Wenn ich davon erzähle, schauen mich viele Leute immer wieder schräg an. Sie meinten dann, ich spiele Brettspiele wie Monopoly, Risiko oder Uno.» Dieses Hobby gelte darum fast schon als peinlich. «Dabei gibt es allerhand Spiele. Ich denke, die wenigsten wissen, wie toll zum Beispiel ‹Archenova›, ‹Paleo› oder ‹Flügelschlag› ist.»

Unten erfährst du, was Wirtschaftspsychologe Christian Fichter von Guilty Pleasures hält.

*Name der Redaktion bekannt.

Bin ich einfach gestrickt, wenn ich solche Unterhaltung mag?

Herr Fichter*, warum schwärmen wir zum Beispiel von «Breaking Bad» und wollen nicht zugeben, dass uns etwa «Rosamunde Pilcher» ebenso fesselt?
Nach aussen will der Mensch moralische oder intellektuelle Überlegenheit signalisieren. Unterhaltungsprodukte mit banalen Inhalten wie Liebe, Krieg, Geld, Klatsch und Tratsch werden diesem Anspruch nicht gerecht.

Ist man ein einfaches Gemüt, wenn einen solche Inhalte in den Bann ziehen?
Überhaupt nicht. Das Interesse für das Banale sowie kleinere und grössere Schrecklichkeiten liegt in unserer Natur. Es ist sogar gewissermassen «überlebenswichtig», wenn wir wissen, welche Fallstricke andere Menschen zu gewärtigen haben. Mit dem Essen verhält es sich ähnlich.

Wie?
Kein Mensch kann sich nur von Salat ernähren. Irgendwann gibt es Blähungen und Durchfall. Auch der urbane Lifestylehipster mit der Yogamatte unter dem Arm geht insgeheim mal zu McDonald’s.

Braucht es einen Tabubruch?
Ja. Man sollte zu seinen Guilty Pleasures auf reflektierte Art stehen. Das Verheimlichen führt am Ende zu einem schlechten Selbstwert.

*Christian Fichter ist Wirtschaftspsychologe an der Kalaidos Fachhochschule.

*Christian Fichter ist Wirtschaftspsychologe an der Kalaidos Fachhochschule.

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