18.04.2017 17:59

Zunehmen«Für ein Kilo mehr braucht es bis zu 9000 Kalorien»

Zunehmen ist nicht einfach. Ernährungstherapeutin Stefanie Klein erklärt, worauf untergewichtige Betroffene achten müssen.

von
Salome Kern
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Jemand, der einen BMI von weniger als 18,5 hat, gilt als untergewichtig. Liegt erhebliches Untergewicht vor, schwächt dies den Körper, und es ist möglich, dass Körperfunktionen nicht mehr ausreichend aufrechterhalten werden können.

Jemand, der einen BMI von weniger als 18,5 hat, gilt als untergewichtig. Liegt erhebliches Untergewicht vor, schwächt dies den Körper, und es ist möglich, dass Körperfunktionen nicht mehr ausreichend aufrechterhalten werden können.

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Theoretisch braucht es täglich mehr als 500 Extrakalorien, um eine Gewichtszunahme von maximal 0,5 kg pro Woche zu erreichen. Das entspricht einer Tafel Schokolade. Um ein Kilogramm Gewicht zuzunehmen, braucht es einen Überschuss von sieben- bis neuntausend Kalorien.

Theoretisch braucht es täglich mehr als 500 Extrakalorien, um eine Gewichtszunahme von maximal 0,5 kg pro Woche zu erreichen. Das entspricht einer Tafel Schokolade. Um ein Kilogramm Gewicht zuzunehmen, braucht es einen Überschuss von sieben- bis neuntausend Kalorien.

Grössere Stärkebeilagen wie Pasta oder Brot helfen beim Zunehmen. Wer keine grossen Portionen essen kann, kann Kalorien «verstecken», also einen zusätzlichen Esslöffel Olivenöl unter die Pasta mischen oder noch etwas Rahm in die Suppe geben.

Grössere Stärkebeilagen wie Pasta oder Brot helfen beim Zunehmen. Wer keine grossen Portionen essen kann, kann Kalorien «verstecken», also einen zusätzlichen Esslöffel Olivenöl unter die Pasta mischen oder noch etwas Rahm in die Suppe geben.

Frau Klein, was bedeutet Untergewicht?

Als untergewichtig gilt jemand, der einen Body Mass Index (BMI = Gewicht in Kg: Körpergrösse in m hoch 2) von weniger als 18,5 hat. Dabei gilt es, die Ethnie und die genetische Veranlagung zu berücksichtigen. Manche Menschen sind einfach sehr schlank. Es kann jedoch eine Krankheit dahinterstecken, bei Gewichtsverlust ist deshalb eine ärztliche Abklärung angezeigt.

Welche Nachteile hat das?

Wenn das Untergewicht nicht krankheitsbedingt ist und die Person ausgewogen isst, regelmässig körperlich aktiv ist und sich gesund fühlt, ist das kein Problem. Liegt jedoch erhebliches Untergewicht vor, schwächt dies den Körper, und es ist möglich, dass Körperfunktionen nicht mehr ausreichend aufrechterhalten werden können. Beispielsweise kann es sein, dass eine Frau nicht schwanger werden kann.

Wann ist ein Arztbesuch oder eine Ernährungsberatung nötig?

Ein Arztbesuch ist dann nötig, wenn man abnimmt ohne bewusste Essverhaltensänderung oder vermehrte sportliche Aktivität. Die Massnahmen unterscheiden sich je nach Ursache: Liegt ein krankheitsbedingtes Untergewicht, zum Beispiel bei Krebs, oder eine deutliche Fehlernährung vor, werden die Kosten für eine Ernährungsberatung nach der ärztliche Überweisung durch die Krankenversicherung übernommen.

Bedeutet Zunehmen, dass ich essen darf, was ich will?

Zunehmen bedeutet deutlich mehr zu essen, als der eigentliche Bedarf ist. Theoretisch braucht es täglich mehr als 500 Extrakalorien, um eine Gewichtszunahme von maximal 0,5 kg pro Woche zu erreichen. Das entspricht einer Tafel Schokolade.

Täglich eine Tafel Schokolade?

Es ist empfehlenswert, die Energieaufnahme über eine ausgewogene Ernährung zu erhöhen. Das kann durch grössere Beilagen wie Brot, Pasta oder durch Zwischenmahlzeiten erfolgen. Wer keine grossen Portionen essen kann, darf Kalorien «verstecken», also einen zusätzlichen Esslöffel Olivenöl unter die Pasta mischen oder etwas Rahm in die Suppe geben.

Was gilt es zu beachten?

Wer zunehmen will, sollte mehrere Mahlzeiten pro Tag essen. Lange Nüchternheitsphasen sind zu vermeiden, denn wenn längere Zeit nichts gegessen wird, greift der Körper auf die Reserven zurück. Das gilt insbesondere über Nacht: Da empfiehlt es sich, eine Spätmahlzeit einzunehmen. Eine Ernährungsumstellung bedeutet eine Verhaltensänderung. Das ist nicht einfach und braucht Zeit und Durchhaltevermögen. Zunehmen ist wie Abnehmen: Es ist für die Betroffenen oft nicht einfach, und um das Ziel zu erreichen, muss langfristig daran gearbeitet werden.

Wie viel Kilo mehr pro Monat ist gesund?

Um ein Kilogramm Gewicht zuzunehmen, braucht es einen Überschuss von sieben- bis neuntausend Kalorien! Theoretisch ist es bei 250 bis 500 Extrakalorien täglich möglich, ein bis zwei Kilo zuzunehmen pro Monat.

Warum nehmen nicht alle gleich gut an Gewicht zu?

Nicht alle Menschen haben den gleichen Stoffwechsel. Manche Menschen verbrauchen in Ruhe mehr, andere weniger Energie. Das hängt von vielen Faktoren ab, jedoch auch bei gleichem Gewicht, Geschlecht und Alter gibt es Unterschiede. Hier spielen genetische Faktoren eine Rolle.

Kann ich das Zunehmen mit Sport unterstützen?

Der Muskelaufbau kann durch Sport unterstützt werden, dabei eignet sich Krafttraining besser als Ausdauersport. Ein zu intensives Sportprogramm erhöhte jedoch den Energiebedarf und reduziert den Appetit. Um den Muskelaufbau zu unterstützen, ist es wichtig, vor und nach der Belastung zusätzlich Energie und Protein aufzunehmen.

Stefanie Klein ist Ernährungstherapeutin am Universitätsspital Basel.

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