Aktualisiert 26.10.2010 21:04

Thalwil ZH

Für einmal kein «Chügeli-Dealer»

Im Zürcher Seefeld ist ein gebürtiger Westafrikaner an mehrere Polizeibeamte geraten. Für einmal war es kein «Chügeli-Dealer», sondern ein Thalwiler Bankangestellter, der sich massiv gegen seine Verhaftung zur Wehr setzte. Er wurde am Dienstag deshalb verurteilt.

von
Attila Szenogrady

Es war an einem Vormittag, als ein heute 29-jähriger Bankangestellte und seine Schweizer Ehefrau am 21. Februar 2009 einen Umzug durchführten. Der gebürtige Westafrikaner und seine Gattin waren mit einem Lieferwagen unterwegs und wurden von zwei Kollegen begleitet. Auf der Höhe des Bahnhofs Tiefenbrunnen passierte es: Wegen einer versehentlich überfahrenen Sicherheitslinie wurde der Laster einer Polizeikontrolle unterzogen.

Eskalation wegen dunkler Hautfarbe

Der deutsche Lenker des Fahrzeugs zeigte sich ruhig. Im Gegensatz zum Thalwiler Angeklagten, der sich als Mitfahrer massiv über die Polizeibeamten beschwerte. Er erklärte, dass die Kontrolle unrechtmässig sei und nur wegen seiner dunklen Hautfarbe erfolgt sei. Die Polizisten sahen es anders und verlangten vom verdächtigen Mann seinen Ausweis. Fest steht, dass in der Folge die Situation eskalierte. In einer Schlussphase setzte sich der Angeschuldigte mit massiver Körpergewalt gegen eine Verhaftung zur Wehr, indem er sich in der Führerkabine verschanzte. Schliesslich wurde er von einem Polizeibeamten aus dem Wagen gezerrt, überwältigt und in Handschellen gelegt.

Reflexartige Abwehr geltend gemacht

Der Vorfall zog rechtliche Folgen nach sich. Die Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat leitete eine Strafuntersuchung gegen den Thalwiler ein und erhob im letzten August Anklage wegen Hinderung einer Amtshandlung. Der Strafantrag lautete auf eine bedingte Geldstrafe von 21 Tagessätzen zu 100 Franken sowie 800 Franken Busse.

Vor Gericht beteuerte der heute französische Staatsangehörige seine Unschuld und führte aus, dass er sich bloss reflexartig gegen die Polizisten gewehrt habe. Auch Verteidiger Lorenz Baumann verlangte einen vollen Freispruch und machte ein sprachliches Missverständnis geltend. Baumann verwies dabei auf die Frau des Angeklagten. Sie hatte als Zeugin ausgeführt, dass ihr Mann zwar vieles verstehe, aber nicht immer alles begreife.

Glaubhafte Polizeibeamte: Schuldspruch

Das Gericht folge zum Schluss den Darstellungen der glaubhaften Polizeibeamten, welche die Geschichte nachvollziehbar geschildert hätten. Im Gegensatz zu den sich widersprechenden Begleitern des Angeklagten. Der Einzelrichter stützte sich bei seinem Schuldspruch auch auf die Aussagen der Ehefrau des Beschuldigten ab. Diese hatte in der Untersuchung grundsätzlich bestätigt, dass sich ihr Mann gegen die Polizei gesperrt habe. Das Gericht ging von keinem schweren Verschulden aus und setzte für den unterlegenen Angeklagten eine milde und bedingte Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu 30 Franken fest. Zudem eine symbolische Busse von 200 Franken.

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