Couchepin-Nachfolge: «Für FDP-Politiker existiert das Tessin nicht»

Aktualisiert

Couchepin-Nachfolge«Für FDP-Politiker existiert das Tessin nicht»

Die 1948 gegründete Tessiner Vereinigung «Coscienza svizzera» meldet sich vor der Bundesratswahl vom 16. September zu Wort. Bei der Wahl der Nachfolge von Bundesrat Pascal Couchepin dürfe die «Italianità» nicht vergessen werden.

»Coscienca svizzera» mit ihren 600 Mitgliedern hat zum Ziel, die Sensibilität für die sprachlichen Minderheiten aufrecht zu erhalten. Sie organisiert dazu Veranstaltungen, Konferenzen, Seminarien, Workshops und publiziert Dokumentationen.

Die Mühe des Tessins

Die italienische Schweiz habe Mühe, nördlich der Alpen verstanden zu werden und Gehör zu finden, hiess es an einer Medienkonferenz am Donnerstag in Bern. Sie friste in der Bundesverwaltung ein Schattendasein. Das habe zu einer Isolierung der italienischsprachigen Schweiz geführt und einen Populismus im Tessin befördert.

»Coscienza svizzera» plädiert dafür, die verschiedenen Identitäten in der Eidgenossenschaft aufzuwerten. Die mit dem Metropolitanraum Mailand konfrontierte italienische Schweiz müsse besser begriffen werden. Das Tessin dürfe mit Blick auf die Eröffnung des Eisenbahn- Gotthardtunnels weder zum «Quartier latin» von Zürich noch zur «Stadt Zug» von Mailand werden.

FDP-Ohrfeige

Isoliert auf der politischen Landkarte der Schweiz fühlt sich der Südkanton insbesondere seit der Nicht-Nominierung des FDP- Parteipräsidenten Fulvio Pelli als Bundesratskandidat. Die Zeitung «Giornale del Popolo» qualifizierte am Samstag den Entscheid der FDP- Fraktion vom Vortag als «Ohrfeige für das Tessin» und beklagte sich: «Für die FDP-Politiker auf Bundesebene, allen voran für die Westschweizer, existiert das Tessin nicht.»

Die Tessiner Flagge hochhalten will nun der CVP-Regierungsrat Luigi Pedrazzini. Der 56-jährige Justizdirektor kündigte er an, er stelle sich als Kandidat für das von der Partei geplante Einerticket zur Verfügung.

Ebenfalls schon mehrmals als valabler Kandidat aus dem Tessin ins Spiel gebracht wurde der FDP-Ständerat und Präsident der Aussenpolitischen Kommission Dick Marty. Marty war für eine Stellungnahme am Donnerstag aber nicht zu erreichen.

Notiz an die Redaktion: Letzte drei Abschnitte neu

(sda)

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