Warner fordert Geld: Für Feuerwehr, Polizei und Spitäler wird die «Jerusalema»-Challenge jetzt teuer
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Warner fordert GeldFür Feuerwehr, Polizei und Spitäler wird die «Jerusalema»-Challenge jetzt teuer

Dieser Tanz geht um die Welt und wird teuer. Warner Music fordert nachträglich Lizenzgebühren für «Jerusalema» ein.

von
Sven Forster

Der Tanz-Hit der Zuger Polizei.

Zuger Polizei 

Darum gehts

  • Warner Music fordert nachträglich Geld ein für die «Jerusalema-Challenge».

  • Es sei wichtig, dass die Künstler bezahlt werden.

  • Die Version der Zuger Polizei hat Millionen erreicht.

Überall auf der Welt tanzen die Menschen zum Song «Jerusalema». Der Hit stammt aus der Feder von Master KG, einem DJ aus Südafrika. Der Musiker steht bei Warner Music unter Vertrag. Besonders durch den Tanz, also die «Jerusalema-Challenge», wurde der Song zu einem Hit. Egal ob Polizisten, Pflegekräfte oder Feuerwehrleute, viele auf der ganzen Welt tanzten gegen den Corona-Frust an.

Die Challenge sollte für Warner also eine gute Werbung sein, doch nun werden die Videos für die Tänzer zu einem finanziellen Problem. Wie «Focus» berichtet, fordert Warner Music nachträglich Lizenzgebühren für die Nutzung ihres Titels ein. Warner bestätigt diesen Schritt: «Wir lieben die Tatsache, dass die Fans hinter ‹Jerusalema› stehen. Aber wenn Organisationen den Song nutzen, um sich selbst zu promoten, sollten sie sich unserer Meinung nach eine Synchronisationslizenz sichern.»

Nach Aussagen von Warner haben viele Unternehmen und Organisationen vor der Veröffentlichung eine Lizenz gesichert. Der Sprecher von Warner: «In diesen schwierigen Zeiten ist es wichtiger denn je, dass Künstler und Künstlerinnen für ihre Musik bezahlt werden, wenn sie von Dritten genutzt wird, um ihre Reputation zu steigern.»

«Wahnsinniger Skandal»

Das Innenministerium von Nordrhein-Westfalen hat die Rechnung bereits bezahlt. Eine Sprecherin: «Es trifft zu, dass das nordrhein-westfälische Innenministerium die Forderungen von Warner Music für mehrere Polizeidienststellen im Zusammenhang mit der ‹Jerusalema-Challenge› beglichen hat.» Wie hoch die Lizenz ist, wurde nicht kommuniziert. Sie dürfte jedoch mehrere Tausend Euro betragen.

Mehrere Polizeikorps aus NRW haben getanzt.

Mehrere Polizeikorps aus NRW haben getanzt.

Youtube Screenshot Polizei NRW

Gegenüber «Focus» spricht der Anwalt Frank Hannig von einem «wahnsinnigen Skandal». Er bezeichnet die Forderungen als «Abzocke von dem Herrn». Allerdings: Unberechtigt dürfte die Forderung von Warner nicht sein. Wer einen urheberrechtlich geschützten Song im Internet veröffentlicht, muss zunächst die entsprechenden Lizenzen einholen.

Auch in der Schweiz haben viele Menschen zum Song getanzt. Das Video der Zuger Polizei ging viral. Millionen von Menschen haben es gesehen. Auch andere Schweizer Institutionen haben bei der «Jerusalema-Challenge» mitgemacht. Etwa das Schweizer Paraplegiker-Zentrum SPZ in Nottwil, das ebenfalls hundertausende Views alleine auf Youtube holte. Auch das Universitätsspital Zürich hatte mit ihrer Version einen grossen Hit.

Die Zuger Polizei verfügt über die Lizenz zur Benutzung des Songs. Auf Anfrage von 20 Minuten schreibt Mediensprecher Frank Kleiner, dass in diesem Fall selbstverständlich das Urheberrecht gelte. «Die Zuger Polizei hat deshalb die Lizenz für die Nutzung des Songs «Jerusalema» (feat. Nomcebo Zikode) von MASTER KG rechtmässig erworben», so Kleiner. «Diese Lizenz ist weltweit ab 13. Januar 2021 (Tag der Veröffentlichung) gültig und umfasst zum einen die Masterrechte (Rechte an der Aufnahme) wie auch die Verlagsrechte (Rechte an der Komposition und dem Text).»

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